 Wandbild in Kalkutta Das internationale Terminal des Flughafens lag ganz ruhig und verpennt da, als wir puenktlich morgens um 7 anrollten. Auf einer Fahrradrikscha - am letzten Morgen noch das letzte Geld verprassen. Mit dem Verprassen waere es fast nichts mehr geworden, die meisten Laeden hatten eh noch geschlossen und erst nach Check-In und Sicherheitsabfertigung hatten wir dann eine Chance, unsere letzten Rupien in Sandwiches, Getraenke und Suessigkeiten zu investieren. Und nicht einmal meine Lieblings-Munch-Schokowaffeln (lustiger Werbespot online) hatten sie im Angebot.
Dafuer gab es zumindest noch die neue Tagespresse, um unsere durch Ueberpuenktlichkeit bedingte lange Wartezeit zu ueberbruecken. Naja, spaeter wurden wir dann eben mit einem Bus zum Flugzeug (A320) gekarrt - unsere letzte indische Busreise sozusagen. Der Flug war nicht sehr voll, wir hatten die drei Plaetze fuer uns allein und konnten alles um uns herum verteilen. Also Buecher, Kamera, Bordhefte, Essen, Erdnuesse und solche Sachen wie Susans Whiskey, den sie gegen ihr ungutes Fluggefuehl angefordert hatte. Schien sehr beliebt zu sein, die mitreisenden Inder orderten manchmal gleich mehrere der kleinen Plastikflaschen. Muessen unter entsetzlicher Flugangst leiden. Und dann ging schon alles so schnell. Die Stewardessen oder Flugbegleiterinnen oder wie die heute heissen schafften gerade so ihre ganze Runde, unten wechselte es von Land auf Wasser und wieder Land und wieder Wasser und dann endgueltig Land und schon gingen wir auch in den Sinkflug ueber. Zeitumstellung dazwischen, genaue weiss ich es gar nicht, aber ich glaube, die Flugzeit betrug 2,5 Stunden. Komisch, wir waren nun immer so lange und anstrengendere Reisen gewoehnt, diese kurze und komfortable war dann aber wohl doch die weiteste in letzter Zeit. Und dann standen wir auch schon am Immigration Counter im Flughafen. Und alles war so anders. So ganz modern und ganz sauber und die Leute haben einen angeguckt und gelaechelt. In Indien mussten wir ja nicht unbedingt davon ausgehen, dass der Gespraechspartner einen auch angucken wuerde. Dann raus in die Vorhalle. Der grosse Menschenandrang am Ausgang und die versammelten Kameras galten aber nicht uns. Irgendwie muss ein Star gelandet sein, wir sahen spaeter noch ein paar kreischende Teenager hinter einem Bus mit verspiegelten Scheiben herlaufen. Nach ungefaehr 30 Sekunden hatte ich die Anzahl der in den letzten viereinhalb Monaten gesehenen Mercedes (eigentlich auch die aller deutschen Autos) um ein mehrfaches uebertroffen. Wir aber kauften uns ein Ticket fuer den Airportbus in die Stadt und freuten uns darueber, die 40 Minuten Wartezeit mit einer Erkundung des wiedergefundenen Paradieses der Moderne zu ueberbruecken.Susan traute sich als erste in den eiskalt klimatisierten Family Mart und brachte mir einen Fruchtjoghurt im Plastikbecher mit - was fuer eine Koestlichkeit. Die Fahrt in die Stadt war gespalten - einerseits erlebten wir einen kleinen Kulturschock angesichts der Sauberkeit, der modernen Autos und der Wolkenkratzer, die sich hier in den Himmel bohren. Andererseits uebte der ebenfalls moderne, leise, stossgedaempfte und viel zu kalte Bus eine stark einschlaefernde Wirkung auf uns aus. Wir schliefen ein. Obwohl es doch so viel zu sehen gab. Aber zu unserer Ehrenrettung muss ja gesagt werden, das nahezu der ganze Bus schlief und wir auch frueh aufgestanden waren. Wir wurden gerade noch frueh genug wach, um am Koenigsplatz die Menge bunter Drachen in den Himmel steigen zu sehen und ein bisschen die Umgebung unseres Ziels - der Kao San Road - zu betrachten. Dort stiegen wir aus und fragten zwei gerade abreisende Leute nach einem Guesthouse. Wir hatten Glueck - sie empfahlen uns eines gleich in der Naehe und dort landeten wir dann auch. Im New Joe Guest House. Uns kam es vor wie ein 5-Sterne-Hotel - mit Balkon (hatten wir eigentlich in ganz Indien nicht) und so viel Licht im Zimmer und Handtuechern und so sauber und irgendwie so neu aussehend (obwohl das Haus schon eine ganze Weile steht). So, jetzt faehrt bald mein Bus ab, ich muss erstmal Schluss machen. |