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Heute stand Zugfahren auf dem Programm. Auf der Strecke der Konkan Railway, dem groessten und teuersten Eisenbahnprojekt in Indien, das eine Verbindung von Bombay nach Mangalore herstellt. Es werden 140 Fluesse ueberquert, es gibt 2000 Bruecken und 10 Prozent der Gesamtlaenge sind entweder Bruecken oder Tunnel. Soweit zur Information. Wir wollten uns auf einen kleinen Abschnitt von 83 Kilometern beschraenken. Am Abend zuvor hatten wir uns im Internet eine Verbindung herausgesucht. 14:53 sollte Abfahrt sein. Also mit dem Bus nach Chaudi und dann noch 2 Kilometer laufen. Der Bahnhof lag ruhig und verlassen da, nur ein paar Rikschas hatten sich eingefunden und hofften auf ein paar Fahrgaeste von einem der wenigen Zuege, die dort am Tag halten. 12:45 waren wir am Schalter und bekamen die Auskunft, dass es erst um 14:30 Tickets geben wuerde. Also setzten wir uns hin und warteten und lasen. Nach einer Weile hiess es ploetzlich: "Wo wollt ihr hinfahren?" Aeh? Vor uns stand ein indisch aussehender Backpacker mit dichtem Vollbart, der mit uns in fliessendem Deutsch sprach. Er hiess Mitch, war Englaender indischer Abstammung und hatte mal fuer ein Jahr in Berlin gelebt. Gleich um die Ecke. Er war schon seit einem Jahr unterwegs, hatte seine Reise im Baltikum begonnen, weiter ueber Russland und China und war nun schon seit 4 Monaten in Indien. Sein Versuch, Karten zu kaufen, wurde erstmal mit dem Hinstellen eines "Closed"-Schildes vor die Luke beantwortet. Mit Mitch verging die Zeit dann ziemlich schnell, wir hatten ja eine Menge zu erzaehlen. Spaeter gab es dann Tickets und wir betraten den Bahnsteig. Aber ein Zug kam nicht. Auch nach einer Viertel- und einer halben Stunde nicht. Aber um 15:52 rollte einer ein - "in time". Sowohl das Internet als auch das liebevoll handgemalte Schild im Bahnhof sagten 14:53. Dass er inzwischen eine Stunde spaeter faehrt, interessiert hier nicht. Vielleicht hat es ja auch etwas mit der Sommerzeit zu tun, falls es die hier gibt. Nachtrag: Die gibt es nicht.
Rein in den Zug, ein mittelalter Inder und seine Mutter haben uns dann auch gleich einen Platz auf ihrer Bank angeboten. Los ging es. Nach einer Weile tauchte ploetzlich ein Mensch unter unserer Bank auf, der mit einem alten dreckigen Lappen den Muell dort aufwischte. Er streckte Susan seine Hand mit ein paar Muenzen darin hin und im ersten Moment dachten wir, sie haette das Geld verloren. Aber nee, es war ein Bettler, der auf dem Boden durch den Zug rutschte. Doch noch bevor wir das richtig erkennen konnten, wurde er schon von den anderen Leuten ringsum lautstark weggejagt. Der Inder auf unserer Bank war freundlich zu uns, guckte sich unsere Buecher an und freute sich, dass wir nach Gokarna unterwegs waren. Und stiftete uns auch dazu an, unseren Muell aus dem Fenster zu werfen, wie es ja hier normal ist. Die Fahrzeit verging recht schnell, die Tunnel und Bruecken machen sich wohl bezahlt. Beim Aussteigen half ich noch einem hutzeligen Maennchen (wieder mit blutroten Zaehnen und Mundwinkeln), seinen tonnenschweren Sack auf den Kopf zu heben und schon waren wir wieder von TukTuk-Fahrern umringt. Aber wir fahren ja lieber mit dem Bus. Es gab auch einen vor dem Bahnhof, einen Minibus, der hoffnungslos ueberfuellt wurde (aber auf das Dach musste immerhin niemand) und dann auch erstmal die Tankstelle ansteuerte. Das passiert oefter, wir standen auch schon mal mit einem Linienbus an der Tankstelle.
9 Kilometer Fahrt bis Gokarna. Dort empfing uns der Kontrollposten fuer Auslaender. Hier verschwinden wohl manchmal Leute und daher registriert die Polizei die ankommenden Auslaender, um im Falle eines Falles eine Akte anlegen zu koennen oder so. Also Daten in ein Formular eintragen und weiter ins Stadtzentrum. Nun hatten wir ein bisschen Zeitdruck. Durch die Verschiebung mit der Bahn kamen wir erst in der beginnenden Daemmerung an. Doch wir hatten noch einen Zwei-Kilometer-Marsch ueber einen Huegel vor uns, der uns von unserem heutigen Ziel, dem Kootlee-Beach, trennte. Wir kannten den genauen Weg nicht und eine Taschenlampe hatten wir auch nicht dabei. Also schnell zum Ganesh-Tempel, den Suedeingang gesucht (ohne Kompass, Daniel!) und dort in die schmale Gasse gegenueber eingebogen. Der Weg fuehrte steil bergauf und wurde immer schlechter. Als wir den Huegel erklommen hatten, ging so eine Art Steppenlandschaft mit ganz vielen hingeklecksten Lavasteinen los. Und es wurde immer dunkler. -- wird fortgesetzt --
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