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 Strandbulle Krankheitsbedingt waren die letzten Tage etwas ruhiger, so dass es keine prallvoll gefüllten Erzähltüten zum Umherschlenkern gibt. Gestern haben wir ein paar Kilometer Strandwanderung bis hin zum gestrandeten Frachter hinter uns gebracht, denn wir müssen ja nun langsam mal unsere Hautfarbe den hiesigen Gepflogenheiten anpassen. Wir wollen nur nicht so aussehen, wie die dicke Engländerin neulich, die einer in violette Folie verpackten Wurst aehnelte. Hier in Calangute gibt es allerhand merkwürdige Typen. Gestern haben wir ein altes indisches Maennchen auf einem Fahrrad gesehen, das mit seiner Zahnlücke laut jodelnd! durch die Strassen fuhr. Leider ist die Stadt auch unter englischen Pauschalreisenden sehr beliebt, so dass wir hier nicht so viele interessante junge Backpackermenschen treffen.
Also heute einfach mal ein paar Sachen, die sich so angesammelt haben und irgendwie ungewohnt sind.
Linksverkehr: Den Linksverkehr konnten wir schon schoen beim Anflug auf London sehen. Da war mir noch gar nicht klar, dass er uns ja auch direkt betreffen würde. Wir haben immer noch unsere Schwierigkeiten damit, weil wir andauernd zur falschen Seite gucken, wenn wir über die Strasse wollen. Oder ich mich an die Bushaltestelle in die falsche Richtung setzen will. Ich bin manchmal so verwirrt, dass ich nicht einmal aus dem Stehgreif sagen koennte, auf welcher Seite in Deutschland gefahren wird. Muss mir dann immer erst meine Strasse vor Augen rufen und dann weiss ich es auch wieder. Aber ich eifere Susan nach und werde mich wohl auch daran gewoehnen.
Kuschelnde Maenner: Das indische Strassenbild wird anscheinend zu 90% von Maennern gepraegt. Waehrend meist keine Frauen zu sehen sind, handeln sie draussen, schwatzen, schlafen, stehen einfach nur rum oder kuscheln. Ja, sie kuscheln. Da wird haendchenhaltend durch die Strassen gerannt oder dem anderen liebevoll der Arm umgelegt. Homosexualität steht unter Strafe und das kann es auch nicht sein, denn bei der Häufung haette es nicht klappen koennen mit der Einwohnerzahl weit über einer Milliarde.
Betelnussgerotze: Blutige Mundwinkel, rote Flecken auf der Erde - keine Sorge. Maenner, die diese Zeichen aufweisen bzw. hinterlassen, leiden nicht an einer gefaehrlichen oder gar ansteckenden Krankheit. Sie kauen nur auf Betelnüssen oder einem Instant-Pulver davon. Und rotzen rote Spucke aus. In riesigen Mengen. Ueberall. Da wird meist vorher noch ordentlich und geraeuschvoll hochgezogen, bevor sich die Ladung auf die Strasse ergiesst. Auch wenn zwei deutsche Reisende nur noch einen Meter entfernt sind, was weg muss, muss weg. Hier in Goa sieht man es nicht mehr ganz so oft, in Bombay rotzten selbst die Taxifahrer aus den Fenstern ihrer Autos.
Freunde: Wir haben ja so viele Freunde hier. Warum wussten wir davon eigentlich gar nichts vor der Abreise? Bei so vielen Freunden koennten wir ja jahrelang durch Indien reisen, ohne uns irgendwelche Budgetsorgen zu machen. Also die uebliche Anrede auf der Straße ist "Hello (my) friend." Gefolgt von Fragen wie 1. Taxi? 2. Tuk Tuk? 3. Do you want ...? (hier je nach Bedarf einsetzen, meist Kaufangebote oder Komm-in-meinen-Shop-Aufforderungen)
Taxifahren: Na ueber die Taxifahrer haben wir uns ja schon genug ausgelassen. Aber nach der versuchten Entfuehrung vorgestern muss ich doch noch einmal was dazu schreiben. Eine ganz besondere Spezies, sie leiden wahrscheinlich an einer Krankheit, die sie in unregelmaessigen Abstaenden "Taxi?" oder "Tuk Tuk?" hervorbringen laesst. Auch wenn man gerade den Eingang zum Strand betritt und offensichtlich kein Taxi braucht oder vor einer Minute schon mal verneint hat, fragen kostet ja nichts. Eventuell sollten wir uns T-Shirts mit dem Aufdruck "Thank you, no taxi." anfertigen lassen. Jedenfalls kam ich am Sonntag vom Markt zurueck, als mich ein Fahrer angrinste, die Schiebetuer seines Taxis aufschob, mich am Oberarm packte und in sein Taxi zerren wollte. Ich war ganz schoen ueberrascht, konnte mich allerdings noch losreissen, bevor er mich irgendwohin verschleppt haette. Dabei hatte ich doch hoeflich reagiert und "no" gesagt.
Busfahren: Das ist schon viel lustiger. Solange man Ein- und Aussteigen schnell ueber die Buehne bringt, passiert einem nichts. In den Bussen arbeiten ein Fahrerwallah, ein Kassenwallah und ein Tueroeffner- und Schliesserwallah. Da in vielen Bussen laute schwungvolle indische Musik laeuft, bedient sich der letztere haeufig einer Trillerpfeife, um dem ersteren zu verdeutlichen, dass nun losgefahren werden kann. Das macht er dann auch, recht flott sowieso, denn Zeit ist Geld und er ist ja der groesste auf der Strasse und Schlagloecher gibt es nun eben mal.
"Excuse me Sir, soap ear?" Vorgestern sind sie mir zum ersten Mal begegnet. Aber das wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein. Die Ohrenputzerwallahs. Sie quatschen einen auf der Straße an und waehrend man noch dabei ist, das eigentuemliche indische Englisch im Kopf in verstaendliche Sinneinheiten umzusetzen, attackieren sie einen mit ihren Staebchen. Ich konnte ihnen jedoch noch entkommen, bevor sie mein Trommelfell zu perforieren beginnen konnten.
Susanmodel: Es ist schon oefter vorgekommen, dass Susan angequatscht wird und mit Indern zusammen auf einem Foto posieren soll. Da kommt dann so eine gut gekleidete Touristenfamilie, stellt sich mit Susan auf, ein paar Fotos werden gemacht und hinterher wird sich dann auch überschwenglich bedankt. Anscheinend werden diese Fotos dann hinterher rumgezeigt und die gute europäische Freundin, mit der man den halben Urlaub verbracht hat, wird dabei erwaehnt.
Baden: Frauen baden in ihren Saris, Maenner in ausgeschlabberter Unterwaesche. Aber das groesste Erlebnis scheint es zu sein, einfach in riesigen Menschentrauben am Strand zu stehen und aufs Meer zu gucken. Oder, als Steigerung, sich dicht ans Wasser zu setzen und ab und zu mal von einer Welle umspuelen zu lassen.
Kuehe: Das ist ja eigentlich allgemein bekannt, aber trotzdem lustig anzusehen, wenn sie in Bombay durch die Gassen laufen und im Muell wuehlen. Oder in Goa am Strand flanieren.
Es gibt hier handtellergrosse Schmetterlinge. Im Gegensatz zu diesen bunten Sommerflatterern hausen in den Baeumen aber auch jede Menge Kraehen, die mit ihrem "krah krah" irgendwie so eine europaeische Wintererinnerung bei 35 Grad Celsius hervorrufen. Schlangen: Eine haben wir bisher gesehen. Aber die war schon tot. Als wir das erste Mal am Strand waren, kamen zwei Jungs vorbei und hatten einen Fisch in der Hand. Mensch, war der Fisch lang. Und so silbern. Und so duenn und laenglich. Na dann wurde uns klar, dass es doch eher eine Schlange war. Ungefaehr 1,50 m lang. Wahrscheinlich war es eine Seeschlange, die werden hier wohl oefter mal tot an den Strand gespuelt. Elefanten: Zwei Sichtungen bisher. Aber das waren eher so bunt geschmueckte Zirkuselefanten, die von als Moenchen verkleideten Indern durch die Stadt gefuehrt werden.
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