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Also ich hatte mich natuerlich von Anfang an in einem schillernden und glitzernden Tanzkostuem vorgestellt, Alex vielleicht mit einem Turban auf dem Kopf und angeklebten Schnurrbart um meine Gunst buhlend. Und aus irgendeinem Grund hatte ich mir als Drehort ein gro¤es Einkaufszentrum vorgestellt. Jona und Andrew erwarteten ein Restaurant - das angeblich beste von ganz Bombay! So hatte ihnen das zumindest Kiran, unser Filmfreund, gesagt. Dass es Essen und Getraenke geben sollte, davon hatten alle gehoert und deshalb auch nicht gefruehstueckt. Jaja, nicht wie die Leute, die vor einer Party den ganzen Tag nichts essen - es war einfach noch zu frueh. Hm, irgendwann waren wir jedenfalls da. Im besseren Viertel von Bombay. Wir hielten vor einem riesigen hellen Gebaeude, bewacht von mehreren Portiers in Uniform. Das war also das beste Restaurant der Stadt. War es? Vielleicht - jedenfalls gingen wir daran vorbei. Hm, dann eben doch ein anderes der vielen schoenen Haeuser. Aber erstmal nochmal nach dem Weg fragen. Nochmal ein bisschen in eine Richtung, und dann wieder den selben Weh zurueck und dann noch ein bisschen hin und her gehen, so kannten wir das ja schon. Doch langsam rueckten wir dem Ziel naeher. Nur, warum ist jetzt gar kein Haus mehr sondern nur ein vermuellter Pfad und eine Kuh zu sehen? Wahrscheinlich liegt so ein toller Esstempel der High Society ein wenig verborgen in den Huegeln am Fuss der Berge, die wir jetzt fast erreicht hatten. Hinter der naechsten Biegung sahen wir zwar immer noch nichts Restaurantaehnliches, aber schonmal ein paar Stars, die auf dem Boden sassen und sich schminkten. Also ein paar Maedchen so in meinem Alter waren das, die uns gleich genaustens beobachteten. Ohne ein Wort war unser Begleiter ploetzlich verschwunden und so warteten wir erst mal wieder ein bisschen, fragten uns, was auf uns zukaeme und hatten Hunger. Unser Begleitwallah kam wieder und wir stiegen den Huegel wieder hinunter. Oh, ein Restaurant vor uns! Wohl kaum das Beste der Stadt, eher ein Imbiss aber vielleicht gibts ja jetzt was zu essen? Nee, auch daran gingen wir vorbei in eine Art grosse Halle.  Studio Spaeter haben wir dann rausgefunden, dass das Filmstudios waren. Vom Bekleidungswallah, einem sehr stylischen Inder im Hawaiihemd, bekamen wir schicke Sachen. Ich ein Glitzerkleid und die Maenner - ausser Alex, der schon ganz beleidigt war, weil er dachte, er darf nicht mitspielen (wahrscheinlich war der Kostuemfundus einfach erschoepft) - tolle Anzuege wie original aus den Achtzigern und zwei Nummern zu gross. Dann wartetetn wir. Dann wurden wir wieder raus und auf den Huegel gescheucht. Dann warteten wir. Dann bekam jeder ein buntes Band in die Hand und sollte sich entlang eines Zauns vor einem kleinen Tuempel aufstellen. Wir als Weisse durften als erste - direkt hinter den drei richtigen Schauspielern - in der Reihe stehen. Ich mit meinem schicken Glitzerkleid und Turnschuhen wurde sogar als allererste von uns eingereiht. Vor mir stand dann noch ein dickerer Inder mit Turban- inzwischen AlexÇund mein Idol, denn er sang waehrend des Drehs unseren neuen Lieblingssong Wakooina Wakooina. Vorm Turbansaenger seine Filmfrau, die ihm immer seinen Text vorsagen musste, weil er ihn wohl nicht gelernt hatte und besonders mit den englischen Woertern Probleme hatte. Eine ganze Weile dachte ich noch, das waere Absicht und er spiele so eine Art Trottel aber die Textschwaechen tauchten immer mal an anderer Stelle auf. Und ganz vorne in der Reihe der eigentliche Star, eine junge Inderin in gelb und bauchfrei. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch weit davon entfernt, zu wissen, worum es ueberhaupt geht aber ich kann ja mal vorgreifen und die Geschichte enthuellen. Zuerst mal handelte es sich leider nicht ganz um einen echten Bollywood-Film, sondern vielmehr um eine neue Serie mit dem schoen dramatischen Titel: "When love happens". Eine junge, schoene, und natuerlich auch reiche Inderin steht an einem imaginaeren Wasserfall. Man hat einen Wunsch frei, wenn man eine Muenze hinein wirft. Na das kennt man ja. Aber da die junge, schoene und auch reiche Inderin ja schon alles hat, steht sie vor einem grossen Problem: Was kann sie sich nur wuenschen? Also steht sie und ueberlegt und ueberlegt, waehrend die Wartenden hinter ihr natuerlich langsam ungeduldig werden. Also erste Aufgabe: entnervt gucken, "stellt euch vor, ihr wartet hier bereits eine dreiviertel Stunde darauf, endlich selbst an die Reihe zu kommen". Na kein Problem, denn eigentlich warteten wir ja schon an die zwei Stunden in der prallen Sonne, ueberhaupt mal zu erfahren, was wir ueberhaupt hier sollten. Das wussten wir jetzt schonmal und jetzt konnte begonnen werden, mal zu ueberlegen, was genau die drei Hauptschauspieler so sagen koennten. Nach einer Ewigkeit begann der Dreh der ersten Szene. Die war unerwartet lang, eine Diskussion zwischen reichem Maedchen und ungeduldigem Ehepaar. Da sie so lang war, gab es natuerlich besonders fuer den Turbantraeger viele Moeglichkeiten, einen Fehler zu machen und ich weiss nicht, wie oft wir wiederholen mussten, jedenfalls sehr sehr oft. Irgendwann habe ich dann auch bemerkt, dass die Texte gar nicht ausschliesslich auf Hindi waren, sondern auch mal immer ein paar englische Saetze mit einflossen. Auch da gab es einen Lieblingssatz, der es besonders Alex sehr angetan hatte: Schuh, lett mi tink! (=Let me think). Und jedesmal spuckte die Hauptdarstellerin ein bisschen dabei. Das konnte ich ja von so nah gut sehen, aber vielleicht gehoerte es auch zur Rolle. - Oh, wie so oft guckt mir ein neugieriger Inder ueber die Schulter, was ich denn hier mache - Dann sagte - hm, jetzt kommt schon der Naechste, naja ein laptop im Hostel ist ja auch ein bisschen uebertrieben - also, dann gab der Turbanwallah unnoetigerweise nochmal eine Erklaerung, was zu tun sei. Lett mi ex- (hier musste meistens seine Frau nachhelfen) explain TOooo yuuuuu! Trow te koin intooo te ponny in te woter and make wisch! Das war jetzt Lautsprache, aber ich geb ja zu, dass mein Englisch auch nicht akzentfrei ist. Das Beste waren sowieso seine wilden Gesten und die Betonung dazu. Warum eigentlich pony, haben wir nicht rausgefunden. Dann sang er noch das das Wakooina-Lied und Dave, der Europaeer (wie alle Maenner extra mit cooler Sonnenbrille und Fotoapparat ausgestattet), musste die Unentschlossene fragen, ob sie ihn heiraten moechte. Was das so richtig sollte, war nicht klar. Sie war nicht entschlossen. Dave hatte grosse Probleme mit dem indischsprachigen Heiratsantrag, ("Say it with all your love!), also dauerte auch das ewig. Irgendwann kam mein grosser Auftritt. Die Menge war empoert, wie lang sie doch brauchte, sich zu entscheiden und reagierte mit empoerten Gesten und Ausrufen. Und ich ganz vorne war natuerlich besonders empoert und musste immer wieder laut Hurry up! rufen. Naja.Die Unentschlossene verlor ihre Muenze schliesslich aus Versehen (wie haette es anders sein koennen?), nachdem sie aus Spass gesagt hatte, sie moechte nicht mehr reich, schoen und jung sein will und die Menge (wir) reagierte geschockt auf den Anblick der fallenden Muenze. Da zuerst gesagt wurde, wir sollten uns freuen, dass es endlich weiter geht, musste auch diese Szene oft wiederholt werden bis die gewuenschten Reaktionen kamen. Das wurde dann alles noch aus diversen Perspektiven gedreht und so halb 7 abends waren wir doch tatsaechlich fertig. Nicht dass man das von Jemandem gesagt bekaeme, die Filmleute fingen irgendwann einfach abzubauen und nach mehreren Fehlversuchen (wir hatten vorher schon diverse Male gedacht, wir waeren fertig) konnten wir tatsaechlich in die grosse Umziehhalle fluechten. Ein allgemeines Merkmal der Inder - nie wird eine Erklaerung abgegeben, man muss einfach warten und sehen was passiert. Die erprobten indischen Statisten beschlossen so ab der zweiten Drehstunde, dieses Verhalten auszunutzen und gingen nach jedem zweiten Drehversuch einfach wieder weg um sich hinzusetzen. Wir dann auch aber das verkuerzte die Drehzeit natuerlich auch nicht unbedingt.  Rikscha im Stau Nachdem wir uns dann umgezogen hatten, sollten wir doch noch kurz bis sieben warten. Um sieben wurde dann was von einem weiteren Dreh im Casino gemunkelt. Also wurde sich nochmal umgezogen bzw. die Sachen reihum weitergegeben. Nun hatte auch Alex die Freude, ein stylisches (und durchgeschwitztes) Hemd tragen zu duerfen. Dann gabs nochmal Essen und irgendwann wurden wir in einen Raum gerufen und dort hingestellt. In der Mitte stand die Inderin, Alex und ich mit dem Ruecken zur Kamera in einer Ecke und die drei Anderen in eine Gespraechsrunde. Die Gespraechsrunde sollte so tun, als wuerden sie aus unsichtbaren Glaesern trinken und Alex und ich sollten auf ebenso unsichtbaren Slotmaschinen spielen. Ich musste mir die ganze Zeit das unprofessionelle Lachen verkneifen aber anscheinend spielten wir sehr gut, denn der Spass dauerte nicht so lange. Dann durften wir gehen und machten uns, gemeinsam mit dem nur fuer uns zustaendigen Abholwalla auf den langen Rueckweg. Und fuhren mit den Autorikschas durch den dicksten indischen Stau.
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