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Der erste Monat in Indien
Gelandet in London Drucken
Geschrieben von Alex   
Dienstag, 1. November 2005

Wir sind in London. Der Flughafen ist riesig, irgendwo ist ein Feuer am Brennen und der Feueralarm hoert sich an wie eine ueberlaute Schulklingel. Ansonsten ist Heathrow ein riesiges Shoppingcenter und die Zeit hier am Terminal laeuft rasend schnell ab.

Und eine gaaanz lange Landeschleife ueber London haben wir bekommen. Das sah richtig toll aus von oben, wie Weihnachten.

So, noch schnell veroeffentlichen. Flug geht um 21:35.

 
Im Land der ruhenden Maenner und Hunde Drucken
Geschrieben von Susan   
Mittwoch, 2. November 2005

Der Flug hat ja unerwarteterweise fast schon Spass gemacht, es gab leckeres Essen, edlen Rotwein zu romantischem Sonnenuntergang ueber den Wolken und 12 Filme zur Auswahl. Irgendwann war er aber doch zuende und schon waren wir am Bombayer Flughafen. Ich (Susan live an der Tastatur) war ja noch nicht ganz sicher, wie ich alles finden wuerde aber spaetestens auf der Taxifahrt in die Stadt habe ich entschieden: lustig. Zuerst mal wurden wir im rundum ( also auch an der Decke) mit Teppich ausgelegtem Taxi ohne ein Wort sitzen gelassen.

..ob der TAxifahrer dann doch noch wiederkam (na gut das kann man sich denken), erfahrt ihr spaeter denn jetzt hoer ich hier erstmal abrupt auf. Fortsetzung folgt aber bald, auch eine aus Alex' Sicht.

Weiter …
 
Angekommen Drucken
Geschrieben von Susan   
Mittwoch, 2. November 2005

Im Taxi
Im Taxi
Wir landeten ziemlich pÙnktlich. Raus aus dem Flugzeug und rein in den Flughafen. Als erstes mussten wir ein Einreiseformular ausfÙllen und bei der Passkontrolle einreichen, dann konnten wir unser GepŠck abholen und durchleuchten lassen und schlie¤lich trennte uns nur noch der Geldwechselschalter von der realen indischen Welt auf der Stra¤e. Die schlug dann auch gleich zu - mit 34ÁC und einer schlechten feuchten Luft.

Wir besorgten uns eine Quittung fÙr ein Prepaid-Taxi, so mussten wir keine endlosen Preisverhandlungen fÙhren, bei denen wir wahrscheinlich doch nur Ùbers Ohr gehauen worden wŠren.

Die Taxis sind sehr "modern", ein bisschen was verraten die Fotos ja vielleicht. Jedenfalls fanden wir unsere Taxinummer und der Fahrer verfrachtete unser GepŠck in den eigentlich winzigen Kofferraum. Wir stiegen hinten ein - und er verschwand erstmal wieder. Hm, hatte uns jetzt irgendein Typ in das Auto gesetzt und war nun mit unserer Quittung verschwunden?

Der Taxi-walla ( es gibt viele, viele Wallas - da muss ich dann nochmal im ReisefÙhrer nachgucken, jedenfalls sind das die MŠnner zur jeweiligen Arbeitssparte dazu - hier also ein Taxifahrer) kam tatsŠchlich zurÙck, und nachdem wir noch schnell seinen Freund eingeladen hatten, konnte es auch schon los gehen mit unserer ersten gemeinsamen Abenteuerfahrt. Allerdings musste doch gleich nochmal am Stand angehalten werden, um einzukaufen. DafÙr war also der Beifahrerfreund da. Nur noch zwei Stopps am Telefonstand, und schon konnte angehalten werden, um mal zu fragen, wo genau sich das Hotel Sealord - unser auserwŠhltes Ziel - Ùberhaupt befindet.

Der Stra¤enverkehr in Bombay ist lustig. Irgendwie kommt man sich vor, als ob man in einem Videospiel Auto fŠhrt. Denn oft sind die Gegenfahrbahnen baulich getrennt, so dass man auf einer breiten Strecke mit den ganzen anderen Autos, LKW, Rikschas, FahrrŠdern und Frauen mit riesigen BÙndeln auf dem Kopf (wo waren die eigentlich bei unseren UmzÙgen) unterwegs ist. Fahrspuren gibt es keine, Ùberholt wird links und rechts und wenn es sein muss wohl auch drunter durch, nur ist dabei wichtig, die Hupe ordentlich zu benutzen. Au¤enspiegel an den Taxen gibt es nur selten, dafÙr ist wohl zu wenig Platz. Ein paar Handzeichen bilden wohl auch einen speziellen Code, der Wahlweise zur KlŠrung von Unstimmigkeiten untereinander oder auch zum einfachen Beschimpfen einsetzbar ist.

1. Zimmer
1. Zimmer
Na, schlie¤lich sind wir angekommen, ein Zimmer war auch noch frei und es hatte sogar eine Dusche und rosafarbenen Stuck.

Nachdem wir unser Zimmer hÙbsch eingerichtet hatten, sind wir erstmal raus auf die Stra¤e und haben uns in der Gegend umgeguckt und gleich die ersten Bekanntschaften mit lŠstigen Stra¤enhŠndlern und Bettlern gemacht. Aber eigentlich ist es nicht so schlimm, wie wir es erwartet hatten, denn nach ein paar Mal "no" oder einfachem Ignorieren lassen die einen dann auch meist wieder in Ruhe.

Ich hab ja seit ich hier bin andauernd Hunger, also sind wir dann mal essen gegangen. Nicht ganz orginal indisch, Burger mit Pommes aber geschmeckt hats trotzdem. Und bei Alex wars wohl die indische Variante mit ner Art Fleischsalat statt halt Burgerfleisch. Da konnten wir dann das Geheimnis der Inder, Arbeitslosigkeit abzuschaffen, lÙften. FÙr jede noch so kleine Aufgabe gibt es einen Extra-Walla. Es gab also fÙr genau fÙnf Tische auch fÙnf. Die meisten standen eigentlich die ganze Zeit nur an der EingangstÙr. Im Hotel gab es einen, der an der, naja, Rezeption sa¤ und stets ein oder zwei MŠnner, die die Treppe dorthin bewachten. Also eigentlich auf dem Treppenabsatz sa¤en. Im den Stra¤enlŠden gibt es mindestens zwei, aber eher drei bis fÙnf Shopwallas.

Die Inder feiern gerade Diwali. Das geht ein paar Tage und ist mit einer Menge LŠrm verbunden, weil abends an allen Ecken und Enden Knaller losgehen. Aber schicke gro¤e Lampions hŠngen auch rum und die Stadt leuchtet abends vielleicht noch etwas mehr als sonst.

Ich war dann irgendwann nochmal alleine draussen und hatte schon wieder Appetit. SchŠndlicherweise hab ich schon wieder einen Burger (aber natÙrlich einen vegetarischen!) gegessen, diesmal aber wenigstens die schŠrfere indische Version. Hat geschmeckt. Als ich zurÙck kam, sind wir dann nochmal los gegangen, weil Alex auch noch was essen wollte. Und tatsŠchlich gibt es hier Dšner! Scheint allerdings was Edleres zu sein und unwissend wir wir da noch waren, haben wir uns auch noch in die obere Etage gesetzt. DafÙr, dass man auf alle anderen runter gucken kann und Klimaanlage hat, kostet dann auch gleich alles mehr.

Kurz nach Mitternacht sind wir dann ins Bett gegangen. Nicht erwŠhnt haben wir hier den komischen Besuch, den wir heute noch hatten. Aber die Geschichte steht dann im nŠchsten Artikel.

 
Von London nach Mumbai Drucken
Geschrieben von Alex   
Mittwoch, 2. November 2005

Also rein in die Maschine. Eine Boeing 777 hatten wir. Die 747 kommt leider erst spaeter (ich glaube, von Bangkok nach Sydney wird es erstmals eine werden - mal in das Booking gucken). Durch die erste Klasse durch, durch die Business Class und dann im World Traveller-Bereich der British Aiways angekommen. Ist aber gar nicht so schlecht, da habe ich schon schlimmer gesessen und au¤erdem mÙssten wir ja sowieso auf allen bereits gebuchten Strecken mindestens einen Platz am Fenster (und den daneben dann auch) haben.

Es gab 18 Video-, 16 Audio- und einen Karten-Kanal, der auch ganz interessant war.

Sind mit ein paar Minuten Verspaetung zur Startbahn gerollt und standen dort noch eine Weile. Ploetzlich sah ich ein Feuerwerk und wollte es noch Susan zeigen, aber da war es dann auch schon wieder vorbei. Aber ich dachte, das ist ja schoen, dass sie hier extra fuer unseren Abflug so einen Aufwand betreiben. Kurz darauf rollte die Maschine an und es war zu spueren, dass hinter so einer Kiste doch eine ganze Menge Kraft steckt. Naja, mein letzter Langstreckenflug war ja schon 6 Jahre her, da faellt einem das wieder ganz neu auf.

Wieder hoch in die Luft und London in gerader Linie von West nach Ost ueberflogen. Und das war ja noch viel toller als davor der Landeanflug. Ueberall, wirklich in jeder Ecke der Stadt gingen Raketen hoch. Die sahen zwar richtig lustig aus, weil sie aus unserer Perspektive nur einen Hauch ueber den Daechern explodierten, waren aber auch ziemlich eindrucksvoll, weil so voellig und zufaellig ueber das Stadtgebiet verteilt. Danke Londoner, welches Fest ihr auch immer am 01. November um 22:00 Uhr gefeiert habt, besser haette es nicht kommen koennen. Das sah ganz schoen toll aus. Da lohnt es sich doch, mit ein paar Minuten Verspaetung abzufliegen.

Neben uns sass ein aelterer Oesterreicher, der einen Monat in Goa verbringen wollte. Die Stewardessen kamen rum und verteilten Getraenke, wir haben auf unser Abenteuer erst mal mit einem Rotwein angestossen. Spaeter gab es dann Essen - Susan bekam ihr veganes Essen immer vor allen anderen mit der Auswahl zwischen normalem und vegetarischem serviert, auch ein netter Zug:-)

Irgendwie verging die Flugzeit ganz schšn schnell und durch die multimediale Ablenkung und das Geschehen vor dem Fenster kamen wir gar nicht so richtig dazu, in den rausgepackten Buechern zu lesen - Schulle, falls du das liest, ich habe dein Buch noch gar nicht angefangen. Aber Dankeschoen trotzdem.

Kurz nachdem wir in Asien eingeschwebt waren ging dann auch bald die Sonne auf. Rasend schnell. Und dann konnte man eigenartige ErdoberflŠchen beobachten. So graubraun und kahl und mit ein paar Gebirgszuegen, die aussahen, als wŠren sie mit einem Loeffel auf die kahle Erde gekleckst worden. So habe ich mir Afghanistan immer vorgestellt. Und dann gab es auch schon wieder Fruehstueck und plštzlich befanden wir uns schon im Landeanflug auf Bombay. Ich hatte nicht mal mehr Zeit, zur Toilette zu gehen. Dabei dachte ich doch, jede Flugzeugtoilette wird mir bestimmt wie das Paradies vorkommen, sobald ich in Indien ankomme. Aber dazu spaeter mehr (wir haben schon gute und schlechte gesehen...)

 
Unser Tag am Set Drucken
Geschrieben von Alex   
Donnerstag, 3. November 2005
Set
Set
Zweiter Tag - erster Job. Neulich hatten wir noch scherzhaft gesagt, wir wÙrden die Filmindustrie in Bollywood ordentlich aufmischen. Heute sind wir schon dabei. Ja, wir waren wirklich Schauspieler, naja, eigentlich Komparsen, aber Susan hatte sogar 'ne kleine Sprechrolle.

Jedenfalls klopfte es gestern Abend an unserer TÙr im Hotel. Beim zweiten Klopfen machten wir auf, und vor uns stand Kiran. Hat uns erzŠhlt, sein Filmstudio wÙrde foreigners fÙr eine Produktion suchen. Wir wÙrden frÙh abgeholt werden, lustige indische KostÙme anziehen, den Tag lang vor der Kamera stehen. Und dafÙr etwas bekommen: Den Transport, freies Essen und Trinken und nicht zuletzt 500 Rupien pro Person. Hm, 550 (das sind so knapp 10 Euro) zahlen wir zu zweit fÙr unser Zimmer hier, es wÙrde also bedeuten, dass wir zwei NŠchte umsonst hŠtten.

Also klar. Es wird sich ja wohl um keine Bande handeln, die einen aufs Land schleppt, um dann in Ruhe das Zimmer auszurauben. Kiran gab uns seine Visitenkarte und um 8:00 Uhr sollten wir fÙr die Abreise bereit sein.

Haben also den Wecker gestellt und sind nach dem anstrengenden Anreisetag nicht ganz so spŠt ins Bett gegangen.

Morgens um 8 kam keiner, aber um 10 nach acht klopfte dann jemand. Seinen Namen wissen wir bis jetzt nicht, wir nannten ihn einfach den guide. Drau¤en auf der Stra¤e standen schon Jona aus Schottland und Andrew aus Australien. Sie sind schon 'ne Weile lŠnger unterwegs, wollen zwei Jahre unterwegs sein und wohnen auch gerade hier. Zwei guys sollten noch kommen. Also erstmal eine Runde warten. Naja, Warten sollte zum Thema des Tages werden. Aber erstmal kam David aus Irland. Der sah total verpennt aus, als ob er die ganze Nacht unterwegs gewesen wŠre. War er aber nicht, sondern am selben Tag wie wir in Indien angekommen und hatte wohl ein bisschen mehr unter dem Flug gelitten.

Unser guide orderte zwei Taxis und die Reise ging los. Taxifahren war ja nun kein neues Erlebnis mehr fÙr uns, aber wir fuhren eine andere Strecke und haben die ganze Zeit aus dem Fenster geguckt und alles aufgesaugt.

Rikscha
Rikscha
Mit dem Taxi also bis zur S-Bahn. Ja, kann man wohl so nennen. Ein Zugsystem innerhalb Bombays und in die Randgebiete hinausfÙhrend jedenfalls. Lange ZÙge, Wagen ohne TÙren mit vergitterten FensterersŠtzen und einer Menge Haltegriffe zwischen den Sitzreihen. Die BŠnke sind vielleicht etwas breiter als die in der Berliner S-Bahn, dafÙr wird hier locker zu viert drauf gesessen. Nicht so diese Haltung, sich zu zweit diagonal zu setzen und dann die Sache als voll zu betrachten. Und in den TÙren stehen die Leute auch.

Die Fahrt ging ziemlich lange, Bombay ist ein endlos langer Schlauch und vollgestopft mit Menschen. Irgendwann stiegen wir aber mal aus (der Stadtteil nannte sich Hiranandani und sah schon ziemlich besser aus als das Zentrum). Und dann kam das nŠchste Abenteuer. Wir sind mit einer Autorikscha gefahren. Andrew meinte nur, oh, nicht schon wieder, beim letzten Mal hŠtte er unterwegs zwei UnfŠlle gehabt. War wirklich aufregend, dagegen ist das Taxifahren ja richtig langweilig. Und abends auf der RÙcktour mitten durch den Stau mit den kleinen Dingern war noch besser. Unglaublich, wie die sich durch den endlosen Strom von Blech auf durchwÙhlen, wenn sie eine Kreuzung passieren wollen.

Jetzt ist es gerade kurz nach Mitternacht, wir werden gleich ins Bett gehen und wollen morgen mal gucken, ob wir vielleicht eine billigere Schlafgelegenheit finden. Vorhin haben wir gleich mal zwei Kakerlaken erlegt. An die werden wir uns wohl gewšhnen mÙssen...

Den zweiten Teil vom Filmtag schreibt dann bestimmt Susan.

 
Alex & Susan in Bollywood - Zweiter Teil Drucken
Geschrieben von Susan   
Donnerstag, 3. November 2005

Bollyschnecken

Also ich hatte mich natuerlich von Anfang an in einem schillernden und glitzernden Tanzkostuem vorgestellt, Alex vielleicht mit einem Turban auf dem Kopf und angeklebten Schnurrbart um meine Gunst buhlend. Und aus irgendeinem Grund hatte ich mir als Drehort ein gro¤es Einkaufszentrum vorgestellt. Jona und Andrew erwarteten ein Restaurant - das angeblich beste von ganz Bombay! So hatte ihnen das zumindest Kiran, unser Filmfreund, gesagt. Dass es Essen und Getraenke geben sollte, davon hatten alle gehoert und deshalb auch nicht gefruehstueckt. Jaja, nicht wie die Leute, die vor einer Party den ganzen Tag nichts essen - es war einfach noch zu frueh. Hm, irgendwann waren wir jedenfalls da. Im besseren Viertel von Bombay. Wir hielten vor einem riesigen hellen Gebaeude, bewacht von mehreren Portiers in Uniform. Das war also das beste Restaurant der Stadt. War es? Vielleicht - jedenfalls gingen wir daran vorbei. Hm, dann eben doch ein anderes der vielen schoenen Haeuser. Aber erstmal nochmal nach dem Weg fragen. Nochmal ein bisschen in eine Richtung, und dann wieder den selben Weh zurueck und dann noch ein bisschen hin und her gehen, so kannten wir das ja schon. Doch langsam rueckten wir dem Ziel naeher. Nur, warum ist jetzt gar kein Haus mehr sondern nur ein vermuellter Pfad und eine Kuh zu sehen? Wahrscheinlich liegt so ein toller Esstempel der High Society ein wenig verborgen in den Huegeln am Fuss der Berge, die wir jetzt fast erreicht hatten. Hinter der naechsten Biegung sahen wir zwar immer noch nichts Restaurantaehnliches, aber schonmal ein paar Stars, die auf dem Boden sassen und sich schminkten. Also ein paar Maedchen so in meinem Alter waren das, die uns gleich genaustens beobachteten. Ohne ein Wort war unser Begleiter ploetzlich verschwunden und so warteten wir erst mal wieder ein bisschen, fragten uns, was auf uns zukaeme und hatten Hunger. Unser Begleitwallah kam wieder und wir stiegen den Huegel wieder hinunter. Oh, ein Restaurant vor uns! Wohl kaum das Beste der Stadt, eher ein Imbiss aber vielleicht gibts ja jetzt was zu essen? Nee, auch daran gingen wir vorbei in eine Art grosse Halle.

Studio
Studio
Spaeter haben wir dann rausgefunden, dass das Filmstudios waren. Vom Bekleidungswallah, einem sehr stylischen Inder im Hawaiihemd, bekamen wir schicke Sachen. Ich ein Glitzerkleid und die Maenner - ausser Alex, der schon ganz beleidigt war, weil er dachte, er darf nicht mitspielen (wahrscheinlich war der Kostuemfundus einfach erschoepft) - tolle Anzuege wie original aus den Achtzigern und zwei Nummern zu gross. Dann wartetetn wir. Dann wurden wir wieder raus und auf den Huegel gescheucht. Dann warteten wir. Dann bekam jeder ein buntes Band in die Hand und sollte sich entlang eines Zauns vor einem kleinen Tuempel aufstellen. Wir als Weisse durften als erste - direkt hinter den drei richtigen Schauspielern - in der Reihe stehen. Ich mit meinem schicken Glitzerkleid und Turnschuhen wurde sogar als allererste von uns eingereiht. Vor mir stand dann noch ein dickerer Inder mit Turban- inzwischen AlexÇund mein Idol, denn er sang waehrend des Drehs unseren neuen Lieblingssong Wakooina Wakooina. Vorm Turbansaenger seine Filmfrau, die ihm immer seinen Text vorsagen musste, weil er ihn wohl nicht gelernt hatte und besonders mit den englischen Woertern Probleme hatte. Eine ganze Weile dachte ich noch, das waere Absicht und er spiele so eine Art Trottel aber die Textschwaechen tauchten immer mal an anderer Stelle auf. Und ganz vorne in der Reihe der eigentliche Star, eine junge Inderin in gelb und bauchfrei. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch weit davon entfernt, zu wissen, worum es ueberhaupt geht aber ich kann ja mal vorgreifen und die Geschichte enthuellen. Zuerst mal handelte es sich leider nicht ganz um einen echten Bollywood-Film, sondern vielmehr um eine neue Serie mit dem schoen dramatischen Titel: "When love happens". Eine junge, schoene, und natuerlich auch reiche Inderin steht an einem imaginaeren Wasserfall. Man hat einen Wunsch frei, wenn man eine Muenze hinein wirft. Na das kennt man ja. Aber da die junge, schoene und auch reiche Inderin ja schon alles hat, steht sie vor einem grossen Problem: Was kann sie sich nur wuenschen? Also steht sie und ueberlegt und ueberlegt, waehrend die Wartenden hinter ihr natuerlich langsam ungeduldig werden. Also erste Aufgabe: entnervt gucken, "stellt euch vor, ihr wartet hier bereits eine dreiviertel Stunde darauf, endlich selbst an die Reihe zu kommen". Na kein Problem, denn eigentlich warteten wir ja schon an die zwei Stunden in der prallen Sonne, ueberhaupt mal zu erfahren, was wir ueberhaupt hier sollten. Das wussten wir jetzt schonmal und jetzt konnte begonnen werden, mal zu ueberlegen, was genau die drei Hauptschauspieler so sagen koennten. Nach einer Ewigkeit begann der Dreh der ersten Szene. Die war unerwartet lang, eine Diskussion zwischen reichem Maedchen und ungeduldigem Ehepaar. Da sie so lang war, gab es natuerlich besonders fuer den Turbantraeger viele Moeglichkeiten, einen Fehler zu machen und ich weiss nicht, wie oft wir wiederholen mussten, jedenfalls sehr sehr oft. Irgendwann habe ich dann auch bemerkt, dass die Texte gar nicht ausschliesslich auf Hindi waren, sondern auch mal immer ein paar englische Saetze mit einflossen. Auch da gab es einen Lieblingssatz, der es besonders Alex sehr angetan hatte: Schuh, lett mi tink! (=Let me think). Und jedesmal spuckte die Hauptdarstellerin ein bisschen dabei. Das konnte ich ja von so nah gut sehen, aber vielleicht gehoerte es auch zur Rolle. - Oh, wie so oft guckt mir ein neugieriger Inder ueber die Schulter, was ich denn hier mache - Dann sagte - hm, jetzt kommt schon der Naechste, naja ein laptop im Hostel ist ja auch ein bisschen uebertrieben - also, dann gab der Turbanwallah unnoetigerweise nochmal eine Erklaerung, was zu tun sei. Lett mi ex- (hier musste meistens seine Frau nachhelfen) explain TOooo yuuuuu! Trow te koin intooo te ponny in te woter and make wisch! Das war jetzt Lautsprache, aber ich geb ja zu, dass mein Englisch auch nicht akzentfrei ist. Das Beste waren sowieso seine wilden Gesten und die Betonung dazu. Warum eigentlich pony, haben wir nicht rausgefunden. Dann sang er noch das das Wakooina-Lied und Dave, der Europaeer (wie alle Maenner extra mit cooler Sonnenbrille und Fotoapparat ausgestattet), musste die Unentschlossene fragen, ob sie ihn heiraten moechte. Was das so richtig sollte, war nicht klar. Sie war nicht entschlossen. Dave hatte grosse Probleme mit dem indischsprachigen Heiratsantrag, ("Say it with all your love!), also dauerte auch das ewig. Irgendwann kam mein grosser Auftritt. Die Menge war empoert, wie lang sie doch brauchte, sich zu entscheiden und reagierte mit empoerten Gesten und Ausrufen. Und ich ganz vorne war natuerlich besonders empoert und musste immer wieder laut Hurry up! rufen. Naja.

Die Unentschlossene verlor ihre Muenze schliesslich aus Versehen (wie haette es anders sein koennen?), nachdem sie aus Spass gesagt hatte, sie moechte nicht mehr reich, schoen und jung sein will und die Menge (wir) reagierte geschockt auf den Anblick der fallenden Muenze. Da zuerst gesagt wurde, wir sollten uns freuen, dass es endlich weiter geht, musste auch diese Szene oft wiederholt werden bis die gewuenschten Reaktionen kamen.

Das wurde dann alles noch aus diversen Perspektiven gedreht und so halb 7 abends waren wir doch tatsaechlich fertig. Nicht dass man das von Jemandem gesagt bekaeme, die Filmleute fingen irgendwann einfach abzubauen und nach mehreren Fehlversuchen (wir hatten vorher schon diverse Male gedacht, wir waeren fertig) konnten wir tatsaechlich in die grosse Umziehhalle fluechten. Ein allgemeines Merkmal der Inder - nie wird eine Erklaerung abgegeben, man muss einfach warten und sehen was passiert. Die erprobten indischen Statisten beschlossen so ab der zweiten Drehstunde, dieses Verhalten auszunutzen und gingen nach jedem zweiten Drehversuch einfach wieder weg um sich hinzusetzen. Wir dann auch aber das verkuerzte die Drehzeit natuerlich auch nicht unbedingt.

Rikscha im Stau
Rikscha im Stau
Nachdem wir uns dann umgezogen hatten, sollten wir doch noch kurz bis sieben warten. Um sieben wurde dann was von einem weiteren Dreh im Casino gemunkelt. Also wurde sich nochmal umgezogen bzw. die Sachen reihum weitergegeben. Nun hatte auch Alex die Freude, ein stylisches (und durchgeschwitztes) Hemd tragen zu duerfen. Dann gabs nochmal Essen und irgendwann wurden wir in einen Raum gerufen und dort hingestellt. In der Mitte stand die Inderin, Alex und ich mit dem Ruecken zur Kamera in einer Ecke und die drei Anderen in eine Gespraechsrunde. Die Gespraechsrunde sollte so tun, als wuerden sie aus unsichtbaren Glaesern trinken und Alex und ich sollten auf ebenso unsichtbaren Slotmaschinen spielen. Ich musste mir die ganze Zeit das unprofessionelle Lachen verkneifen aber anscheinend spielten wir sehr gut, denn der Spass dauerte nicht so lange. Dann durften wir gehen und machten uns, gemeinsam mit dem nur fuer uns zustaendigen Abholwalla auf den langen Rueckweg. Und fuhren mit den Autorikschas durch den dicksten indischen Stau.

 
Jetzt sind wir bei der Heilsarmee Drucken
Geschrieben von Alex   
Freitag, 4. November 2005

Salvation
Salvation
550 Rupies (10 Euro), also 275 pro per Person, fuer ein Hotelzimmer sind einfach zu viel. Also sind wir heute bei der Heilsarmee eingezogen. In das Salvation Army Hostel. Das ist laut lonely planet eigentlich unmoeglich, Angeblich soll man um 9:00 Uhr da sein und mit viel Glueck ein Bett erwischen. Wir waren um kurz nach 10:00 da und haben trotzdem ein Bett fuer 150 Rupies pro Person bekommen. Und Fruehstueck ist auch noch mit drin. Das Hostel ist ok, es gibt eine Etage fuer den Gemeinschaftsraum und die Schliessfaecher, eine Maedchen und eine Jungenetage. Doppelstockbetten, Badraeume mit Duschen und es ist eigentlich ganz sauber. Billiges Internet fuer 30 Rupies die Stunde bekommen wir hier auch noch. Also war die Freude und dementsprechend die Laune gross bzw. hervorragend. Sind dann schnell ins Hotel zurueck und haben unsere Sachen gepackt, denn bis um 12:00 mussten wir aus dem Zimmer raus. Noch kurz etwas essen und dann wieder in die Stadt. Wir erweitern hier jeden Tag unseren Radius und sind wirklich weite Strecken zu Fuss unterwegs. Das Bussystem ist wohl so verwirrend, dass wir uns noch nicht einmal damit beschaeftigt haben.

Ich habe mir heute erstmal ein paar notwendige Dinge gekauft: schnell trocknende Badelatschen, ein kariertes Betttuch (da der Minischlafsack doch zu warm ist, aber der dient als Unterlage gegen dreckige Matratzen), und einen power spike, so ein Geraet, dass Stromschwankungen im Netz ausgleicht und mein heiss geliebtes Notebook hoffentlich ordentlich schuetzen wird.

Waren dann auch ganz schoen muede nach dem Tag. Haben noch ein bisschen geschrieben und Fotos angeguckt, Susan ist dann schon gegen halb 11 ins Bett gegangen. Ich sass noch eine Weile mit Scott dem Ami, einem seit Jahren reisenden Englaender und einem Japaner im Gemeinschaftsraum  und habe versucht, mein Englisch aufzupolieren. Geht aber ganz gut, bin zufrieden :-)

 
Samstag Drucken
Geschrieben von Alex   
Samstag, 5. November 2005

Fruehstueck
Fruehstueck
Die erste Nacht bei der Heilsarmee gut verbracht. Um halb neun waren wir frisch geduscht und haben im Gemeinschaftsraum beim Fruehstueck gesessen. Es gibt (jeden Tag) 3 Scheiben Weissbrot, jeweils einen Klecks Butter und Marmelade, ein Ei, eine Banane (die indischen Bananen sehen irgendwie anders aus, sind kleiner und gruener) und Tee. Den indischen Tee mit Milch  mag ich inzwischen ganz gern, den kaufe ich mir auch oft unterwegs, kostet meist 5 Rupies (10 Cent). Susan haelt sich lieber an Sweet Lassi und der ist wirklich lecker. Und Wasser brauchen wir. Staendig. Stilles Wasser gibt es hier an jeder Ecke, meist kaufen wir eine 2-Liter-Flasche und die haelt dann gar nicht so lange. In Restaurants bekommt man auch meist unaufgefordert Leitungswasser in Bechern dazu gestellt, aber das meiden wir lieber, wir wollen uns ja nicht den Tag verderben. Ansonsten gibt es an jeder Ecke leckere Sachen. Kleine Garkuechen auf der Strasse und jede Menge billige Restaurants. Also entweder riecht es nach Muell und fauligem Abwasser oder es liegt leckerer Essenduft in der Luft.
Heute haben wir gleich einige Dinge zum ersten Mal gemacht: Ich hatte meine erste Kokosnuss, wir haben an einem Strassenstand gegessen und wir haben anderes als abgefuelltes Wasser getrunken. Aber das stammte auch aus der Kueche des Gemeinschaftsraumes und dahinter haengt ein Filter. Also jedenfalls haben wir alles gut ueberstanden ohne irgendwelchen gesundheitlichen Probleme. Und fuer die Kokosnuss konnten wir gleich mal unser tolles Weltreisemesser ausprobieren.
Abends sind wir auf den Rummel gegangen. Ein paar alte, rostige und ohrenbetaeubend laut ratternde Karussels sind dort aufgebaut und lassen Bombayherzen hoeher schlagen. Der Eintritt auf das Gelaende kostete 10 Rupies, eine Fahrt 30. In Deutschland wuerden die Karussells wohl kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Aber wir sind ja auch nicht so die Rummelfreaks. Haben uns ein schickes ausgesucht und auch mal eine Runde gedreht.
Und fuer Susan gab es rote Zuckerwatte.

 
Zwischenmeldung- nicht so einfach mit dem Internet in Indien Drucken
Geschrieben von Susan   
Samstag, 5. November 2005
Dankeschoen fuer die vielen lieben Gaestebucheintraege und emails! Wir sind zwar grad im hochmodernen Internetcafe, aber Fotos kann man wohl auch hier nicht hochladen. Aber wir suchen weiter nach einer Moeglichkeit..
 
Der Flaniersonntag Drucken
Geschrieben von Alex   
Sonntag, 6. November 2005

Heute war Sonntag. Das war allgemein zu spueren. Erstmal bei uns. Ich war zu lange in der Dusche und kam dann 10 Minuten zu spaet zum Fruehstueck - habe dann auch nichts mehr bekommen, waehrend die Angestellten doppelte Portionen verschlangen. Susan hat noch ein bisschen mehr verschlafen.
Und dann waren wir auf den Strassen und alles war so seltsam leer. Waehrend man sonst kaum ueber die Strasse kommt, waren heute kaum Autos zu sehen. Die Menschenmassen reduzierten sich auf europaeisches Niveau und selbst die Strassenhaendler hatten entweder geschlossen oder waren faul und ueberlegten mehrmals, ob sie uns nun anquatschen sollten oder eher nicht.
Dafuer waren heute auch Frauen auf der Strasse. Sie hatten alle ihre schoensten und buntesten Saris angezogen und waren von der Familie umringt auf Ausfluegen unterwegs. Rund um das Gateway of India (so eine Art Brandenburger Tor am Meer), das auch an normalen Tagen immer schon dicht umlagert ist, bildete sich ein riesiger Menschenauflauf und eine schier endlose, hupende Taxikolonne.
Wir haben uns dann auch einen eher ruhigen Tag gemacht und nebenbei mal ein bisschen was auf diese Seite gestellt.

 
Der letzte Tag in Mumbai Drucken
Geschrieben von Alex   
Montag, 7. November 2005
Bombay Bus
Bombay Bus
Aufgestanden um 7:00! Um 7:30 war ich schon im Fruehstuecksraum, da standen alle gerade im Kreis und beteten. Und die Fruehstuecksklappe war noch gar nicht offen.
Wir haben uns Fahrkarten besorgt. Morgen frueh geht es in Richtung Sueden aufs Land. Langsam kriegen wir sonst einen Bombay-Koller. Es hupt mindestens alle 3 Sekunden (und dann meist auch noch grundlos), 15 Millionen Menschen (so genau weiss es keiner) schieben sich durch die Strassen und im Dunkeln (auch tagsueber, aber da sieht man besser) muss man aufpassen, dass man nicht aus Versehen auf eine der vielen am Wegesrand schlafenden Gestalten tritt.
Uns ist erstmal ein bisschen mehr nach Stille, fuer Bombay waren ja eh nur ein paar Tage eingeplant und teurer ist es hier eben auch. Also auf nach Goa.
Haben uns durchgerungen, die 750 Rupies teure 1.-Klasse-Air Condition-Sleeper Karte zu nehmen. Zweite Klasse ohne Air Condition  (ca. 280 Rupies) waere uns lieber gewesen, aber Karten dafuer haette es fruehestens in 3 Tagen wieder gegeben und so lange wollten wir nicht mehr bleiben. Sind mal gespannt, wie die indische erste Klasse aussieht.
Den letzten Nachmittag haben wir dann noch einmal eine ausgedehnte Tour unternommen. Nachdem wir uns nun doch noch mit den Stadtbussen beschaeftigt haben (es gibt ausgesprochen freundliche Inder, die einen ansprechen und fragen, ob man sich verlaufen hat oder ob sie einem weiterhelfen koennen), konnten wir unseren Radius noch einmal ordentlich erweitern und waren in Malabar Hill, dem Beverly Hills Bombays. Hier sollen die Bollywood-Stars leben, ueber deren Leben und neue Projekte es hier ganze Zeitschriften zu kaufen gibt. Naja, es sah schon ein bisschen schicker aus, aber wir hatten uns doch ein bisschen mehr Glamour erhofft. Haben gleich noch einen Jain-Tempel besichtigt und auf dem Rueckweg den Chowpatty Beach erkundet.
Abends goennten wir uns dann noch zwei grosse Flaschen Kingfisher Beer auf der Kaimauer am Gateway of India (in Plastetueten eingehuellt, sonst trinkt hier niemand so richtig oeffentlich und in eine Alkohol fuehrende Kneipe wollten wir nicht) und liessen den Abend ruhig mit den Leuten im Gemeinschaftsraum ausklingen.
Morgen ist Aufstehen um 5:00 angesagt!
 
The train & one night in Tivim Drucken
Geschrieben von Alex   
Dienstag, 8. November 2005

Zugfahrt
Zugfahrt
Mein Wecker musste gar nicht klingeln. Um kurz vor fuenf wurde ich von allein wach. Bin dann eine Etage tiefer zu Susan und habe auch sie geweckt. Duschen und Restsachen einpacken, das Schliessfach ausraeumen und dann standen wir um kurz vor sechs auch schon unten an der Rezeption und fragten, ob denn schon die Busse zur VT-Station fahren wuerden. Nein, noch keine Busse, aber er koenne uns doch ein Taxi fuer 50 Rupies holen. Haha, ein bisschen sehen wir ja nun auch schon mit den indischen Gepflogenheiten durch und glauben nicht mehr alles. Besonders nicht den Taxifahrern und ihren Mittlern.
Raus aus dem Hostel, anstuermende Fahrer abgewiesen und mit dem Gepaeck in Richtung Causeway marschiert. Und siehe da, ein Bus kreuzte schon. Noch weitere 300 Meter und wir waren an der Haltestelle. Noch mal drei Minuten und unser Bus kam. Abgesehen davon, dass wir gestern fuer die gleiche Strecke zusammen 3 Rupies (heute 8, aber wir hatten ja auch grosses Gepaeck) gezahlt hatten, lief alles gut und schnell und so hatten wir noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt um 06:55.
Im Bahnhof waren schon wieder Massen versammelt. Besonders lustig sah es vor dem Office der Armee (Bahnpolizei, weiss ich was, sieht alles nach Militaer aus). Da lagen bestimmt 20 Uniformierte auf der Erde und schliefen (ist ja ueblich), neben sich ihre Flinten (ja, Flinten, wir haben hier schon so viele, teils richtig historisch anmutende Waffen gesehen. Haetten gern ein Foto gemacht, haben uns aber doch nicht getraut, man kann ja nie wissen.
Platform 15, da stand der Zug. Haben ziemlich am Beginn des Bahnsteigs einem Zugbegleiter unser Ticket gezeigt und gefragt, wo denn unser Abteil waere. Der guckte sich die Karte an und zeigte auf den Zug gegenueber. Haeh? Der war definitiv falsch. Nichts glauben, einfach weiter gehen. Und ca. 100 Meter weiter fanden wir dann auch unsere Namen auf einem Ausdruck an den Waggon geklebt. In unserem Abteil sassen: Der gut Englisch sprechende Franzose, der gestern schon in der Ticketschlange vor uns stand, zwei Italienerinnen, die unterwegs einen Schnellkurs Englisch lasen und uns immer baten, langsamer zu sprechen, und ein Englaender mit seiner indischen Frau auf Familienbesuch.
701 km Zugfahrt, die Landschaft dazwischen war mal huegelig und mal flach, insgesamt haben wir aber nicht sooo viel gesehen. Haben auch eine Weile geschlafen. Bei einem Stopp stand ich an der offenen Tuer, als ein kleines Maedchen mich mit "Uncle!" ansprach und zur Seite schob. Sie feuerte erstmal ihren Alu-Teller nach draussen. Das wird hier meist so gehandhabt. Wir schleppen staendig Muell in unseren Hosentaschen mit, da es kaum Muelleimer gibt. Ueblicherweise schmeisst man das Zeug an den Strassenrand. Alles: Papier, Wasserflaschen, Essenreste. Damit kommen wir aber noch nicht ganz klar :-)
Tivim hiess unser Ziel, mit ein wenig Verspaetung kamen wir dort um kurz nach sechs an. Ein Haufen Autorikschas, die hier ueblichen Motorrad-Taxis und Minibusse hatten sich um den Bahnhof versammelt und warteten auf die Ankommenden. Der Franzose und die Italienerinnen wollten mit dem Bus weiter ans Meer, wir wollten ueber Nacht in Tivim bleiben. Am Stand fuer Prepaid-Taxis hiess es natuerlich: "No buses, no accomodation." Naja, Taxifahrer, siehe oben. 200 Meter weiter lief die Hauptstrasse durch den Ort (eher ein Dorf), dort fuhren kleine komische Busse (bei Bussen muss man immer aufpassen, die halten wirklich nur kurz und fahren immer schon los, waehrend die letzten Gaeste noch am Einsteigen sind). Und ein Guesthouse gab es auch. Wir verabschiedeten uns von unseren Mitreisenden und gingen dort hin. Der Inhaber zeigte uns die Zimmer. Ein bisschen schmutzig und mit ziemlich grossen Blutflecken an der Wand, da wurden wohl schon einige Schlachten gegen Moskitos geschlagen. Susan handelte ihn ganz locker von 250 auf 200 Rupies runter, ein Moskito-Coil war dann auch noch mit drin. So also unsere billigste Unterkunft bisher - das steigerte unsere Laune natuerlich noch weiter :-)
Viel mehr war allerdings dann wirklich nicht los in Tivim. Es gab eine Mini-Library, eine kleine Kirche, die normalen Verkaufsstaende und ein kleines chinesisches Restaurant, in dem der Kellner-Walla uns erstmal die Karte brachte, um dann auf unsere Wuensche hin zu erklaeren, diese Speisen waeren gerade nicht verfuegbar. Haette er uns doch auch gleich die 3 angebotenen Sachen aufzaehlen koennen. Nach einem Wein fuer Susan und einem Bier fuer mich sind wir dann so kurz nach Mitternacht ins Bett gegangen. Check out time 10:00, wir wollten ja noch weiter.

 
Mit dem Bus nach Calangute Drucken
Geschrieben von Alex   
Mittwoch, 9. November 2005

Panorama
Panorama
Jetzt sind wir am Meer. Wir standen puenktlich auf, verliessen gegen 10:00 unser Zimmer in Tivim und stiegen in den Bus nach Mapusa. Der Bus war ziemlich klein, ziemlich voll und ich war viel zu gross fuer ihn, musste immer den Kopf schief halten, um stehen zu koennen und habe eigentlich gar nichts gesehen, da die Fenster immer so tief und flach eingebaut werden. Die Busfahrer hier haben eine ziemlich ruppige Fahrweise (festhalten!) und benutzen genauso gern die Hupe wie alle anderen Inder. Na nach 12 Kilometern war die erste Tour vorbei und wir stiegen in einen etwas groesseren, nicht ganz so vollen Bus nach Calangute. Dank der Sitzplaetze konnten wir auch ein bisschen was von der Umgebung mitbekommen. Und hatten gleich einen Bananenwallah am Ohr, der uns am liebsten seinen ganzen Korb verkaufen wollte. Zwei Stueck nahmen wir ihm ab.
Ankunft in Calangute. Viel roter Staub, viele rotverbrannte Touristen und viele Bars. Wir haben nun ein schoenes Zimmer, so einen kleinen Bungalow mit eigener Terrasse. Nebenan steht eine Bananenstaude, gegenueber eine Palme mit reifen Kokosnuessen (aufpassen!). Und einen kleinen Streichelzoo gibt es auch. Denn die soziale Mischung wird aufrecht erhalten, um uns rum stehen einige Lehmhaueschen und auch ein paar aus Palmwedeln zusammengesetzte Huetten. Und deren Bewohner halten allerlei Viehzeug, so dass wir nun von einer ganzen Schweinefamilie und einigen Huehnern umgeben sind. Jede Nacht schlaeft ein Hund vor unserer Terrasse (meist auch am Tag, wenn er sich nicht gerade mit den Schweinen streitet oder etwas zu Fressen sucht).
Wir machten uns auf den Weg zum Strand und liefen unserem Freund (hello my friend) Vinayak in die Arme. Ein Promoter fuer Time Sharing Objekte, das sagte er uns natuerlich noch nicht. Erstmal sollten wir jeder einen Umschlag ziehen, ich aus dem Stapel fuer Maenner und Susan aus dem fuer Frauen. Aha, es wurden also zwei Serien gedruckt. Ich gewann nur eine Weinflasche, aber Susan, huuuch, einen kostenlosen Aufenthalt in Goa, Thailand oder Bali. Natuerlich nur, wenn wir jetzt sofort mit ihm in ein Taxi einsteigen und in ein Touristenressort zur Praesentation fahren wuerden. Na wir taten ihm dann letztendlich den Gefallen, da er ja 400 Rupies verdienen wuerde. Um dies zu sichern, erzaehlte er uns unterwegs erstmal, was wir denn alles erzaehlen sollten. Wir waeren keine Backpacker, wuerden im Baga Queen Hotel fuer 800 Rupies pro Nacht leben, daheim gut Geld verdienen usw. So haben wir es dann auch erzaehlt, trotzdem glaubte uns wohl niemand und unwirsch wurden wir dann zum Abholen unserer Geschenke abgeschoben. Eigentlich lief das fuer uns so viel besser, denn wir ersparten uns eine mindestens 60-minuetige Praesentation, ich hatte meinen Portwein und Susan einen Gutschein fuer einen kostenlosen Aufenthalt (naja kostenlos, im Kleingedruckten steht etwas von einer 100-$-Handling-Gebuehr).
Teenage Mutant Loser Cockroach
Teenage Mutant Loser Cockroach
Ein Taxi fuhr uns dann sogar wieder zurueck in den Ort und wir liefen weiter zum Strand. Sehr schoen, sehr sonnig, sehr salzig und mit einem auf Grund gelaufenen Frachter am suedlichen Horizont, den wir in den naechsten Tagen mal besuchen wollen.
Abends hatten wir ein lustiges Ereignis mit einer Riesenkakerlake. Es ist schon ein komisches Gefuehl, wenn man in die Keksschachtel (haben wir oft, falls wir nachts mal Hunger bekommen) auf dem Bett greift und ploetzlich laufen einem zwei 7 cm lange Tierchen ueber die Hand und ueber das Bett.

 
Weltreiseschnecke 1 kurzzeitig erkrankt Drucken
Geschrieben von Susan   
Samstag, 12. November 2005

Um alle Besorgten zu beruhigen, ich bin schon so gut wie wieder gesund, nur noch ein bisschen traege. Da moegen jetzt vielleicht einige Leute denken, na das ist doch nichts Neues, eine von Zeit zu Zeit traege Susan kennen wir doch schon? Deshalb hat es hier wohl wahrscheinlich auch erst Niemanden verwundert, als ich vorgestern frueh einfach nicht so richtig wach werden wollte. Und auch vormittags und mittags noch nicht. Das mag man ja vielleicht auch noch von mir kennen, aber da es hier jeden Tag so viel Neues zu entdecken gibt, war das auf der Reise bisher anders und ich bin immer schnell aufgestanden.

Test negativ
Test negativ
Irgendwann bin ich dann doch mal erwacht und auf unsere hauseigene Veranda gegangen und da hab ich gemerkt, dass ich Fieber hab und mir der Kopf und die Knie wehtun. Na ich weiss gar nicht mehr so richtig, jedenfalls hab ich dann wohl den Rest des Tages mit einem nassen Handtuch auf dem Kopf geschlafen. Abends wars immer noch nicht besser, obwohl ich innerhalb des Tages fast allein einen 5 Liter Wasserkanister ausgetrunken hab. Also hatte ich schon nach anderthalb Wochen unterwegs die Ehre eines indischen Arztbesuches. Der erste Arzt hatte zu, also zum Naechsten gewankt, ordentlich wie hier ueblich die Schuhe vorm Wartezimmer abgestellt (womoeglich, damit der Arzt wenigstens immer Fusspilzpatienten zu behandeln hat?) und eingetreten ins Warteparadies. Natuerlich richteten sich gleich mal wieder einige neugierige Augenpaare auf mich, aha eine Weisse. Ein Kind begann ohne Pause hello-hello-hello zu rufen und auch der unausweichliche goanische Stromausfall liess nicht lange auf sich warten. Zum Glueck gibts beim Arzt Notreserven und auch eine Notbeleuchtung, so dass die Diagnose nicht im Dunkeln ausgefuehrt werden muss. Irgendwann war ich dann auch dran und wurde zum vollschlanken, brummeligen Arztwallah hereingelassen. Dann hab ich eine grosse braune Spritze bekommen, ein Rezept fuer genau abgezaehlte, ebenfalls grosse Tabletten und eine Rechnung von 700 Rupien. Damit hab ich dann an meiner Auslandskrankenversicherung schonmal 3 Euro verdient. Ausserdem wurde ein Malariatest gemacht, dessen Ergebnis ich bis gestern abend im wahrsten Sinne des Wortes entgegenfiebern musste. Keine Malaria, sondern irgendein Virus. Vielleicht ja von unseren Freunden, den Kakerlaken auf mich uebergesprungen. Aus der Praxis der nackten Fuesse entflohen mussten wir auch noch durch die lichter- und stromlose Stadt zurueck irren, ohne von den Autos, die sowieso lieber ohne Licht fahren, ueberrollt zu werden. Jedenfalls haben Spritze und Tabletten bisher gut geholfen, gestern war schon alles viel besser und heute hab ich sogar wieder Appetit. Ich werde jetzt mal eins der viereckigen indischen Broetchen essen, in denen als besonderes Extra immer auch ein paar Steinchen eingebacken sind damit die Zaehne nicht verweichlichen. Und als Nachtisch noch eine schoene grosse Tablette.

 
Die Sache mit dem Hund und dem Strandlaken Drucken
Geschrieben von Alex   
Sonntag, 13. November 2005

Streitobjekt
Streitobjekt
Ich war am Strand. Susan schlief sich gerade gesund und ich wollte die Zeit nutzen, um am Strand ein bisschen Sonne zu tanken und den Sonnenuntergang zu beobachten. Bin heute mal einen anderen Weg gegangen, fernab der Touristenpfade ueber handtuchbreite Wege durch ein kleines Dorf in der Stadt. Lauter kleine Huetten und Haeuschen, in denen die Inder leben und zwischen denen Schweine und Huehner umherliefen. Ich kam an, suchte mir eine Stelle, legte mich hin und alles war schoen. Habe eine Weile in Schulles Buch gelesen und war gerade kurz vorm Einschlafen, als es auf einmal an meinem Strandtuch zog. Das neulich gekaufte Bettlaken hat naemlich inzwischen genau diese Zusatzfunktion verpasst bekommen.
Hm? Wer zieht an meinem Strandlaken? So laestig kann ja wohl selbst der laestigste Strandhaendler nicht sein! Ich drehte mich um und sah zwei grosse braune Hunde, von denen sich einer in mein Tuch verbissen hatte. Kann ja wohl nicht wahr sein, dachte ich mir und stand auf. Das nahm er als willkommene Gelegenheit, mein Tuch zu besetzen und sich mit seinem nassen, sandigen Fell erstmal ordentlich darauf herumzuwaelzen.
Nee! So nicht! Ich fing an, ihn mit Sand zu bewerfen, aber das schien ihn wohl nicht weiter zu stoeren. Ich blickte mich um und sah schon in die Augen von belustigten Indern. Ich zog am Tuch - der Hund zog auch. Hm, eine Tollwutimpfung habe ich, aber man sollte es ja nicht unbedingt darauf anlegen. Also die Idee mit dem Treten schnell wieder verbannt.
Und nun? Noch ein bisschen mit Sand geworfen, der Hund sich noch ein bisschen gesuehlt und ich hatte das Gefuehl, mich immer mehr zum Loeffel zu machen. Dann lenkte ihn irgendetwas ab, er lief weg. Ich hatte ein zur Haelfte mit Sand und bestimmt einigen Hundefloehen besudeltes Tuch. Und den anderen Hund, der ganz ruhig neben mir im Sand lag.
Doch diese Situation waehrte nicht lange. Hund 1 kam zurueck und wollte weitermachen. Entnervt gab ich auf, steckte meine Sachen in den Rucksack, erkaempfte mir das Strandlaken, ging zum Wasser und schmiss es dort rein. Naechster Fehler, die Stroemung war ziemlich stark und so musste ich schnell hinterherrennen. Bestimmt noch mehr Augen auf mir. Also ab nach Hause und das Tuch im Wascheimer eingeweicht.
Und den Sonnenuntergang habe ich auch nicht mehr gesehen. Diese Runde ging wohl leider an den Hund.

 
Kakerlakenalarm Drucken
Geschrieben von Alex   
Sonntag, 13. November 2005

Kalerlakenschnecken

Nun hatten wir schon drei Naechte in unserem eigentlich ja schoenen Zimmer geschlafen. Da Susan krank war, wollten wir auch endlich mal unser Moskitonetz zum Einsatz bringen. Also haben wir ein Ende an die Neonroehre gebunden, das Netz ueber das Bett verteilt und die Kanten unter die Matratze gestopft. So lagen wir also in unserem neuen Himmelbett und wollten gerade noch ein bisschen lesen, als auf einmal eine der Riesenkakerlaken quer ueber unser Laken lief. Die grossen Dinger sind unglaublich schnell, das kann man sich gar nicht vorstellen. Und wir waren mit ihr eingesperrt - unter dem Moskitonetz. Das Geschrei war jedenfalls ziemlich gross, wir haben bestimmt alle Nachbarn geweckt. Und dann begann die grosse Kakerlakenschlacht. Nachdem wir das Moskitonetz unerklaerlich schnell abgebaut nach einer langen Suche unter dem Bett endlich Nummer 1 zur Strecke gebracht hatten, kam es zu weiteren Begegnungen. Wir hoben die Matratze von den Bettlaken - und begegneten der ganzen Familie. Eine lustige Mischung aus Geschrei, Schuhklatschen und "Wo ist sie?"-Rufen fuellte unsere naechste Viertelstunde, bis wir der Ansicht waren, nun alle lebenden Mitglieder unserer Untermieterfamilie ausgeloescht zu haben. Im Angesicht der Anzahl hatte Susan dann heute auch ihre pazifistische Grundeinstellung zu unseren Kakerlakenfreunden aufgegeben.
Hoffentlich gab es keine Ausfluegler zur spaeten Stunde. Wir werden das beobachten und wenn noetig berichten.

 
Dinge, die man so nicht kennt Drucken
Geschrieben von Alex   
Dienstag, 15. November 2005

Strandbulle
Strandbulle
Krankheitsbedingt waren die letzten Tage etwas ruhiger, so dass es keine prallvoll gefüllten Erzähltüten zum Umherschlenkern  gibt. Gestern haben wir ein paar Kilometer Strandwanderung bis hin zum gestrandeten Frachter hinter uns gebracht, denn wir müssen ja nun langsam mal unsere Hautfarbe den hiesigen Gepflogenheiten anpassen. Wir wollen nur nicht so aussehen, wie die dicke Engländerin neulich, die einer in violette Folie verpackten Wurst aehnelte. Hier in Calangute gibt es allerhand merkwürdige Typen. Gestern haben wir ein altes indisches Maennchen auf einem Fahrrad gesehen, das mit seiner Zahnlücke laut jodelnd! durch die Strassen fuhr. Leider ist die Stadt auch unter englischen Pauschalreisenden sehr beliebt, so dass wir hier nicht so viele interessante junge Backpackermenschen treffen.

Also heute einfach mal ein paar Sachen, die sich so angesammelt haben und irgendwie ungewohnt sind.

Linksverkehr: Den Linksverkehr konnten wir schon schoen beim Anflug auf London sehen. Da war mir noch gar nicht klar, dass er uns ja auch direkt betreffen würde. Wir haben immer noch unsere Schwierigkeiten damit, weil wir andauernd zur falschen Seite gucken, wenn wir über die Strasse wollen. Oder ich mich an die Bushaltestelle in die falsche Richtung setzen will. Ich bin manchmal so verwirrt, dass ich nicht einmal aus dem Stehgreif sagen koennte, auf welcher Seite in Deutschland gefahren wird. Muss mir dann immer erst meine Strasse vor Augen rufen und dann weiss ich es auch wieder. Aber ich eifere Susan nach und werde mich wohl auch daran gewoehnen.

Kuschelnde Maenner: Das indische Strassenbild wird anscheinend zu 90% von Maennern gepraegt. Waehrend meist keine Frauen zu sehen sind, handeln sie draussen, schwatzen, schlafen, stehen einfach nur rum oder kuscheln. Ja, sie kuscheln. Da wird haendchenhaltend durch die Strassen gerannt oder dem anderen liebevoll der Arm umgelegt. Homosexualität steht unter Strafe und das kann es auch nicht sein, denn bei der Häufung haette es nicht klappen koennen mit der Einwohnerzahl weit über einer Milliarde.

Betelnussgerotze: Blutige Mundwinkel, rote Flecken auf der Erde - keine Sorge. Maenner, die diese Zeichen aufweisen bzw. hinterlassen, leiden nicht an einer gefaehrlichen oder gar ansteckenden Krankheit. Sie kauen nur auf Betelnüssen oder einem Instant-Pulver davon. Und rotzen rote Spucke aus. In riesigen Mengen. Ueberall. Da wird meist vorher noch ordentlich und geraeuschvoll hochgezogen, bevor sich die Ladung auf die Strasse ergiesst. Auch wenn zwei deutsche Reisende nur noch einen Meter entfernt sind, was weg muss, muss weg. Hier in Goa sieht man es nicht mehr ganz so oft, in Bombay rotzten selbst die Taxifahrer aus den Fenstern ihrer Autos.

Freunde: Wir haben ja so viele Freunde hier. Warum wussten wir davon eigentlich gar nichts vor der Abreise? Bei so vielen Freunden koennten wir ja jahrelang durch Indien reisen, ohne uns irgendwelche Budgetsorgen zu machen. Also die uebliche Anrede auf der Straße ist "Hello (my) friend." Gefolgt von Fragen wie 1. Taxi? 2. Tuk Tuk? 3. Do you want ...? (hier je nach Bedarf einsetzen, meist Kaufangebote oder Komm-in-meinen-Shop-Aufforderungen)

Taxifahren: Na ueber die Taxifahrer haben wir uns ja schon genug ausgelassen. Aber nach der versuchten Entfuehrung vorgestern muss ich doch noch einmal was dazu schreiben. Eine ganz besondere Spezies, sie leiden wahrscheinlich an einer Krankheit, die sie in unregelmaessigen Abstaenden "Taxi?" oder "Tuk Tuk?" hervorbringen laesst. Auch wenn man gerade den Eingang zum Strand betritt und offensichtlich kein Taxi braucht oder vor einer Minute schon mal verneint hat, fragen kostet ja nichts. Eventuell sollten wir uns T-Shirts mit dem Aufdruck "Thank you, no taxi." anfertigen lassen. Jedenfalls kam ich am Sonntag vom Markt zurueck, als mich ein Fahrer angrinste, die Schiebetuer seines Taxis aufschob, mich am Oberarm packte und in sein Taxi zerren wollte. Ich war ganz schoen ueberrascht, konnte mich allerdings noch losreissen, bevor er mich irgendwohin verschleppt haette. Dabei hatte ich doch hoeflich reagiert und "no" gesagt.

Busfahren: Das ist schon viel lustiger. Solange man Ein- und Aussteigen schnell ueber die Buehne bringt, passiert einem nichts. In den Bussen arbeiten ein Fahrerwallah, ein Kassenwallah und ein Tueroeffner- und Schliesserwallah. Da in vielen Bussen laute schwungvolle indische Musik laeuft, bedient sich der letztere haeufig einer Trillerpfeife, um dem ersteren zu verdeutlichen, dass nun losgefahren werden kann. Das macht er dann auch, recht flott sowieso, denn Zeit ist Geld und er ist ja der groesste auf der Strasse und Schlagloecher gibt es nun eben mal.

"Excuse me Sir, soap ear?" Vorgestern sind sie mir zum ersten Mal begegnet. Aber das wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein. Die Ohrenputzerwallahs. Sie quatschen einen auf der Straße an und waehrend man noch dabei ist, das eigentuemliche indische Englisch im Kopf in verstaendliche Sinneinheiten umzusetzen, attackieren sie einen mit ihren Staebchen. Ich konnte ihnen jedoch noch entkommen, bevor sie mein Trommelfell zu perforieren beginnen konnten.

Susanmodel: Es ist schon oefter vorgekommen, dass Susan angequatscht wird und mit Indern zusammen auf einem Foto posieren soll. Da kommt dann so eine gut gekleidete Touristenfamilie, stellt sich mit Susan auf, ein paar Fotos werden gemacht und hinterher wird sich dann auch überschwenglich bedankt. Anscheinend werden diese Fotos dann hinterher rumgezeigt und die gute europäische Freundin, mit der man den halben Urlaub verbracht hat, wird dabei erwaehnt.

Baden: Frauen baden in ihren Saris, Maenner in ausgeschlabberter Unterwaesche. Aber das groesste Erlebnis scheint es zu sein, einfach in riesigen Menschentrauben am Strand zu stehen und aufs Meer zu gucken. Oder, als Steigerung, sich dicht ans Wasser zu setzen und ab und zu mal von einer Welle umspuelen zu lassen.

Kuehe: Das ist ja eigentlich allgemein bekannt, aber trotzdem lustig anzusehen, wenn sie in Bombay durch die Gassen laufen und im Muell wuehlen. Oder in Goa am Strand flanieren.

Es gibt hier handtellergrosse Schmetterlinge. Im Gegensatz zu diesen bunten Sommerflatterern hausen in den Baeumen aber auch jede Menge Kraehen, die mit ihrem "krah krah" irgendwie so eine europaeische Wintererinnerung bei 35 Grad Celsius hervorrufen.

Schlangen: Eine haben wir bisher gesehen. Aber die war schon tot. Als wir das erste Mal am Strand waren, kamen zwei Jungs vorbei und hatten einen Fisch in der Hand. Mensch, war der Fisch lang. Und so silbern. Und so duenn und laenglich. Na dann wurde uns klar, dass es doch eher eine Schlange war. Ungefaehr 1,50 m lang. Wahrscheinlich war es eine Seeschlange, die werden hier wohl oefter mal tot an den Strand gespuelt.

Elefanten: Zwei Sichtungen bisher. Aber das waren eher so bunt geschmueckte Zirkuselefanten, die von als Moenchen verkleideten Indern durch die Stadt gefuehrt werden.

 

 
Schnecken auf Partytour Drucken
Geschrieben von Alex   
Mittwoch, 16. November 2005

Auf dem Markt
Auf dem Markt
Die Schnecken waren unterwegs. Der Hippieflohmarkt in Anjuna war unser Ziel. Also haben wir uns im Bus nach Mapusa eine Runde durchschuetteln lassen, stiegen in den nach Vagator und waren dann bald in Anjuna. Noch ein Stueck am Strand entlang und schon wieder die ersten verkaufstuechtigen Inder an den Hacken.

Irgendwo auf der Welt muss es einen unglaublichen Bedarf an bunt gewebten bedsheets geben. Und die Goaner haben sich anscheinend vorgenommen, diesen aus eigener Kraft zu decken. Dabei gehen sie nach einem einheitlichen Leitfaden vor, um die bedsheetsuechtigen Reisenden in ihre Shops zu ziehen. Wahrscheinlich gibt es zu diesem Zweck ein eigenes Unterrichtsfach in der Schule. Die Reisefrau - in diesem Fall Schnecke Susan - wird von der goanischen Verkaufsfrau kontaktiert. Wo man herkommt, wie lange man bleibt, ob man das erste Mal hier ist, wie denn der Name sei, oh, was fuer ein schoener Schmuck und diese Haare, like Barbiedoll. Schliesslich wird man vorhersehbarerweise aufgefordert, den Shop der Verkaufsfrau aufzusuchen. Shop kann hierbei alles bedeuten, die einfachste Form davon ist ein auf dem Boden ausgebreitetes bedsheet mit den angebotenen Waren darauf. Lustig war, dass eine Shopinhaberin hartnaeckig meinte, sich an Susan im letzten Jahr erinnern zu koennen. Sie haette doch so schoen am Strand getanzt. Hm, war Susan letztes Jahr in Goa? Sie konnte sich auch nicht daran erinnern :-)

Sonne weg
Sonne weg
Doch von Hippies war auf dem Hippieflohmarkt nicht viel zu sehen. Dafuer war alles bunt, so bunt, dass zumindest ich die Buntheit schon gar nicht mehr wahrnehme und alles zu einem Farbbrei zerfliesst. Es gibt jede Menge Zeug, oft immer dasselbe und gefeilscht wird wie verrueckt. Und irgendwie sind wir ganz ohne Einkaeufe wieder verschwunden.

Ansonsten soll Anjuna auch der Ort fuer Goa-Parties sein. Also haben die Schnecken die Fuehler ausgestreckt und Informationen gesammelt. Hier mal die Ergebnisse in Kurzform. Es gibt schwarze Naechte und wei¤e Naechte, bedingt durch Neu- und Vollmond. Vollmond fiel heute mit dem Markttag zusammen. In diesen Naechten werden groessere Parties veranstaltet. Die Saison hat gerade erst begonnen, Ende des Monats wird mit der Erlaubnis der Regierung fuer Open-Air-Parties gerechnet. Diese wird von Polizeiebene zu Polizeiebene runtergereicht, bis letztendlich die oertliche Polizei die Hoehe des durch die Veranstalter zu zahlenden Schmiergeldes festlegt. Bis dahin gibt es die Shore Bar am Strand, die so lange Musik spielt, bis die Polizei stoppt. Ansonsten gibt es noch ein paar Diskos.

Full Moon Night
Full Moon Night
Also sind wir erstmal in die Shore Bar gegangen. Laute Musik und zappelnde Leute und die Flut stieg und stieg. War nachmittags noch ein breiter Sandstrand vorhanden, so musste man nun aufpassen, trockenen Fusses auf die Treppe zur Bar zu kommen. Zum Glueck gab es diese Treppe und war das Haus auf Pfaehlen gebaut, sonst haetten wir ja im Wasser gesessen.

Haben noch einen kurzen Abstecher zum Paradiso gemacht, so eine groessere Disko, vor der sich abends die Scooter stapeln. Ladies free, also ging Susan mal gucken. Sah ganz schoen aus, wollen wir demnaechst mal aufsuchen.

Zurueck mussten wir notgedrungen wirklich mal ein Taxi nehmen, da nachts keine Busse mehr fahren. Der Taxifahrer verkuendete uns stolz, dass nun night time waere. Halsabschneider. Na ja, es waren 200 Rupies, in Euro umgerechnet ein nicht allzu hoher Betrag, aber dafuer bekommt man eben auch schon ein Zimmer fuer eine Nacht oder kann in der 2. Klasse fast von Goa nach Bombay fahren.

 
Wir trafen Ozzy Osborne Drucken
Geschrieben von Alex   
Donnerstag, 17. November 2005

Fake-Ozzy
Fake-Ozzy
Wir haben Ozzy getroffen. Naja, vielleicht war er es nicht ganz wirklich, aber er sah schon ziemlich so aus und hat auch viel gesungen. Denn heute war unser Karaoke-Abend. Muss hier ein ganz grosses Ding sein. Hatte der Konsul das nicht auch mal von Thailand berichtet?

Und ich habe auch gesungen. Auf einem erstaunlich niedrigen Alkoholpegel von einem kleinen Bier und einem Feni (so ein regionales Getraenk, aus Cashew-Harz gebrannt). Wir waren in der von Englaendern besetzten Eden Bar. Naja, ich wollte schon immer mal singen. Und es wurde dann "Little by Little" von Oasis. Es war wohl gar nicht so schlimm, es gab Applaus und Susan war ganz schoen stolz auf mich.

Spaeter schloss das Eden und wir sind weiter zum Sea Castle. Auch dort wieder ein Karaoke-Abend. Und dort sass er, der Ozzy. Umringt von seiner Familie und den treuesten Fans, leicht angetrunken aber immer noch bereit, jederzeit das Mikro zu greifen. Wir haben uns davon aber fern gehalten, lieber ein bisschen die ganzen komischen Gestalten dort beobachtet und uns mit dem englischen Paar unterhalten, dass auch schon im Eden war.

Und als irgendwann dann nur noch Shanties gesungen wurden, sind wir nach Hause gegangen. Schlafen.

 
Erste Verlustmeldungen Drucken
Geschrieben von Alex   
Samstag, 19. November 2005

Zwei Dinge haben sich in Luft aufgeloest. Nachdem neulich bereits Susans Handtuch verschwunden ist, war es gestern Abend meine blaue Fila-Badehose. Sie hing zum Trocknen auf der Leine vor dem Bungalow. Bis irgendwann nach Einbruch der Dunkelheit. Dann war sie weg. Schade, ich hatte sie aus Cuba importiert und irgendwie hing ich an dem guten Stueck, obwohl sie ja nun nicht mehr unbedingt die neueste war. Susans Bikini hing direkt daneben, den wollte aber anscheinend niemand haben. Naja, wozu auch, indische Frauen ziehen ja keine Bikinis an.

Habe mir heute eine neue gekauft. Rot. Viel Spass mit meiner alten. Wo auch immer. Beim Baden oder auf dem Flohmarkt.

 
Kinotag Drucken
Geschrieben von Alex   
Sonntag, 20. November 2005

Ein bisschen eng im Stau
Ein bisschen eng im Stau
Heute war unser Kinotag. Wir fuhren nach Panjim und wollten dort einen grossen bombastischen Bollywoodfilm sehen. Panjim ist die Bundeshauptstadt und laut Reisefuehrer das Lissabon Indiens. Mit der Faehre setzten wir ueber den Fluss und betraten die Stadt. Oh! Wie anders! Es gab keinen Muell auf den Strassen, die Haeuser hatten schoene farbige Anstriche und ueberhaupt hatte sich die Stadt irgendwie herausgeputzt. An jeder Ecke gab es einen kleinen Park, der zum Verweilen einlud. Aber Verweilen konnten wir leider nicht, denn in 20 Minuten sollte unser Film anfangen.

Mit der Faehre nach Panjim
Mit der Faehre nach Panjim
Also schnell zum Kino. Hm, unser Favorit war gerade ausverkauft und Harry Potter wollten wir eigentlich auch nicht sehen. Jedoch konnten wir in einen Film, der schon eine Viertelstunde lief. Und haben uns dann fast drei Stunden lang "Ek khiladi ek haseena" angesehen. Falls es jemandem etwas sagt: Schauspieler waren Feroz Khan, Fardeen Khan und Koena Mitra. Naja, schoen bunt war es wieder, auch mit den unverzichtbaren Tanzszenen, die mitten im Film auftauchen, aussehen wie ein Musikvideo und wahrscheinlich gar keine Funktion im Sinne der Handlung haben.

Gleich da
Gleich da
Aber viel verstanden haben wir nicht. Unser Hindi ist dann doch noch nicht so weit, trotz der englischen Brocken, die sie immer in die Sprache mit einbauen.

 
Wieder unterwegs Drucken
Geschrieben von Alex   
Montag, 21. November 2005
So, nun haben wir 12 Naechte in Calangute verbracht. Es wird mal wieder Zeit fuer einen Ortswechsel. Wir haben uns ein Basislager angelegt und werden fuer eine Weile mit leichtem Gepaeck unterwegs sein. Heute geht es los nach Sued-Goa, danach wollen wir ein bisschen nach Karnataka, also in den naechsten Bundesstaat reisen. Die Pilger in Gokarna besuchen. Ohne Notebook und wertvolle Sachen, dafuer mit zwei Kameras fuer hoffentlich schoene Bilder. Es wird also vielleicht ein bisschen ruhiger werden in der naechsten Zeit. Kein Grund zur Sorge - die Schnecken reisen.
 
Mit dem Bus nach Palolem Drucken
Geschrieben von Alex   
Donnerstag, 24. November 2005
Unterkünfte in Palolem
>>> Bilder aus Palolem

Die Strecke nach Panjim kannten wir ja schon. Und steckten im selben Stau wie am Tag zuvor. Strassenbauarbeiten auf indisch. In Panjim kauften wir uns Tickets fuer einen Minibus nach Margao. Der fuhr auf der Schnellstrasse und so kamen wir ziemlich zuegig voran, ohne die staendigen Stopps an jeder Ecke.

Margao sah ein bisschen aus wie Panjim, nur nicht ganz so schick und sauber. Aber im Zentrum gab es einen Stadtpark mit Spielplatz, in den wir uns erstmal setzten. Zwischen die ganzen ruhenden Inder. Aber nicht lange, wir mussten ja weiter. Also suchten wir uns den Bus nach Chaudi. An den Busbahnhoefen stehen immer die Tuerwallahs und rufen mit unglaublich hoher Frequenz ihre Zielorte aus. Also so schnell, dass man es meist gar nicht verstehen kann und doch fragen muss. Und zu unserer grossen Freude fuhr der Bus direkt nach Palolem, nicht nur nach Chaudi wie gedacht. Also rein, nach dem naechsten Stopp hatten wir dann auch beide einen Sitzplatz.

Dannn ging es auf Serpentinen in die Berge, die Auslaeufer der Westghats muessen es sein. SUsan schlief und bergauf war es auch recht entspannt. Spaeter bergab allerdings habe ich mich geaergert, auf der rechten Seite direkt am Gegenverkehr zu sitzen. Aber irgendwie finden die doch immer wieder eine Luecke, so dass wir nach einer insgesamt 4-stuendigen Reise in Palolem aus dem Bus stiegen. Sofort waren wir von Leuten umringt, die uns Unterkuenfte anbieten wollten. Darunter welche fuer 500 Rupies fast wie in Bombay. Nee, erstmal weitergucken. Wir betraten den Strand. Oh, wie schoen. Eine halbkreisfoermige Bucht, von Palmen eingefasst, Fischerboote auf dem Strand und jede Menge Huetten auf Pfahlkonstruktionen und mit Kokosmatten verkleidet. Gleich waren wieder zwei Roomwallahs da, die uns eine Huette fuer 200 Rupies anboten. Das war ok. Also dem einen Roomwallah auf seinem Fahrrad hinterher.

Und Indien ist ja ganz schoen klein. Nach 200 Metern trafen wir Jona und Andrew, mit denen wir in Bombay den Film gedreht hatten. Sie hatten sich schon mit einem Bier in Erwartung des Sonnenunterganges postiert. Der Roomwallah draengelte dann, also weiter.

So, jetzt muessen wir mal schnell zum Zug. Melden uns bald wieder mit Eindruecken. Wir fotografieren hier Postkartenmotive, werden bestimmt ganz viele Bilder reinstellen spaeter.

 
Palolem Drucken
Geschrieben von Susan   
Donnerstag, 24. November 2005

>>> Bilder aus Palolem
Waehrend Alex mal wieder an seinem Lieblingsaufenthaltsort in ganz Indien - dem Internet - ist, nutze ich mal die Chance und schreib auch schnell noch was, ehe wir uns auf den Weg nach Gokarna machen. Auch ich befinde mich in einem Internetcafe, diesmal einem besonders edlen, denn es verfuegt ueber eine Klimaanlage und gerade wird die Fensterfront von einem fleissigen Fensterputzer ordentlich mit einer Zeitung geputzt. Hier war es wirklich schoen, so sind aus der urspruenglich geplanten einen Zwischenuebernachtung auch ein paar mehr gworden, so dass wir gestern noch einen kleinen Abenteuertag einlegen konnten. Wir sind durchs flache Meer zu einer einsamen Insel gewatet, dort ueber kleine und ganz grosse Steine geklettert, vorbei an Seesternen und Krabben, um oben auf einem grossen Felsbrocken schliesslich die bewundernden Blicke der am fernen Land ueber unseren Mut Staunenden zu geniessen. Natuerlich war das noch nicht genug fuer uns unerschrockene Abenteurer und wir sind auch noch bis ans andere Strandende gewandert. Da gerade angekommen, musste Alex erstmal den ganzen Weg zuruck laufen, weil der Anblick so schoen war, dass er einfach von der in unsere Palmenhuette liegenden Kamera festgehalten werden musste.

Bartschnecke
Bartschnecke
Zu Alex ist noch zu sagen, dass er sich gerade einen urzeitlichen Bart wachsen laesst. Noch kann man zumindest die Augen erkennen, aber vielleicht wird er schon bald so aussehen wie der einsame Strandjogger von Palolem. Ein ganz duenner, eigentlich auch sehr weisser aber zwischenzeitlich rot verbrannter aelterer Mann mit ganz langen weissen Haaren und ebenfalls ganz langem weissen Bart, der anscheinend tagaus, tagein ohne Unterbrechung von einem Strandende zum Anderen laeuft- manchmal sogar mit Hanteln. Eine Lieblingsstrandhuette zum Abendbier trinken hatten wir inzwischen auch, aber die muss jetzt wieder ohne uns auskommen.

 
Mit dem Zug nach Gokarna Drucken
Geschrieben von Alex   
Donnerstag, 24. November 2005

Heute stand Zugfahren auf dem Programm. Auf der Strecke der Konkan Railway, dem groessten und teuersten Eisenbahnprojekt in Indien, das eine Verbindung von Bombay nach Mangalore herstellt. Es werden 140 Fluesse ueberquert, es gibt 2000 Bruecken und 10 Prozent der Gesamtlaenge sind entweder Bruecken oder Tunnel. Soweit zur Information. Wir wollten uns auf einen kleinen Abschnitt von 83 Kilometern beschraenken.

Am Abend zuvor hatten wir uns im Internet eine Verbindung herausgesucht. 14:53 sollte Abfahrt sein. Also mit dem Bus nach Chaudi und dann noch 2 Kilometer laufen. Der Bahnhof lag ruhig und verlassen da, nur ein paar Rikschas hatten sich eingefunden und hofften auf ein paar Fahrgaeste von einem der wenigen Zuege, die dort am Tag halten. 12:45 waren wir am Schalter und bekamen die Auskunft, dass es erst um 14:30 Tickets geben wuerde. Also setzten wir uns hin und warteten und lasen.

Nach einer Weile hiess es ploetzlich: "Wo wollt ihr hinfahren?" Aeh? Vor uns stand ein indisch aussehender Backpacker mit dichtem Vollbart, der mit uns in fliessendem Deutsch sprach. Er hiess Mitch, war Englaender indischer Abstammung und hatte mal fuer ein Jahr in Berlin gelebt. Gleich um die Ecke. Er war schon seit einem Jahr unterwegs, hatte seine Reise im Baltikum begonnen, weiter ueber Russland und China und war nun schon seit 4 Monaten in Indien. Sein Versuch, Karten zu kaufen, wurde erstmal mit dem Hinstellen eines "Closed"-Schildes vor die Luke beantwortet. Mit Mitch verging die Zeit dann ziemlich schnell, wir hatten ja eine Menge zu erzaehlen.

Spaeter gab es dann Tickets und wir betraten den Bahnsteig. Aber ein Zug kam nicht. Auch nach einer Viertel- und einer halben Stunde nicht. Aber um 15:52 rollte einer ein - "in time". Sowohl das Internet als auch das liebevoll handgemalte Schild im Bahnhof sagten 14:53. Dass er inzwischen eine Stunde spaeter faehrt, interessiert hier nicht. Vielleicht hat es ja auch etwas mit der Sommerzeit zu tun, falls es die hier gibt. Nachtrag: Die gibt es nicht.

Rein in den Zug, ein mittelalter Inder und seine Mutter haben uns dann auch gleich einen Platz auf ihrer Bank angeboten. Los ging es. Nach einer Weile tauchte ploetzlich ein Mensch unter unserer Bank auf, der mit einem alten dreckigen Lappen den Muell dort aufwischte. Er streckte Susan seine Hand mit ein paar Muenzen darin hin und im ersten Moment dachten wir, sie haette das Geld verloren. Aber nee, es war ein Bettler, der auf dem Boden durch den Zug rutschte. Doch noch bevor wir das richtig erkennen konnten, wurde er schon von den anderen Leuten ringsum lautstark weggejagt.

Der Inder auf unserer Bank war freundlich zu uns, guckte sich unsere Buecher an und freute sich, dass wir nach Gokarna unterwegs waren. Und stiftete uns auch dazu an, unseren Muell aus dem Fenster zu werfen, wie es ja hier normal ist.

Die Fahrzeit verging recht schnell, die Tunnel und Bruecken machen sich wohl bezahlt. Beim Aussteigen half ich noch einem hutzeligen Maennchen (wieder mit blutroten Zaehnen und Mundwinkeln), seinen tonnenschweren Sack auf den Kopf zu heben und schon waren wir wieder von TukTuk-Fahrern umringt. Aber wir fahren ja lieber mit dem Bus. Es gab auch einen vor dem Bahnhof, einen Minibus, der hoffnungslos ueberfuellt wurde (aber auf das Dach musste immerhin niemand) und dann auch erstmal die Tankstelle ansteuerte. Das passiert oefter, wir standen auch schon mal mit einem Linienbus an der Tankstelle.

9 Kilometer Fahrt bis Gokarna. Dort empfing uns der Kontrollposten fuer Auslaender. Hier verschwinden wohl manchmal Leute und daher registriert die Polizei die ankommenden Auslaender, um im Falle eines Falles eine Akte anlegen zu koennen oder so. Also Daten in ein Formular eintragen und weiter ins Stadtzentrum.

Nun hatten wir ein bisschen Zeitdruck. Durch die Verschiebung mit der Bahn kamen wir erst in der beginnenden Daemmerung an. Doch wir hatten noch einen Zwei-Kilometer-Marsch ueber einen Huegel vor uns, der uns von unserem heutigen Ziel, dem Kootlee-Beach, trennte. Wir kannten den genauen Weg nicht und eine Taschenlampe hatten wir auch nicht dabei. Also schnell zum Ganesh-Tempel, den Suedeingang gesucht (ohne Kompass, Daniel!) und dort in die schmale Gasse gegenueber eingebogen. Der Weg fuehrte steil bergauf und wurde immer schlechter. Als wir den Huegel erklommen hatten, ging so eine Art Steppenlandschaft mit ganz vielen hingeklecksten Lavasteinen los. Und es wurde immer dunkler.

 

-- wird fortgesetzt --

 
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