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Zwei Jobs und ein Halber Drucken
Geschrieben von Susan   
Montag, 17. Juli 2006
Ich arbeite schon laenger nicht mehr in der Lorne Eatery. Nach meinem schnellen, aber kurzlebigen Aufstieg zur Ober-Bestellungsannehmerin und Englischspezialistin hat der Abstieg nicht lange auf sich warten lassen. Innerhalb der ersten zwei Wochen waren ja die einzigen Beiden, die richtig englisch sprechen konnten, verschwunden. Also gab es dann keinen Koch mehr, und nur noch mich und Ella, die noch neuer als ich war. Nachdem der erste Gast wutentbrannt aus dem Cafe gestuermt war, weil Ella nicht verstanden hat, was er bestellen wollte durfte nur noch ich mit den Leuten reden. Nachdem Ella gleich am naechsten Tag noch ein mysterioeses Missgeschick passiert war, wurde sie eigentlich gefeuert, aber sollte noch bis Freitag weiter arbeiten. Denn in der naechsten Woche sollte eine neue Superkellnerin anfangen. Wenn man bedenkt, dass beide Chefs selbst nicht besser Englisch konnten, war das ganz schoen fies. Letztendlich haben sie sie dann doch behalten, was ich mir ja auch nicht gefallen lassen haette. Inzwischen musste ich jedenfalls nicht mehr abwaschen und servieren, sondern konnte mich an der Kasse ausruhen, oder die Leute beruhigen, deren Essen vergessen wurde. Dann war es so weit, an einem Morgen erwartete mich ein koreanisches Skelett, dass mir als Nicole, very good new manager vorgestellt wurde. Eigentlich war sie aber die boese Stiefschwester, die mir als erstes sagte, dass ich zehn Minuten frueher kommen muss. Dann hat sie so getan, als waer ich die
Lion Beer
Lion Beer
Neue und nicht sie (obwohl sie auch frueher schonmal da gearbeitet hat) und mir erklaert, wie ich abwaschen soll. Das hiess dann wohl, ich bin wieder zurueckbefoerdert. Immer wenn ich grad an der Kasse stand und Jemand kam, hat sie mich weggedraengt und mir einmal sogar einfach den Stift weggenommen damit sie die Bestellung aufnehmen kann. Ausserdem wusste sie immer alles besser und war einfach total bescheuert. Irgendwann hat's mir gereicht und ich hab sie angemeckert, was das soll. Daraufhin ist sie in die Kueche gerannt, ich hinterher, weil ich dachte, sie will nicht vorne mit mir streiten, aber dann ist sie wieder rausgerannt und so ging das ein bisschen weiter. Na jedenfalls bin ich dann am Freitag nicht mehr hingegangen. Leider musste ich dann noch zwei Mal hin, mein Geld abholen.

schnell zur Arbeit
schnell zur Arbeit
Das ist also schon lange her, seitdem hab ich eher weniger erfolgreich Cafes und ein paar Laeden abgeklappert. Dazu musste ich mir andauernd anhoeren, dass es hier doch total einfach ist, einen Job zu finden. Die meisten aus unserem Haus arbeiten als Kellner, Tellerwaescher oder Kuechenhilfe. Mein einziger Verbuendeter war Florian, der auch ewig gesucht hat und von dem ich letztendlich einen Tipp bekommen hab: das Rialto Kino. Das war vielleicht vor anderthalb Wochen, als ich gerade ueberlegt hab, dass ich vielleicht doch noch auf dem Feld arbeiten muss. Und auf einmal gab es nahezu eine Jobflut, die mich ueberschwemmen wollte. Zwei moegliche Teilzeit-Barjobs und eine begeisterte Kinofrau. War mir ja ganz klar, dass das so kommen wuerde- zweieinhalb Wochen bevor wir nach Christchurch auf die Suedinsel fliegen. Jedenfalls hatte ich dann am Freitag gleich zwei Jobs, von Eins bis Vier Einfuehrung im Kino, und von Sechs bis Zehn in der Degree Bar am Hafen. Kino hat mich stark und eher unangenehm an Schule erinnert, ich und ein anderes Maedchen (urspruenglich aus Arabien) haben ein Kilo Vertragsunterlagen und Sicherheitsvorkehrungen bekommen, dann mussten wir diverse Frageboegen ausfuellen. Weisst du, was bei einer Evakuation gemacht werden muss- Ja oder Nein? Was muss bei einer Evakuation gemacht werden? Wo sind die Notausgaenge? Nenne drei moegliche Gefahrenquellen....? Die Neuseelaender scheinen ein wenig sicherheitsbesessen zu sein. Zum Glueck wurde ein bisschen vorgesagt und es gab keine Zensur am Ende. Das Beunruhigende war, dass alles sehr verpflichtend klang, als wuerde gleich vorausgesetzt, dass ich jetzt den Rest meines Lebens im Kino arbeite. Ich hab natuerlich nicht verraten, dass ich gleich wieder abreise. Also bin ich mit zwei Sets Arbeitsuniform und dem beaengstigenden Riesenvertrag nach Hause gestuermt, nur um gleich wieder weiter zum Hafen zu rasen. Vor dem Abendjob hatte ich ja noch mehr Angst. Ich war Dienstag schonmal zwei Stunden zum Pruefungstraining gewesen, aber da war nichts los, so dass ich hauptsaechlich doof rumstand oder hoechstens mal unter pruefenden Augen ein Glas Wein eingiessen musste. Ausserdem gab's einen bloeden vermeintlich-Deutschen (hat sich dann herausgestellt, dass er ein Neuseelaender mit deutscher Ex-Frau war, was alles erklaert), der immer rumgemeckert hat und eine nuschelnde und nicht besonders freundliche Lizz.
Freitag Abend war's wesentlich voller, und ich wurde hinter der zweiten Theke abgestellt.
Rialto Cinema
Rialto Cinema
Die kannte ich nun noch gar nicht, aber das wussten die durstigen Gaeste natuerlich nicht. Trotz meinem Sydney-Barzertifikat bin ich ja eigentlich aeusserst unqualifiziert fuer so eine Arbeit, wo ich doch immer nur den Wein trinke, der grad bei Foodtown im Angebot ist und fuer mich fast alles Bier gleich schmeckt. Ganz zu schweigen von irgendwelchen Mixgetraenken. Natuerlich wurde als erstes so Eins bestellt. Ich weiss noch, dass ich mich einen Moment lang gewundert hab, was ich auf einmal hinter einer Bar mache. Meine erste Bestellung war ein Kalua mit Milch. Hatte ich noch nie was von gehoert (Alex kannte es aber spaeter). Und keine Hilfe weit und breit. Das war so wie mit der Rambol-Rumball-Rumkugel in der Lorne Street. "Ok, one Rambol." Hm, und jetzt? Eine Denkpause, dann noch eine kurze bis mir nichts uebrigbleibt, als nochmal zu fragen. "One Rambol?"/ "One Ka......wschhd?". Bei der Rumkugel ist mir ja dann Betty zu Hilfe gekommen, aber diesmal war ich ganz allein. Beim zweiten Mal hab ich auch nicht mehr verstanden, aber zum Glueck war die Frau nett und geduldig. Ich hab dann auch gebeichtet, dass es mein erster Tag ist. Zusammen haben wir dann die Flasche Kalua entdeckt, jetzt musste ich mich nur noch vergewissern, dass sie wirklich Milch meint. Dann die Milch suchen gehen (unter der anderen Theke um die Ecke). Spaeter hab ich dann gelernt, dass das kein Exot, sondern zumindest hier ein begehrtes Getraenk ist und das Glas auch voll gemacht wird. Zum Glueck war meine Kundin wie gesagt nett und hat nichts ueber ihr nur halbvolles Glas gesagt (ich fand das mit der Milch so unappetitlich und abwegig, dass ich nur einen Schluck davon eingegossen hab). Noch waren aber nicht alle Schwierigkeiten beseitigt - sie musste ja auch noch bezahlen. Natuerlich hatte ich keine Ahnung, wieviel der Spass jetzt kostet und fuer die tolle Hightech-Kasse hatte ich keinen Code. Nachdem ich den und letztendlich sogar die richtige Taste fuer Kalua gefunden hatte, konnte die arme Frau nach gefuehlten zehn Minuten endlich mit ihrem schwer verdienten Drink abziehen. Das war praktisch gleich die Feuerprobe gewesen, obwohl mir schon noch das ein oder andere Missgeschick passiert: ein Kreditkartenformular, das ich verloren hab oder 15 Zentimeter Schaum auf zwei Zentimetern Bier, die der Besteller so lustig fand, dass er gleich alle seine Freunde zur Theke holen musste.
Aber alles in allem hat es trotzdem Spass gemacht und die Leute waren nett, auch wenn es ein bisschen laenger gedauert hat. Meine Lieblingskunden waren ein paar junge asiatische Touristen, die sich durchs Flaschenbier getrunken haben und auf die ich die Schuld schieben konnte, wenn wir uns nicht gleich verstanden haben. Fuer den sparsamen Kalua hab ich dann auch bei einer Asiatin Ausgleich geschaffen, weil ich nicht wusste, dass der Tequila als einziger keinen automatischen Mess-stopper hat und sie aus Versehen und Glaesermangel ein halbes Riesenglas voll zum Sparpreis bekommen hat.
Etwas Unheimliches war aber noch, ein schlechtes Omen, dass sich vielleicht spaeter am Abend bewahrheitet hat: Immer wenn ich mich mit meinem Code in die Kasse eingeloggt hab, stand da, wo bei Anderen der Name steht "You should not b(e)", so dass ich mich immer ein bisschen beobachtet gefuehlt hab.

Um Viertel Elf konnte ich mir dann zur Abwechslung selbst ein Getraenk mixen lassen, um dann beschwingt nach Hause zu laufen.
 
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