 Das neue Zimmer  Wohnzimmer Ich hab schon in Sydney einen Barkurs gemacht, als Vorbereitung fuer mein bald beginnendes, neues Arbeitsleben. Nicht nur waren zum Schluss alle angetrunken, weil in der Pause heimlich das Wasser ("wir tun jetzt mal so, als waer das Rum") zum Getraenkemixen mit echtem Alkohol vertauscht wurde, ausserdem konnte ich dann hier mit tollen Barfaehigkeiten auftrumpfen und habe nach einer Woche Training (= umsonst arbeiten) einen Job im Cafe, beziehungsweise der Lorne Eatery & Bar bekommen. Von Bar keine wirkliche Spur, aber es sieht dort sogar ganz schick aus (mit Aquarium), nur ist meistens nicht so viel los, oder natuerlich zu viel auf einmal. Heute wurde ich befoerdert, ab morgen arbeite ich zwei Stunden mehr und hab die ehrenwerte Aufgabe, hauptsaechlich die Bestellungen aufzunehmen. Daran sieht man, dass mein akzentbeflektes Englisch kein Problem ist - es gab heute noch eine andere Premiere, der erste Ansatz eines halbwegs richtigen Gespraechs zwischen meinem Chef und mir. Ich glaube, er hat sich immer ein bisschen vor mir versteckt, weil er kaum Englisch spricht, und ich hatte Angst vor ihm weil er immer nur laut auf koreanisch (?) rum ruft und das klingt nicht so freundlich in meinen Ohren. Eigentlich macht es sogar Spass, jetzt wo ich mich eingewoehnt habe. Leider sind die Neuseelaender grosse Fleischesser, und ausserdem essen sie nicht auf.
 Dritte Tuer links  Kueche Unsere Suche nach einem schoeneren Zuhause war inzwischen auch erfolgreich, aber der Weg dahin war nicht immer einfach. Der erste, dessen Zimmer wir angucken wollten, Ian aus Brasilien, hatte ganz vergessen dass wir kommen, war dann aber trotzdem nett, nur wusste seine noch-Mitbewohnerin noch gar nicht, dass fremde Leute heimlich ihr Zimmer angucken, war also alles ein bisschen komisch und die Wohnung war miniklein. Beim zweiten Treffen wurden wir wohl total verarscht, ebenso wie der Wohnungsbesitzer, Gerard, der gar nicht wusste, was wir von ihm und seiner Wohnung wollen, obwohl mich am Nachmittag noch extra ein Gerard hinbestellt hat, zum Besichtigungstermin. Eine Wohnung gab's noch, die war ganz ok, ausser auch klein und dass das einzige Zimmerfenster zur Kueche ging und man praktisch vom Herd aus aufs Bett gucken konnte. Ich hab mich schon gefragt, wo eigentlich die Neuseelaender sind, denn da haben auch Deutsche und Brasilianer gewohnt. Die spannendste Zimmerbesichtigung war jedenfalls die letzte. Da sind wir abends auf unserer Entdeckungsreise in einen neuen Stadtteil zufaellig vorbeigekommen, an einem Haeuschen, keinem Betonturm diesmal, mit Zimmer-Schild. Nach dem Klopfen kam neben einer grossen Graswolke ein mitteljunger Typ zur Tuer, war ein kleines bisschen verwirrt und meinte wir sollen am naechsten Morgen wiederkommen. Dann kam aber noch ein dickerer, aelterer, baertigerer Mann, wahrscheinlich mit Namen Wolf, der mehr zu sagen hatte. Fuer 140 Dollar (wir bezahlen jetzt 200, also ein guter Preis an sich) gabs eine 12 qm Kammer voller Kram und einem Hochbett. Aber das war noch nicht alles, was Wolf zu bieten hatte, zweite Wahl, das Superschnaeppchen hinten in der Ecke, eine 6 qm Ecke mit Matratze, allerdings ohne Tuer und Waende, da muessten wir dann erstmal mit Simon sprechen, ob der uns auch mag, denn der wohnt gleich nebenan. Waehrend wir im Haus waren, hat Wolf uns insgesamt ein halbes Mal direkt angeguckt, dafuer hat er aber alles mehrmals wiederholt ("hab ich schon gesagt, dass das Zimmer 140 kostet"). Bald hat ihn aber der Fernseher zu sich gerufen, wir durften nochmal in die grosse Kammer gucken und nun kamen auch ein paar neugierige Mitbewohner hervor. Ein lustiges kleines Opa-chen das sofort anfangen wollte die Kammer auszuraeumen und zwei weitere (nette) Saeufertypen. Da war eine ganze Junggesellenbande vorm Fernseher versammelt gewesen. Beim Abschied gab's noch ein paar neue, interessantere Wiederholungen: schon zwei Kinder wurden in unserem potenziellen neuen Kammerzuhause geboren, leider hatte der Nachbar einen Unfall, was die allgemeine Traurigkeit noch verstaerkt hat, bis morgen muesste Wolf 700 Dollar fuer den Landlord auftreiben und dann fielen ihm noch eine ganze Reihe anderer Unterkuenfte fuer uns ein, die wahrscheinlich besser und billiger waeren. Das ist natuerlich schlechte Eigenwerbung. Ich denke ja mal, da fehlt eine Frau im Haus aber obwohl sie mir ein bisschen Leid getan haben und ich sie bis auf den ersten alle nett und lustig fand wollte ich diese doch lieber nicht sein.Und jetzt schreibt Alex noch was, denn ich will Susan ja nicht nachstehen und habe mich deshalb auch nach Arbeit umgesehen. Und heute auch welche gefunden. Ab Freitag werde ich grossartig in die IT-Branche einsteigen und mit dafuer verantwortlich sein, dass die Auckland University (die nebenbei gesagt irgendwie schon den halben Teil der Innenstadt einnimmt) in den naechsten 10 Wochen mit neuen Computern versorgt wird. Sprich ich muss mich mit Windows XP-Systemen rumplagen. Daten sichern, Computer austauschen, System installieren, Geraete anschliessen, Daten zuruecksichern. Unter time pressure, wie mein neuer Chef meint. Naja, kennt man ja. |