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Ein Arbeitstag mit Alex Drucken
Geschrieben von Alex   
Freitag, 16. Juni 2006
Auf dem Weg zu WA
Auf dem Weg zu WA
Bluescreened - ein defekter RAM-Baustein
Bluescreened - ein defekter RAM-Baustein
Um fuenf nach 8 verlasse ich das Haus. Bei gutem Wetter kann ich unten am Ende der Strasse ein Stueck vom Hafen und noch ein Stueck weiter weg Devonport mit dem North Head sehen. Links rum, ueber die Grafton Bridge, dann rechts auf der Symonds Street immer geradeaus. Die City endet und auf einmal sind die Gebaeude alle nur noch zweistoeckig und alles sieht so kleinstaedtisch aus. Weiter in die New North Road und dann noch ein Stueck bergab und um halb 8 bin ich dann im Warehouse (so nennen sie hier alle den Hauptsitz der Firma) angelangt. 
Jetzt beginnt der anstrengende Fruehsportteil. Ein ganzer Haufen Pappkartons mit Computern und Monitoren muss in den Van geladen werden. Naja, so viele sind es nun auch nicht, meistens so 10 Stueck, aber trotzdem habe ich inzwischen eine Vorliebe fuer Desktop-Modelle entwickelt. Die wiegen nicht so viel. 

Dann geht es los, Ziel Dabbeljuhaeh - WA, fuer Wellesley Campus, Gebaeude A. Sozusagen unser Sitz vor Ort. Knapp 4 Kilometer entfernt mitten in der City, meist bin ich um kurz vor 9 dort.
Momentan is hier ganz schoen viel los, denn die Uni kriegt in den naechsten Wochen einen ganzen Batzen neue Computer, da die Leasingspanne der alten abgelaufen ist. Chef vor Ort ist Alistair, der ist ganz in Ordnung, nur manchmal ein bisschen ueberarbeitet, weil er vor lauter Telefonieren und Problemloesen gar nicht zur Ruhe kommt. Dann haben wir noch Jeremy, der auch 40 Stunden die Woche wie ich arbeitet und auch Neuseelaender ist. Und die beiden Studenten, die 20 Stunden arbeiten. Einer kommt aus dem Kongo, und natuerlich - wie auch anders - ein Inder aus Bombay. Und ich muss immer wieder merken, dass ich mich mit dem indischen Englisch wohl nicht anfreunden kann. Da verstehe ich alles andere besser. Jedenfalls muss ich fast immer nachfragen, was er eigentlich will. Ansonsten ist hier wirklich alles ganz multikulturell, an jeder Ecke hoert man einen anderen Akzent, es gibt jede Menge Chinesen, Koreaner, Japaner und Inder. Und Maoris, die ersten Besiedler der Inseln. Meist richtig riesige, fuellige Menschen (ja wirklich, riesige Menschen), die gern auch mal barfuss auf grossen Hobbitfuessen durch die Gebaeude wandeln.

bemalter Stromkasten auf dem Weg nach Hause
bemalter Stromkasten auf dem Weg nach Hause
Jedenfalls holen wir uns bei Alistair unsere Auftragsformulare und ziehen los. In eines der vielen verstreuten Gebaeude rings um den Hikuwai-Plaza. Manchmal muss man noch ein Stueck mit dem Van fahren, da die Wege hier echt lang sein koennen. Auckland liegt auf ich glaube 48 Vulkanen und ist daher ganz schoen huegelig. Kommt man aus einem Fahrstuhl im 4. Stock raus und geht ins Nebengebaeude, faehrt man in diesem Fahrstuhl vielleicht schon wieder im ersten Stock ab. Irgendwann erreichen wir aber unser Ziel. Dann ist das meiste inzwischen schon Routine. Betreffenden Rechner finden, lokale Daten und Userprofil sichern, Druckereinstellungen notieren, benutzte Software rausfinden. Den alten Rechner ab- und den neuen anschliessen. Systeminstallation beenden, Daten kopieren, Rechner in der Datenbank tauschen, Drucker einrichten, Software installieren (zum Glueck liegen die ganzen Installer als automatische Skripte auf dem Server). Zeug einsammeln und verschwinden. Naechster Auftrag.
Zwischendurch ab und zu mal wartend die tageslichtscheuen Rechenzentrumcomputerverwalter beobachten. Informatikerspaesse. So zum Beispiel hinter einem angestrengt gruebelnden Angestellten ein grosses Metallstueck auf den Boden fallenlassen und ihn ordentlich zu erschrecken. Aus einer der durch Stellwaende abgetrennten Boxen heisst es dann: "Was it a hard drive?" "No, it was Henry's ass."
Zwei- bis dreimal am Tag fahre ich noch zurueck zur Firma, um das alte Zeug wegzubringen und Nachschub zu holen. Hier arbeitet Daniel aus Australien. Es gibt dann auch immer die neuesten Infos zur Fussball-WM. Seitdem Australien gegen Japan gewonnen hat ist er ganz hibbelig und versucht, alle fuer Fussball zu begeistern.
auf dem Weg nach Hause, Symonds Street
auf dem Weg nach Hause, Symonds Street
Ueberhaupt werde ich oft gefragt, warum ich denn nun gerade nicht in Deutschland bin. Und ob deutsche Autos bei uns billiger sind. Und solche Sachen. Oder mir wird erzaehlt, was fuer eine schwierige Sprache Englisch doch ist (die Leute, deren Rechner ich tausche, sind meistens ganz freundlich und erzaehlen viel mit mir). So erzaehlte mir neulich eine Frau von den schwierigen Klippen im Englischen, die es doch zu meistern gilt. Und von den Reimen, die den Kindern beigebracht werden, um klar zu kommen. "I before E, except after C." Sie schrieb mir dann gleich ein paar Beispiele auf, so klingen belief und receive gleich, aber man muss die C- Regel beachten. Alter Hut, dachte ich und konterte, im Deutschen muesste sie fuer jedes Substantiv einen Artikel lernen. Das schien sie aber nicht weiter zu beeindrucken, denn nun kam sie mit weiteren Klippen.
Ab und zu haben wir auch auf dem zweiten Campus zu tun. Akoranga, jenseits der Harbour Bridge in North Shore (ein Teil Aucklands, die Stadt ist eine Ansammlung verschiedener Kommunen) und liegt viel ruhiger im Gruenen. Aber richtig gruen, die Wiese hinter den Gebaeuden koennte ein Golfplatz sein. Auf der Rueckfahrt hat man dann einen richtig schoenen Blick auf die City, vor allem wenn die Sonne scheint und sie ganz weiss leuchtet.

Gegen halb 5 mache ich mich meist auf den letzten Weg zurueck zur Firma, lade den Van aus und habe dann Feierabend. Auf nach Hause. Unterwegs liegt so ein chinesischer Imbiss, bei dem es fuer wenig Geld eine riesige Portion Pommes gibt (Pommes schmecken hier ueberall total gut). Oft komme ich daran nicht vorbei, weshalb ich jetzt bestimmt dick werde :-).

 
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