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Verliebt in Varanasi Drucken
Geschrieben von Susan   
Mittwoch, 1. März 2006

der Ganges
der Ganges
Wenn wir auch schon immer gesagt haben, in jeder Ecke von Indien sieht es anders aus, stellt Varanasi nochmal alles in den Schatten. Ich zumindest bin total begeistert. Ok, es ist gerade mal der erste Abend (und schon haben wir Bekanntschaft mit diversen der beruechtigten Hotelschlepper und Geldsammler gemacht).

Ich fang mal vorne an. Beinah waeren wir sogar puenktlich angekommen, haette der Zugfuehrer keinen Pakt mit Varannasis Vorortbahnhof-Bettlern gemacht: Ich halte hier eine Stunde grundlos an, inzwischen koennt ihr alle mal durch den Zug laufen und Geld sammeln- die Haelfte ist dann fuer mich. Also nix mit Ankunft um 7:35, dafuer ein Querbeeteinblick, was die Stadt so an Armen und Kranken zu bieten hat. Leute ohne Haende koennen mich nicht mehr schocken. Inder bessern mit kleinen Almosen ihr Karma auf, bei uns siehts fuer die Bettler meistens schlecht aus. Tatsch- und Grabbelleute werden gleich verscheucht, Andere ignoriert. Die meisten der wenigen Male, die ich bisher guten Willen zeigen wollte, waren eher ein Reinfall. Fuer Lebensmittel sind sich die "Hungry, hungry"-Rufer dann oft doch zu schade, es sollte schon Bargeld sein. Und wenn man ihnen eine Muenze gibt, reicht es Einigen nicht und man wird auch beschimpft. Ich hoffe, das klingt nicht zu gemein, aber man gewoehnt sich auch an vieles.

Schildergewirr
Schildergewirr
Nachdem der bunte Reigen singender, hinkender, blinder oder brummelnder Gefaehrten und auch die Verkaeufer (ausser der ueblichen Nahrungsmittel sind hier z.B. Kaemme und Zahnputz-Akazienzweige hoch im Kurs) genuegend eingesammelt hatte, konnte die Fahrt wieder aufgenommen werden und schon bald waren wir da. Auf einem eher doerflichen Bahnhof, und sofort hatten wir einen neuen Freund und fleissigen Geschaeftsmann an unserer Seite - ein Rickschafahrer (was sonst). Es war trotzdem gar nicht so einfach, eine Fahrt zum Lalita-Ghat (in Varanasi gibts ca. 70 Ghats = Treppen, die zum Ganges hinunterfuehren) zu organisieren, denn kaum sassen wir im Gefaehrt, fing der Fahrer wie befuerchtet an, von super Guest Houses zu erzaehlen. Also wieder raus. Die Suche nach einer Bushaltestelle haben wir nach drei Minuten wieder aufgegeben und uns schliesslich doch von einem Cycle-Rickschafahrer ueberzeugen lassen, dass er stark genug fuer uns und unsere drei grossen Rucksaecke ist. Also mit mittelgutem Gewissen rauf auf die Klapperkutsche, dem schmaechtigen Maennchen beim Anschieben und Aufspringen zugeguckt, und dann die Stadt um uns rum bewundert. Auf der Strasse gab's hauptsaechlich Fussgaenger, Fahrraeder und natuerlich Rickschas, aber kaum Autos. Also kaum Abgase und statt wildem Gehupe Dauerklingeln. Unser Fahrer war nett und hat uns unterwegs ein paar Sachen ueber die Stadt erzaehlt, die wir aber leider kaum verstanden haben.

Elefantengasse
Elefantengasse
Kaum Ausgestiegen wurden wir schon wieder von Hotelschleppern eingekreist. Mithilfe eines grossen Taeuschungsmanoevers ist es uns schliesslich gelungen, sie auszutricksen und allein ein Familienschlafzimmer zu betreten, ueber dem es ein schoenes Zimmer fuer uns gab. Inder sind nicht nur kreativ, sie sind auch ueber-gastfreundlich und unkompliziert. Alle Guesthouse-Gaeste latschen erstmal durch die Familienwohnung im Erdgeschoss. Darueber kommt ein schoener kleiner Innenhof und unser Zimmer und darueber mehrere Etagen Dach mit spielenden Affen und Blick auf den Ganges. Als ich zur Abenddaemmerung oben Waesche aufhaengen war, haben ganz viele Kinder auf den umliegenden Daechern Drachen steigen lassen.

Nach kurzer Ausruhpause sind wir dann die Umgebung erkunden gegangen. So eine schoene Umgebung. Lauter winzige Gassen, vielleicht zwei Meter breit, bergauf, bergab, mit Kuehen und winzigen Laeden, in die Hauswaende eingebaut. Ausserdem haufenweise Schreine und Tempelchen. So wie die Altstadt vorhin im Dunkeln aussah (in einigen Gassen war kein einziges

Sadhu
Sadhu
elektrisches Licht zu sehen, hoechstens eine Kerze in einem Shop) stell ich's mir im Mittelalter vor. Zwischendrin wandeln Brahmanen/ Priester, Rasta-Sadhus in orange und Leute, die einem den Weg zeigen wollen. Am liebsten natuerlich zu einem Hotel, aber in dem Gassengewirr kann man sich auch wirklich gut verlaufen.

Wir haben auch bestimmt schon fuenf oder sechs Todesprozessionen gesehen. Varanasi ist nicht nur die Stadt meines neuen Lieblingsgottes Shiva, sondern auch eine ganz besonders heilige Stadt. Wer hier stirbt, erlangt nach Hindu-Glauben sofort Erloesung ("moksha"). Es gibt Ashrams voller Menschen, die hergekommen sind, um auf den Tod warten. Wenn er denn kommt, werden zumndest die, die es sich leisten koennen, mit Gesang und bedeckt von goldenem Stoff auf einer Bahre zum Verbrennungsghat getragen. Was da passiert kommt im naechsten Bericht.

 
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