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 Das Schneckenhaus So heisst die heutige Station, 54 km suedlich mit der Bahn. Die Bundeshauptstadt. Aber ich bleibe lieber beim alten Namen Trivandrum, sonst breche ich mir ja noch die Finger ab. Diesmal wollte ich es gut machen mit dem Zimmer. Ich wollte telefonisch eines reservieren, da die billigen hier schnell voll werden sollen. Das war eigentlich schon fuer vorgestern eingeplant, aber ich brauchte einige Zeit, um herauszufinden, dass die im Reisefuehrer angegebenen Nummern inzwischen alle eine 2 vorweg haben. Kann man ja nicht wissen. Die Jugendherberge war voll. Weiter versuchen. Ich reservierte ein Einzelzimmer fuer 150 Rs, kam spaeter an - angeblich sollten nun alle Einzelzimmer belegt sein. Er wollte mir ein Doppelzimmer fuer 200 geben. Nee, ich war bockig. Machte mich wieder auf die Suche. Im Endeffekt nahm ich dann doch eines fuer 200, aber nicht bei dem Idioten. Und wahrscheinlich ist es auch ein besseres Zimmer, liegt viel ruhiger und das Gebaeude sieht ganz neu aus.
 Im Schneckenhaus Raus in die Stadt, denn morgen will ich zum Suedkapp und ich wollte hier viel sehen. Als erstes fand ich ein Indian Coffee House. Aber was fuer eines: Ein Schneckenhaus! Da musste ich natuerlich rein. Es steht sogar im Reisefuehrer und wurde von einem crazy englischen Architekten gebaut. Mir tun nur die Kellner ein bisschen leid, die muessen ja schon ganz schiefe Fuesse haben, wenn sie jeden Tag durch die gewundene Schneckenspirale laufen. Indian Coffee House ist eine Kooperative der Kaffeepflanzer und unterhaelt in jeder groesseren Stadt in Kerala ein paar Filialen. Normalerweise sind das ganz karg eingerichtete Raeume mit ein paar Bildern der grossen Volksfuehrer seit Mahatma Gandhi an der Wand. Aber man kriegt in jeder Filiale die gleichen guten Sachen zu billigen Preisen. Und den besten Kaffee, den ich bisher in Indien getrunken habe (der ist in Suedindien weiter verbreitet als im Norden). Sogar ohne Zucker, wenn man es ansagt. Fuer meinen Geschmack ein bisschen duenn, aber ganz gut bei der Hitze. Die Kellner tragen weisse Uniformen mit gruenen Guerteln und dazu Turbane. Aber das ist keine Folklore fuer Touristen, das ist eine urindische Sache. Meist ist man der einzige anwesende Auslaender. Ideal ist es zum Fruehstueck. Ich nehme meist einen Kaffee, Ruehrei oder Tomaten-Omelett, 2 Scheiben Toast mit salziger Butter und eine in Teig eingebackene Banane. Das sind 25 Rs. Fuer 10 mehr bekommt man noch einen frisch gemixten Ananassaft dazu. Man geht raus und hat gute Laune und keinen Hunger mehr.
 MG Road Also mit guter Laune 3 Kilometer die MG Road hoch. Die ist nicht ganz so aufregend wie zum Beispiel die in Ernakulam, aber hat ein paar schoene Gebaeude zu stehen. Unter anderem ein aus Feldsteinen gemauertes, das aussieht wie eine schottisches Berghaus. Auch eine Moschee, ein paar Tempel und Kirchen. Kirchen finde ich ja immer toll hier, die erinnern so an die Landschaft zu Hause. Ich guckte auch in die Kunsthochschule, auf deren Hof die Ergebnisse eines Art Camps standen. Hat Susan was verpasst. Am Ende der MG Road lag mein Ziel: Die Public Gardens mit verschiedenen Museen und einem Zoo.
 Art College Als erstes wollte ich in den Zoo. Ich musste jetzt mal eine Schlange sehen. Seit der Begegnung mit der kleinen Schlange in Panjim hat sich keine mehr blicken lassen und die Schlangenbeschwoerer meiden mich weiterhin erfolgreich. Gleich nach ein paar Affen gab es auch einen Kaefig: King Cobra. Eine grosse! Bestimmt 3 Meter lang und ich wuerde fast sagen dicker als mein Oberarm. Schwarz geschuppt wie die Nacht, nur leider etwas traege und in die Ecke verkrochen, so dass man sie auf dem Foto gar nicht gut erkennt. Danben gab es eine grosse Python. Das war es? Im indischen Zoo nur zwei Schlangen? Ich ging erstmal weiter. Nach einer Horde Affen ging es ueber Voegel und Kaimane weiter, spaeter sogar Flusspferde, Panzernashoerner, Elefanten und Raubkatzen. Die Tiger wurden gerade gefuettert und waren daher ziemlich gereizt. Zur Freude der Inder. Ueberall im Park stehen Schilder "Do not disturb animals", aber beachtet werden sie nicht. Da wird gezischt, an Kaefige geklopft und gefuettert, obwohl auch Fuetterverbot besteht. Die Tiere haben wahrscheinlich alle einen Koller.
Kurz vor dem Ausgang gab es dann doch noch ein Reptilienhaus. Mit jeder Menge normaler Kobras, die wesentlich kleiner sind als ihr grosser Nicht-Verwandter (habe gelesen, dass es unterschiedliche Arten sind). Nur leider schloss dann auch schon der Zoo und mit ihm auch die Museen im Park. Die Zeit war so schnell vorbei, seit ich morgens um kurz nach 10 in Varkala am Bahnhof stand. (Vorher bin ich dort extra noch an den Strand geflitzt, da ich noch gar nicht viele Bilder gemacht hatte. Dann erfuhr ich auf dem Bahnhof, dass der Zug doch um 11:30 und nicht wie mir am Vortag gesagt um 10:30 fahren wuerde.) Beim Essen abends hatte ich eine unangenehme Begegnung mit einer halben Made in meinem Gemuesereis. Sie war weiss, hatte so Ringelsegmente und an dem einen vorhandenen Ende zwei schwarze Klauen. In meinem Kopf kamen einige Fragen auf. Was fuer eine Made ist das? Was macht sie in meinem Essen? Schmeckt sie gut? Hatte ich nicht Veg Fried Rice gesagt? Und vor allem: Wo war die andere Haelfte? Noch in der Schale oder schon ... Ich fragte den Kellner, ob das Teil gefaehrlich waere. Er sagte, sie waere nicht aus dem Essen und zeigte immer an die Decke. Wohl von der Decke gefallen. Sah aber doch irgendwie mitgebraten aus. Ich ueberlegte ein bisschen, ob ich weiteressen sollte. Na egal, die Chancen standen 50:50, dass ich die andere Haelfte eh schon gegessen hatte. Ein bisschen habe ich noch gezoegert, aber mit Ketchup ging es dann. |