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Tag 7 - eine Blumen- und eine Schlangenfreundin Drucken
Geschrieben von Susan   
Freitag, 17. Februar 2006
Blume
Blume
Dafuer begann der siebte Tag um so besser, naemlich mit einem erstaunlichen Fortschritt. Meine Sinne waren wohl schon so geschaerft, dass ich bereits vom ersten, noch weit entferntem und zaghaften Glockenanschlag des Morgens wach wurde. Als das Gerassel vor meinem Fenster los ging, war ich schon laengst unter der Dusche. Der Tag wurde genauso gut, wie er begonnen hat und es gab tatsaechlich einen (kurzen) Moment, an dem ich es schade fand, dass der ganze Spass schon in drei Tagen zuende sein sollte. Ich muss allerdings zugeben, dass ich meine Erkenntnis vom vorherigen Tag bzw. vorvorherigem Abend erstmal wieder zur Seite gelegt hab. Und so ging es weiter mit ein paar ordentlichen Stimmungsschwankungen, die in den Pausen aber immer in einem Hoch endeten. In der Mittagspause hatte ich eine interessante Begegnung mit einer alten Bekannten vom vierten Tag. Damals war sie mir noch nicht besonders sympathisch und haette mich beinah von meinem Lieblingsgartenplatz vertrieben. Meine neue Freundin war eine kleine gelbe Schlange. Ich find ja die meisten Tiere toll, aber Muecken und Schlangen bilden normalerweise eine Ausnahme. Doch jetzt gab's sogar noch eine Ausnahme von der Ausnahme und ich bin diesmal nicht schnell weggelaufen sondern stehen geblieben. Auch die Schlange ist stehen geblieben, hat sich ein bisschen aufgerichtet (war ja nur eine kleinere Schlange und ueber zwei Meter weg also nicht gefaehrlich) und hat mich angeguckt. Nach einer Minuten tiefen in-die-Augen-Blickens hat sie sich umgedreht und ist weg geraschelt. Leider muss ich zugeben, dass ich ihr dann noch einen Stein hinterher geschmissen hab, aber nur um zu sehen, ob sie noch da ist, nicht um zu treffen. Spaeter wurde ich Opfer eines erneuten Annaeherungsversuches einer mir bisher noch nicht weiter aufgefallenen Inderin. Die goldene Schweigeregel brach sie nicht, aber dafuer das Verbot, Blumen aus dem Garten abzureissen. Sie fing mit einem einfachen gruenen Heckenblatt an, aber bald riss sie saemtliche Blueten, die sie nur finden konnte ab, um daraus Miniblumengestecke fuer mich und auch das japanische Maedchen zu basteln. Wiederrede zwecklos. Am Anfang hab ich mich ja noch ueber die nette Absicht gefreut, aber ich wollte auch nicht das ganze Zimmer voller verwelkender, mich vorwurfsvoll ansehender Blueten haben, wenn ich sonst einen jeden Tag bluehenden Garten sehen kann. Also musste ich mich jetzt in den Pausen vor noch einer Person mehr verstecken. Der Trick hat schon wieder nichts genutzt, und bald hab ich jeden Tag eine neue Bluete oder ein Blatt auf meinem Meditationskissen gefunden. Das fand ich dann aber doch total lieb. Auch an einem guten Tag wie diesem gestaltete sich die Zeit bis zum Einschlafen wie fast immer waehrend des Kurses dramatisch. Trotz fruehem Aufstehen konnte ich total schlecht einschlafen. Jeden Abend gab es mindestens ein hochdramatisches Thema, ueber das ich nachdenken musste. Ich glaube heute habe ich mich aber hauptsaechlich mit imaginaerem Briefeschreiben (ebenfalls hochdramatisch) beschaeftigt.
 
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