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Tag 3 - bloss nicht kratzen Drucken
Geschrieben von Susan   
Dienstag, 31. Januar 2006

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Alles wie jeden Morgen - Glockengetoese vorm Fenster, schnell geduscht und in die Halle gehetzt. Heutige Aufgabe: auf "sensations" zwischen Mund und Nase zu achten.

Egal was, Hauptsache war, nicht zu reagieren. Nicht aergern ueber unangenehme Empfindungen, nicht freuen ueber angenehme Empfindungen und auf keinen Fall kratzen, wenn es etwa die ganze Zeit schrecklich juckt so wie bei mir.

Und hier liegt die Vipassanaweisheit. Ich starte einen Erklaerversuch.

Wie auch in der normalen Psychologie wird davon ausgegangen, dass sich Verhaltensmuster, Komplexe etc. durch im Unterbewusstsein festgesetzte Erfahrungen bilden. Und diese festgesetzten Dinger heissen Sankarras, ein wichtiges Wort der zehn Tage, von dem es wahrscheinlich keine genaue Uebersetzung gibt. Wenn ich mich also zum Beispiel aergere, dass meine Haut total juckt und ich mich nicht kratzen kann (und es natuerlich immer schlimmer wird, da ich mich ja darauf konzentriere), wird im Geist sofort ein neues Aerger-Sankarra gebildet und setzt sich heimlich ab. Also ein negatives Sankarra mehr. Jetzt kommt der Teil, der mir nicht so gut gefallen hat, und dem ich zum Teil einfach ignoriert hab. Wenn da naemlich eine wunderbare Empfindung entstehen sollte (welche auch immer das unter der Nase sein sollte), oder man froh ist, dass es endlich doch geklappt hat und man ueberhaupt was fuehlt an so einer speziellen und komischen Gesichtsstelle, darf man sich auch nicht freuen. Denn dann setzt sich ein Wunsch-/ Leidenschafts-Sankarra ab und man aergert sich, wenn das Gefuehl nicht mehr da ist. Wenn man aber schliesslich so fortgeschritten ist und nicht reagiert, sondern was auch immer nur beobachtet, dann "heben die alten Sankarras die Koepfe" in Erwartung eines Neuen. Und wenn der nicht kommt, dann kommen sie an die Oberflaeche und verschwinden.

So einfach ist das.

 
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