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Tag 1- ich bin so muede Drucken
Geschrieben von Susan   
Dienstag, 31. Januar 2006

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Nur um wenig spaeter von ohrenbetaeubendem Glockengelaeut direkt vor unserer Tuer geweckt zu werden. Es war kurz nach vier Uhr. Draussen war es dunkel, im Zimmer strahlte Neonlicht, denn meine Schnarchfreundin war bereits aktiv. Sie hatte ja auch gut geschlafen. Ich schleppte mich ins Bad und danach in die Meditationshalle, schon ein bisschen gespannt, was jetzt kommen wuerde. Mein Sitzkissen hatte ich ja schon am Abend zugewiesen bekommen. Aber nanu, die Maenner waren ja immer noch da? Hatten sie nicht was von strenger Geschlechtertrennung gesagt? Ich war doch schon gespannt gewesen auf den Moment, an dem ich nach zehn Tagen erstmals wieder so ein komisches Wesen mit Schnauzbart sehen wuerde. Wuerde ich mich erschrecken, es auslachen oder gar nicht weiter beachten? Das muss ich nun wohl ein anderes Mal herausfinden. Denn so laute und hemmungslose Geschoepfe kann man nicht einfach ignorieren, nur weil sie auf der anderen Seite des Raumes sitzen.

Denn hoechstens drei Minuten, nachdem wir die selben Anweisungen, den Atem zu beobachten, wie bereits gestern Abend per Kassette bekommen hatten, wurde die angewiesene edle Ruhe ("Noble silence") gebrochen. Von demselben Geraeusch, dass mich schon nachts um meinen Schlaf gebracht hat - froehlichem Schnarchen. Natuerlich. Schliesslich hab ich schon etliche Inder inmitten riesiger Menschenmengen, umgeben von hupenden Lastern mitten auf der Strasse schlafen sehen. In allen moeglichen Positionen. Kein Inder benoetigt zum Schlafen ein Bett und so eine ungewohnte Ruhe muss selbstverstaendlich genutzt werden. Ein derart respektloses Verhalten kann natuerlich nur von einem Mann kommen.

Und das liessen sich die Frauen nicht bieten. Als der erste Ruelpser erklang, dachte ich noch, oh das wird ihr aber peinlich sein. Einfach so in die edle Ruhe hineinzuruelpsen und 60 Leute aus ihrer ernsten Meditationsstimmung zu reissen. Weit gefehlt, denn es begann ein wahrer Wettkampf zwischen den Geschlechtern. Den eindeutig die Frauen gewannen. Nicht nur Ruelpser nahmen am Wettbewerb Teil, auch Husten, gewaltiges Niesen, die indische Spezialitaet des Schleim-im-Hals-Hochziehens und noch ein paar Raketen ganz anderen Kalibers wurden in die vermeintliche Stille abgeschossen.

Also wieder nichts mit Konzentration. Noch immer musste mein Atem ohne die ihm gebuehrende Beachtung ganz allein weitermachen, ich musste mich erstmal ueber die lauten und fuer meinen Geschmack doch irgendwie respektlosen Inder um mich rum aergern.

Nach zwei seeeeehhr langen Stunden endlich Pause - und Fruehstueck. Na toll, es gab schon wieder den gleichen ollen Gemuesegriess wie gestern. Eine Art Griess vermischt mit Blaettern und scharfen Sachen. Den mag ich ueberhaupt nicht. Mit der Aussicht, dass ich mich waehrend der naechsten zehn Tage womoeglich allein davon ernaehren sollte, zwang ich mich wie in der Schulkantine, brav aufzuessen. Und jetzt eine Stunde Pause, juhu. Also schnell ins Bett gelegt, ein bisschen Schlaf nachholen. Nicht mit einer Inderin im Zimmer. Die ist wie alle Anderen jeden Morgen hoechst aktiv geworden, hat Waesche gewaschen und das Zimmer gefegt. Zum Schlafen sind schliesslich die Meditationszeiten da.

Schon von der Erinnerung werde ich ganz muede. Der Tag ging dann eigentlich genauso weiter.

 
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