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Sadhubesuch |
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Geschrieben von Susan
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Samstag, 4. März 2006 |
 Das ist er nicht! Waehrend Alex und ich einen Nachfahren vom "Goethe Indiens" in seinem 250 Jahre alten Gartenhaus besucht haben, hat Anett einen Sadhubesuch klar gemacht. Denn die gibt's hier ja endlich mal wie Sand am Meer. Heilige,oder zumindest vermeintlich heilige alte Maenner mit grossen Baerten, verfilzten Haaren und orangen Gewaendern, die ich bisher immer nur ehrfuerchtig von weitem angeguckt hab (oder gefluechtet bin, wenn sie Geld wollten). Aber Anett hat einen lustigen englisch sprechenden getroffen und sich mit ihm zur Yogastunde verabredet. Da war ich auch neugierig und so haben wir uns gemeinsam in die dunkle Hoehle des heiligen Mannes begeben. In seiner Rumpelkammer sass schon ein Deutscher im indischen Priestergewand. Dessen Stunde war gerade beendet und so wurde gleich mal ein bisschen ueber ihn abgelaestert, um die Stimmung zu lockern. Der ist verrueckt und immer unpuenktlich, aber er selbst (unser Sadhu) sei ja schliesslich auch verrueckt, ist also nicht so schlimm. Standesgemaess mit langem Rauschebart und vielen Ketten, etwas weniger meinen Erwartungen entsprechend war er aber auch im Besitz einer sportlichen Uhr, eines Handys und eines Laptops. Da mussten wohl schon einige Yogastunden ins Land gegangen sein. Unsere begann mit einer kleinen Fragestunde auf dem Dach. Was ist denn Meditation? Was ist Yoga, glaubt ihr an Gott, wer bist du, wo gehst du hin? Gut, dass Anett da war, denn von sowas fuehl ich mich immer in die Enge getrieben. Immerhin konnte ich mit meinem Vipassanakurs punkten, aber so richtig schien er nicht zu wissen, worum es bei dem konkret geht. Der Ernst unserer kleinen philosophischen Einfuehrung wurde kurz von einer Einfuehrung der anderen Art gestoert, als hinter dem Ruecken des heiligen Mannes zwei Affen begannen, Sex zu haben.
 Asche-Sadhu am Ghat Als Naechstes gab es einen kleinen Song zum Nachsingen in Sanskrit. Nachdem wir so um viel Einsicht gebeten und Shiva als Oberguru anerkannt haben, ging es auch bald los mit ein paar Atemuebungen, ein paar Vibrations-ommms (nach denen ich tolle Seh-Erscheinungen hatte) und schliesslich ein bisschen Meditation. Schaendlicherweise ja meine erste seit ueber einem Monat, wo ich doch bei Vipassana jeden Tag zwei Stunden als Hausaufgabe aufbekommen hatte. Hat mir aber richtig gut gefallen, wie eine alte Freundin, die ich schon fast wieder vergessen hatte. Voller Freude hab ich mein einschlafendes Bein und einige Mueckenbisse ignoriert auch wenn die Aufgabe diesmal ein bisschen anders war. Eigentlich sollten wir uns auf das dritte Auge auf der Stirn oder den Bauchnabel konzentrieren. Dann zeigte er uns noch drei Yogapositionen. Da konnte ich ja mal so richtig auftrumpfen mit einem Talent, dass mir bisher ganz verborgen  Bei Herrn Chowdhari war. Ich bin ja total gelenkig! Vielleicht liegt das natuerlich auch an den zehn Jahren, die ich juenger bin als Anett aber zum wahrscheinlich ersten Mal in meinem Leben wurde ich fuer eine mehr oder weniger sportliche Leistung gelobt. So flexibel wie ich bin, oh da wuerde er mir ja gerne noch viele Yogastellungen zeigen. Ausserdem koennte er uns ALLE Fragen beantworten und uns zur Erleuchtung bringen. Ein bescheidener Mann. Mir liegt so ein Einzelguru ja nicht, aber Anett ist heut nochmal fuer ein bisschen Morgengymnastik hingegangen. War schon lustig und ich hab mir vorgenommen, in Deutschland mal einen Yogakurs zu machen. Vielleicht kann ich dann ja irgendwann einen Knoten aus mir machen und im Zirkus auftreten. Jetzt gehen wir gleich ins Kino und feiern in meinen Geburtstag rein. |
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