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Reisen, chaotisch Drucken
Geschrieben von Alex   
Dienstag, 7. März 2006
Abschied von den Varanasi-Frauen
Abschied von den Varanasi-Frauen
Ich sitze im Zug und schreibe in mein Buch. Jedenfalls so gut es geht. Denn obwohl es noch nicht spaet ist, sind hier schon nahezu alle Lichter aus. Genau weiss ich die Uhrzeit gar nicht, aber es kann nicht viel spaeter als 9 Uhr sein. Zumindest habe ich ein Bett. Aber dazu spaeter mehr.
Erstmal von vorne anfangen. Heute ist wieder Dienstag und die naechste Zugfahrt steht auf dem Programm. Fuer mich, Susan bleibt in Varanasi. Leider wurde vorerst nichts aus ihrem Prinzesinnenzimmer in einem Turm direkt am Ganges, auf den sie sich schon so gefreut hatte. Komische indische Geschaeftsgepflogenheiten waren der Grund dafuer und liessen uns mal wieder unsere Sammlung feinster englischer Schimpfwoerter zur Anwendung bringen.
Abschied von Anett und um halb fuenf machten wir uns auf. Raus aus Godaulia, der Altstadt Varanasis. Mein Zug fuhr nicht direkt von hier, sondern vom 17 km entfernten Mughalsarai, dort halten mehr Zuege. Mit der Fahrradrikscha steckten wir sofort im Stau, eine gute Entscheidung, so frueh loszufahren. Am Varanasi Cantonment Bahnhof stiegen wir beide in einen Jeep um, denn Susan wollte mich noch bis zum Zug bringen. Die Bahnhofsuhr zeigte 17:15, als der Jeep genug Leute eingesammelt hatte und losfuhr. 13 Leute sassen im Auto, 4 in der ersten Reihe (inklusive dem Fahrer, der halb auf dem Schoss seines Nachbarn sass). Die zweite Reihe teilten wir uns mit einer Frau und meinen beiden Rucksaecken, fuer die wir ein Extraticket kaufen mussten. Dazu kamen dann noch die 6 Leute, die dahinter auf den beiden Laengsbaenken sassen. So liesse sich in Deutschland bestimmt auch mancher Stau verhindern:-)
Aber ansonsten war die Fahrt ganz bequem und es gab viel indisches Leben zu sehen. Wir ueberquerten auch wieder die Bruecke ueber den Ganges wie schon eine knappe Woche zuvor, da allerdings noch eine Etage tiefer auf den Eisenbahngleisen. In Mughalsarai muss irgendetwas los gewesen sein, jedenfalls bog der Jeep von der Hauptstrasse ab und manoevrierte sich durch enge zugestaute Gassen. Als ich nebenbei auf die Uhr meines Vordermannes sah, wurde ich ein bisschen nervoes. 18:15 stand darauf, um halb sollte der Zug abfahren und vom Bahnhof war weit und breit nichts zu sehen. Verspaetung ist zwar meist normal, aber man kann sich ja nicht darauf verlassen.
Wir stuermten in die Eingangshalle. Die ueblichen Menschenmassen. Aber leider keine Anzeigetafel, die eine verwertbare (lesbare) Information zu dem Geschehen auf den Bahnsteigen anbot. Also probierten wir die Gleise durch, erstmal die, auf denen ein Zug stand. Meiner war anscheinend noch nicht da. Auf Gleis 1/2 fragten wir ein auslaendisches Paerchen, ob sie auch auf unseren Zug warten und wir hier richtig sind. Irgendwie kann ich deutschen Akzent inzwischen ziemlich sicher raushoeren und so konnten wir uns mit den beiden aus Berlin auf deutsch unterhalten. Zur Sicherheit fragten wir noch am dicht umlagerten "May I help you"-Schalter und wussten nun, dass der Zug in ca. 10 Minuten kommen sollte.
Er kam dann auch. Die Reservierungszettel an den Tueren waren alle abgerissen und wir hatten Schwierigkeiten, ueberhaupt meinen S3-Sleeper Coach zu finden. Der Zug war wahnsinnig voll, die Leute standen in den Gaengen, auch in der Sleeper Class. Das hatten wir bisher so noch nicht erlebt und langsam machte ich mir Sorgen um mein Bett. Ich draengelte mich durch bis zu meinem Platz. Auf den 6 Sitzen sassen schon 7 Leute aber ich setzte mich auf meinen Fensterplatz. Zugehoerig war das untere Bett, auf dem wir ja gerade sassen. Unter der Bank stand Gepaeck ohne Ende und auch auf den oberen Liegen war alles voll. Hm, hier waren wesentlich mehr Leute als Betten und ich hatte keine Lust, meines zu teilen. Ploetzlich kam das deutsche Paerchen mit einem Bahnangestellten in Uniform und mit Funkgeraet in der Hand. Sie hatten die beiden oberen Liegen und mit seiner Hilfe bekamen sie diese auch freigeraeumt. Das Gepaeck tuermte sich nun zu unseren Fuessen.
Spaeter bekam ich auch eine Liege fuer mich allein, da ein Inder mir sein mittleres Bett gab. Sie wuerden sich mein unteres teilen. Ich teilte mir meine Liege dafuer mit meinen beiden Rucksaecken, da ich keinen anderen vernuenftigen und halbwegs sicheren Platz dafuer fand.
Und wenn ich mich hier jetzt so umgucke, sieht es ganz schoen voll aus. Auf den beiden oberen Betten die deutschen mit ihren Rucksaecken. Die mittlere Liege neben mir Mutter und Schwiegertochter der Familie. Darunter die Oma und der Sohn. Unter mir der Vater und noch ein anderer. Dazwischen Berge von Gepaeck. Die beiden Liegen laengs am Gang sind mit Gepaeck verstopft, oben hat sich noch einer dazwischengequetscht und wird wohl die ganze Nacht so verbringen, unten sitzen drei Leute. Dazu stehen noch einige im Gang. Ziemlich voll. Kein Licht mehr. Hoffentlich schlafe ich bald ein.
 
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