 Abendcycle Heute sind wir mal wieder von intensiven Wuergegeraeuschen vor unserem Fenster geweckt worden. Auch wenn es Geraeusche wie von einem Science Fiction-Filmmonster waren wissen wir ja inzwischen, dass kein Grund zur Sorge besteht. Vielleicht sind beim Fruehstueck ein paar Reisklumpen im Hals stecken geblieben, die muessen jetzt beseitigt werden.Damit hat auch schon unser dritter Puritag begonnen, Zeit fuer einen Bericht. Hier gibt es eine Touristenstrasse mit leckeren Restaurants, einen Strand und viele Cycle-/ Fahrradrickschas. Die Fahrer sind oft genauso aufdinglich wie ihre motorisierten Kollegen: einer ist den ganzen Weg vom Busbahnhof bis zum Hotel neben uns her gefahren. Aber selbst fuer fuenf Rupien (zehn Cent) haben wir staehlernen Wanderer uns nicht erweichen lassen. Es ging ihm wohl auch eher um eine Provision vom Hotel.
Doch Einige tun mir auch Leid. Cycle-Rickschafahrer sind oft alte Maennchen, mager und faltig, die sich mit ihrer ganzen Kraft barfuss in die Pedale stemmen muessen, um drei dicke Frauen schnell genug ueber die Kreuzung zu bekommen. Ihre Rickschas sehen aus wie zerfallende Minikutschen.  Schlaf-Fahrer Am Strand waren wir gleich am ersten Tag und konnten wieder ein paar froehlichen Planscheindern zusehen. Alles wie immer: vollstaendig angezogene Frauen klammern sich im huefthohen Wasser an ihre maennlichen Beschuetzer in braunen Haengeschluepfern und kreischende Maennergruppen fotografieren sich gegenseitig dabei, wie sie im flachen Wasser so tun, als waeren sie ganz tief drin. Manchmal finde ich die Inder einfach nur suess. Sie malen den Lastwagen Augen an, ziehen ihren Goetterfiguren Sachen an und lassen sich in fahrbaren Friseurbuden den Schnauzbart kaemmen.Die Vipassanainderin aus Oesterreich hat zu mir gesagt, Inder sind wie Kinder, unschuldig und neugierig. Hier scheint es mal wieder zu stimmen. Alerdings lag an diesem Strand auch keine Touristin halbnackt im Bikini, sonst haette es mit der Unschuld vielleicht schon wieder anders ausgesehen. Eher wie sonntags am Aurobeach, wo Familienvaeter hinter weissen Frauen auf und ab spazieren und Juenglingsgruppegn sich zum besseren Beobachten frontal vor Maedchengruppen aufstellen. Natuerlich kann man das auch auf Neugierde sehen, und man ist ja auch selbst Schuld, sich mit weniger als einem Badesari zu zeigen.  Rollfriseur Eine andere Gelegenheit, bei der viele Haendler ihre Unschuld ablegen, ist, wenn es um Geld geht. Es ist ja wirklich oft immer noch billig, das Doppelte von dem zu bezahlen, was ein Inder zahlen muesste, aber man fuehlt sich doch doof und manchmal auch schuldig. Bettler lassen alles stehen und liegen, um auf uns zuzurasen, sobald sie uns erspaehen und manche Leute scheinen erst bei unserem Anblick zu Bettlern zu werden. Komisch, mit "money" angesprochen zu werden. Vielleicht wird mir mein Ansehen als Millionaer ja beim naechsten Arbeitsamtbesuch schon fehlen. Jedenfalls ist der Strand kein richtig toller Badestrand. An sich ist er schon ganz ok, aber es gibt zu viele Fischerboote. Und wo die sind, gibt es auch Fisch und die stehen bei uns in dem Ruf, ein wenige appetitliches Morgenritual am Strand zu vollziehen. Man kann es schoen umschreiben, in dem man sagt, sie schenken dem Meer ein paar neue Schwimmobjekte als Ausgleich fuer die gefangenen Fische. Bis es sich aber dazu bequemt, die Opfergaben von einer Welle einholen zu lassen, muss man immer aufpassen, nicht auf ein menschliches Miniboot zu treten. Ansonsten stehen noch zwei Tempelbesichtigungen an und es gibt noch zu beichten, dass unser Zimmervermieter auf dem Dach Tauben zuechtet und auf den Rat seiner Eltern ins Fitnesscenter geht. Ja, und ausserdem gibt es einen neuen Lieblings-Gott der Region: Jagannath. Er sieht ein bisschen aus wie von Southpark entsprungen- mit Riesenaugen, schoen bunt und hat gruseligerweise nur Armstuempfe, keine Haende. Warum das so ist, haben wir in einer kleinen Einfuehrung beim Geldwechsler erfahren.  Jagannath & Freunde Der Grund ist eine Vipassanaweisheit! Die fehlenden Haende bedeuten, dass der Gott selbst seinen Anhaengern nichts geben kann. Sie sind fuer ihr Schicksal allein verantwortlich, wer einen Mangobaum saeht, kann spaeter auch Mangos ernten, aber nichts anderes. dessen Baum wird ihm spaeter auch Mangos geben. Wer also Gutes saeht, zu dem kommt auch Gutes zurueck. Oder halt das Gegenteil.Zu Jagannath (hat ein schwarzes Gesicht) gehoert noch sein Bruder (weisses Gesicht), und beide passen gemeinsam auf ihre Schwester auf. |