 Kathakali Gestern Morgen um zehn klopfte es an die Tuer. Der Hoteljunge stand vor der Tuer und sabbelte was mit "cleaning". Das verwunderte mich, Room-Service habe ich hier noch keinen erlebt. Und manchmal denke ich, dass es auch nach der Abreise keinen gibt, so wie manche Zimmer und Betten aussehen. Auf meinen fragenden Blick hin aenderte er das Verb und verlegte sich auf "washing". Ah, es daemmerte. Wir haben jetzt 12 Wochen lang nur in Eimern Waesche gewaschen, langsam war es mal an der Zeit, etwas in die Waescherei zu bringen. Allerdings hatte ich natuerlich die dreckigsten Stuecke abends schon im Eimer eingeweicht. Nass wollte ich sie ihm auch nicht in die Hand druecken. So kamen dann nur eine Hose, ein Hemd und ein T-Shirt zusammen. Um 5 sollte es fertig sein. Da war ich aber nicht im Hotel, so bekam ich die Sachen abends um 10. Naja, die Hose ist ganz gut sauber geworden. Aber der Kaffeefleck auf meinem schoenen Porous-Shirt war immer noch nicht ganz raus.
Das Highlight gestern war bestimmt die Kathakali-Auffuehrung. Das ist rituelles Theater, das nur in Kerala aufgefuehrt wird. Auf dem Umschlag unseres Reisefuehrers ist ein Darsteller abgebildet, schoen bunt und deshalb wollte ich das sehen. Ich will ja immer Farben.  Schminken Also abends rueber nach Fort Cochin, Ticket gekauft und los ging es. Immerhin 120 Karten waren verkauft. Leider zwaengte sich kurz vor Beginn noch eine dicke russische Baeuerin in den Plastikstuhl vor mir, so dass ich mir halb den Hals verrenken musste, um etwas zu sehen. Erstmal gab es eine Einfuehrung in die Farben, die zum Schminken genutzt werden (Farbpulver mit Kokosnussoel). Es gibt wohl 4 Farben, Gruen fuer die Guten, Schwarz fuer Daemonen, Rot und Gelb. Bei Rot und Gelb weiss ich es nicht genau, ich glaube eine steht fuer weibliche Charaktere, denn es spielen nur Maenner. Neben den Schauspielern stehen noch Trommler und andere Musiker auf der Buehne, Musik und Gesang sind ganz wichtig. Sonst waere es vielleicht auch ein bisschen langweilig, denn gesprochen wird nicht. Es handelt sich mehr um so eine Art Pantomime, unterstuetzt durch 25 verschiedene Finger- und Handzeichen, deren Namen zwar im Schnelldurchlauf angesagt und vorgefuehrt wurden, deren Bedeutung mir aber verschlossen blieb. Wichtig ist auch Augenklappern, Brauenhochziehen und Verrenken des Gesichtes. Das koennen die Darsteller (keine Laien, die werden richtig ausgebildet) auch ganz gut und schnell aufeinander folgend, die Gesichter sehen dann wirklich ganz anders aus. Bedeutung aber siehe Finger- und Handzeichen. Kathakali Das Stueck (ich sah nur einen Auszug) wurde im 17. Jahrhundert von einem Herrscher geschrieben. Die Schwester eines boesen Daemons (Schwarz) will den Sohn Indras (Gruen) verfuehren. Dazu erscheint sie ihm in der Form einer schoenen jungen Frau (keine Lust zum Schminken?). Er laesst sich jedoch nicht beirren und meint, ohne Zustimmung seines Vaters ginge gar nichts. Daraufhin wird sie wuetend, verwandelt sich zurueck und es kommt zum Kampf, wobei die Daemonenschwester verletzt wird. So ungefaehr.Na jedenfalls war es bunt und die Musik war ganz gut und der Gesang auch aber ein bisschen langatmig war es dann doch, weil eben die geheimen Zeichen mir nicht so viel sagten. Und die Fotos sind auch nicht so toll geworden, weil ich zu weit hinten sass und die grosse Kamera nicht mit hatte. Ein paar kurze Videoclips habe ich, die sind zum Teil ganz gut. Heute ist nicht so viel passiert. Ich habe mich ein bisschen um meine Bergtour gekuemmert, bin durch die Stadt gestrichen und so weiter. Ach ja, den Russen habe ich wiedergetroffen. Den, dem wir vor einem knappen Monat schon in Hampi begegnet sind. Mit der "Kriminaaaal Gaeenngggg!" Schon das zweite Mal, dass ich jemanden ein paar Wochen und ein paar Hundert Kilometer weiter wiedertreffe. |