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Heute eine Klasse hoeher Drucken
Geschrieben von Alex   
Mittwoch, 4. Januar 2006

an der Faehre
an der Faehre
Heute war es soweit. Wir wollten den Israelis nicht mehr nachstehen, die hier staendig mit ihren Scootern und Bikes durch den Ort knattern. Also haben wir uns auf die Suche nach einem Motorrad gemacht. Es sollte ein richtiges Motorrad sein, das kleine Ding neulich war natuerlich nur fuer die Anfangssucht ausreichend und eine nicht automatische Schaltung macht eh viel mehr Spass.

Wir fanden eines, 150 Rupies sollte es kosten. Sagte uns jedenfalls der erste Bikewallah. Nachdem dieser auf einmal in seinem Haeuschen verschwand, erschien ein zweiter und sagte etwas von 200 Rs, aber naja. Soviel zahlt man auch fast fuer eine Runde Karussell auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Und hier sollte die Fahrt erheblich laenger dauern.

Honda Hero
Honda Hero
Also bin ich hinten aufgestiegen, denn irgendwie meinte er, wir muessten erst runter an den Strand. Also ins Zentrum und die Strasse zum Strand runter. Da gab es dann eine kleine Bude, deren Shopwallah meinen Reisepass einkassierte und mir die Papiere gab. Und dann hatte ich unsere heutige Honda Hero. Kerniger Klang, das war schon was. Doch besser als die Naehmaschine neulich, die am Berg schon ihre Problemchen hatte. Schnell noch zum Kiosk und ein paar Flaschen Sprit gekauft, Susan aufgegabelt und schon ging es los. Leider verhageln einem die Schlagloecher ein bisschen die Freude, aber ansonsten fuhren wir ueber wunderschoen geschwungene Strassen durch die Berge entlang der Kueste. Und natuerlich haben wir vor jeder Kurve gehupt - muss ja sein. Die Route fuehrte nach Norden, wir wollten das Fort Tiracol besuchen, das wir schon vom Strand aus gesehen haben. Wir kamen zum Fluss, den wir mit der Faehre queren mussten. Und auf einmal befanden wir uns dann nicht mehr in Goa, sondern schon in Maharaschtra. Das Fort war allerdings etwas enttaeuschend. Der huebsche weisse Turm, der aus den Waeldern herausragt, gehoerte gar nicht dazu sondern zu einer ansonsten haesslichen Industrianlage. Wahrscheinlich ein Brechwerk fuer Steine oder so, genau konnten wir das nicht erforschen, da das Gelaende vom Werkschutz bewacht wurde. Das richtige Fort stellte sich dann als kleine sehr teure Hotelanlage heraus, die gar nicht besichtigt werden konnte.

Kaeptn Susan
Kaeptn Susan
Dafuer konnte Susan sich auf der Ruecktour als Kapitaen der Faehre betaetigen. Der bisherige Kapitaen rief uns naemlich zu sich hoch, erklaerte alles ausfuehrlich und nach einer Fotosession (Inder werden so gern fotografiert, manchmal schummeln sie sich sogar heimlich mit ins Bild) wurde Susan dann ans Steuerrad gestellt. Mit seiner Hilfe klappte dann auch das Anlegemanoever ganz ausgezeichnet.

Weiter ging es nach Morjim. In Hampi hatte uns ein Russe schon von Morjim erzaehlt - einer Hochburg russischer Touristen, in der sich gerade 30 Leute einer "Kriminaaaal Gaeenngggg!" mit grossen Tattoos eingenistet haetten. Wir sollten dieses Dorf meiden, meinte er. Also dort hin. Inzwischen war es Abend geworden. Allerhand Russen haben wir wirklich gesehen, von der Gang keine Spur. Dafuer fragten wir zwei am Strand sitzende Russinnen (stilecht mit Minirock und kniehohen Stiefeln), ob das hier schon der Ortskern waere und wo wir denn etwas essen koennten. Sie empfahlen uns ein Restaurant mit - natuerlich - russischen Eigentuemern und vollgepackt mit russischen Gaesten. Ohje, Russland pur. Die aushaengenden Flyer mit Massageangeboten usw.: Russisch. Der laufende Film auf der Leinwand: Russisch. Die Speisekarte: Richtig, Russisch, aber mit englischen Untertiteln. Russisches Essen gab es nicht, eher so die ueblichen Gerichte der Region. Nur alle viermal teurer als im Durchschnitt. Darauf hatten wir keine Lust, ausserdem haette es auch knapp werden koennen, da wir aus Sorge vor Kontrollen korrupter Polizisten nur wenig Geld mithatten. (Hier werden die Strafen fuer willkuerlich beschlossene angeblich begangene Verkehrsstraftaten nach der Nationalitaet, der Geldmenge im Portemonnaie und dem Verhandlungsgeschick festgelegt.) Also erklaerten wir dem Kellner, das vegetarische Angebot auf seiner Karte waere leider nicht umfassend genug (was auch durchaus so war) und verliessen das russische Hoheitsgebiet inklusive Stadt- und Metroplan von Moskau an der Wand umgehend.

Wir assen dann doch lieber in Arambol und guckten noch schnell ins Internet. Eine Menge Zugriffe auf die Seite, haben wir uns drueber gefreut (nachdem sie ja ein paar Tage offline war). Das Motorrad haben wir noch bis morgen Mittag, da werden wir noch eine schoene Runde drehen. Und die naechste Stufe kann dann eigentlich nur noch die grosse bullige Royal Enfield 500 sein. Mal sehen :-)

 
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