 Die Stadt der gelben Kuehe So, Susan ist nun schon in Chennai, ich werde ich mal den letzten Eintrag fortsetzen.Jedenfalls wurden wir beim Schwarzfahren erwischt. Wir hatten das Ticket nach Mysore Sonnabend Abend um 5 Minuten vor 8 (Schliesszeit) am Schalter in Bangalore gekauft. Eigentlich wollten wir nur wissen, ob es noch freie Plaetze gaebe, wir rechneten gar nicht damit, dass er uns auch noch ein Ticket verkaufen wuerde. Machte er aber doch, und da es schon so spaet war, fuellte er die Formulare selber aus. Wir sollten nur noch unsere Namen eintragen, angefeuert von seinen "do it fast"-Rufen. Das war wohl ein Fehler, denn wir sagten ihm, wir wollten Montag fahren. Montag war der 16., er trug aber den 17. ein. Auf den Tickets steht, man soll die Angaben kontrollieren, das war uns aber nicht aufgefallen.
Also sassen wir im richtigen Zug, allerdings einen Tag zu frueh. Und das fiel dann dem TT (Schaffner) auf. Wir sollten ein neues Ticket (60 Rs/Person) und eine Strafe (250 Rs/Person) zahlen. Insgesamt haben wir also 370 Rs fuer die 2,5 stuendige Fahrt bezahlt - mehr, als die Tickets nach Chennai oder Kochi kosteten. Dabei hatten wir uns schon so gefreut, so billig nach Mysore zu kommen, denn der wesentlich unbequemere und langsamere Bus haette 130 Rs gekostet. Wir diskutierten noch eine ganze Weile mit ihm, da wir die Schuld nicht auf unserer Seite sahen. [Die Strafe hat mich auch ein bisschen geaergert, 5 Euro sind nun nicht die Welt fuer eine Zugstrafe, aber hier bedeutet das schon einen halben Tagessatz fuer uns. Man denkt in Rupien:-)] Allerdings liess er sich nicht beirren. Naja, in Deutschland haette wohl auch keiner Mitleid, wenn ein Oelscheich in der U-Bahn 40 Euro Strafe zahlen muesste. Und so kommen wir ja vielen Leuten hier vor, wir "reichen" foreigners. Jetzt hatten wir reichlich schlechte Laune. Die eigentlich freundliche Frau neben uns musste dann auch noch in der Wunde stochern und fragte uns, warum wir nicht auf das Datum achten wuerden, so muessten wir nun noch einmal die fuenffache Summe zahlen. (Ich kann selber rechnen!) So ging es eine ganze Zeit, bis sie dann meinte, das passiere auch Indern ab und zu mal. Naja, Inder haben oft eine recht hohe Meinung von sich. Ich haette ihr gerne erzaehlt, dass ich eigentlich annahm, ein indischer Angestellter der Bahn waere so kompetent, ein Ticket auch fuer Montag auszustellen und nicht fuer Dienstag. Aber ich hatte keine Lust, noch weiter ueber diese Sache zu reden. Irgendwann merkte sie dann, dass wir nicht mehr auf sie eingingen, bot uns noch einen Tee an (da unser Geld alle war) und liess uns in Ruhe. Das war schon der zweite Zusammenstoss mit dem Gesetz innerhalb weniger Tage. Zwei Tage zuvor haemmerte es in unserem Zimmer in Bangalore an die Tuer. Nachts um halb zwoelf, zeitgleich zwaengte jemand seinen halben Kopf durch unser geoeffnetes Lueftungsfenster und bruellte, wir sollen die Tuer oeffnen. Ich empfand das ja als einen Angriff auf die Privatsphaere, oeffnete aber. Vor mir stand ein Polizist, neben ihm der kleine Hoteljunge und zwei Meter weiter noch ein Bulle mit dem obligatorischen Bambusknueppel. Er bruellte mich an, aus welchem Grund wir hier waeren. Nachdem ich ihm zweimal erklaert hatte, dass wir Touristen waeren, ging er dann erklaerungslos weiter und haemmerte an die naechste Tuer. Hm? Was war das jetzt gewesen? Wir waren in einem Hotel auf einem Hinterhof am KR Market, nicht unbedingt eine Touristengegend. Den Abend zuvor hatte uns schon jemand auf der Strasse angesprochen, dies waere ein "wrong place" fuer uns. Aber wir haben hier unser Hotel. "Wrong place." Mehr sagte er dazu nicht, daher nuetzte uns seine Bemerkung nicht viel. Vielleicht hatte er ja recht, aber verhaftet wurden wir jedenfalls nicht. So, jetzt aber zurueck nach Mysore. Eine schoene Stadt. Vielleicht werden die Staedte doch wieder sauberer. Oder wir blenden den Dreck inzwischen aus. Ein paar breite Strassen zerteilen den Ort, verbunden durch kleinere Gassen und mittendrin liegt der riesige Palast des Maharaja. Mysore ist ein Zentrum der Seidenproduktion, daher reiht sich auf der Shoppingmeile ein Sari-Geschaeft an das naechste. (Susan hat auch einen gekauft.) Wir ignorierten die Rikschafahrer (Vorsicht! Wir haben schlechte Laune!) und marschierten in die Stadt. Fanden ein Zimmer in der Chandan Lodge, die von einem kleinen Maennchen betrieben wurde. Wir konnten ihn von 250 Rs auf 175 Rs runterterhandeln, waren aber sonst freundlich zu ihm und nannten ihn sogar Uncle. Das ist wohl eine hoefliche Anrede fuer aeltere Maenner. Abends ging es erstmal in die Stadt. Wir fanden eine Bar (bedeutet meistens Restaurant mit Alkoholausschank) und bekaempften unseren Frust mit einem Festessen. War wirklich gut und es gab sogar sehr viele Biermarken auf der Karte (allerdings muessen Eintraege auf der Karte nicht immer vorhanden sein). Wir blieben bei Kingfisher. Die Bar hatte sogar ein bisschen Flair. Der Raum sah zwar irgendwie aus wie ein umgebauter Stall, aber es gab Stofftischdecken, angenehme halbdunkle Beleuchtung (nicht die sonst ueblichen Neonroehren) und die Kellner hatten sich in einen Anzug bemueht. Frust ueberwunden. Susan hat mir noch aufgeschrieben, ich solle etwas ueber den Kotzehutzel schreiben. Wir sind ja schon daran gewoehnt, dass Sachen wie Zaehneputzen, Ausspucken, Naseputzen und aehnliche Dinge in Indien etwas lauter ablaufen. Aber der Kotzehutzel hat wirklich alles bisherige uebertroffen. Nachts um zwei wurde es auf einmal laut im Hinterhof. Erst hoerte es sich nach Zaehneputzen an, doch dann steigerte es sich in der Intensitaet und nahm ungeahnte Ausmasse an. Es ging auch gute zehn Minuten lang so, ich fragte mich schon, ob eigentlich noch innere Organe in diesem Menschen sein koennen. Na was immer er auch gemacht hat, es kehrte dann auch wieder Ruhe ein und er schien es ueberlebt zu haben. Zeitgleich versuchte unser Nachbar? noch, in unser Zimmer einzudringen. Weiss nicht, was er suchte, Susan vertrieb ihn mit Gebruell von der zum Glueck verschlossenen Tuer und als ich auf den Flur ging, um zu gucken, wer es war und was er wollte, war er schon am anderen Ende des Ganges und sagte auch nichts weiter. Der Palast war wirklich schoen. Man durfte keine Kameras mit hineinnehmen - daher keine Fotos. Auf www.mysorepalace.org gibt es welche zu sehen. Schuhe mussten natuerlich ausgezogen werden (wohl als Gegenpart zu den bei uns manchmal vorhandenen Filz-Ueberpantoffeln). Wir fielen am Eingang natuerlich wieder auf. Wir wollten uns den Weg zur Schuhgarderobe sparen und steckten unsere in die Rucksaecke. Dann kamen wir zum Eingang. Metalldetektorbogen und Taschenkontrolle. Der Polizist oeffnete Susans Tasche, machte ein erstauntes Gesicht und zeigte sie dann seinem Kollegen mit einer spoettischen Geste. "One Rupie only." , er wies uns den Weg zur Schuhgarderobe. Peinlich. Susan wollte dann am liebsten in den Palast einziehen, nur konnten wir den Maharadscha nicht finden, um ihn zu fragen. Besonders schoen fand ich die grosse Halle, die zu einer Seite hin offen war und den Blick ueber den Palastgarten freigab. |