 Terror in the Heartland Der Tag nach meinem Geburtstag hat bloed begonnen und noch schlimmer geendet. Zumindest fuer Einige, fuer uns ja nicht zum Glueck. Angesichts eines Bombenanschlags erscheinen so ein paar betruegerische Geschaeftsleute ja nebensaechlich (Rekord von vieren heute). Das war mir an dem Tag auch alles ein bisschen unheimlich, denn eigentlich hatten Alex und ich grosses Glueck. Es gab zwei Bombenanschlaege kurz nacheinander. Einen im "Monkey Temple" und einen am Hauptbahnhof. Wir hatten uns eigentlich noch ein bisschen geaergert, dass Alex vom Bahnhof ausserhalb der Stadt abfahren muss, weil die anderen Zuege schon ausgebucht waren. War doch ganz gut so, denn der Anschlag fiel genau in seine Abfahrtszeit. Am Bahnhof gab es wohl zwei Bomben, eine im Zug nach Delhi und eine bei den Bahnofsbueros. Als ich spaeter nach Kalkutta abgefahren bin, war der schoene Touristenoffice in Form eines nachgebauten Tempels aus Sperrholz ganz verlassen und demoliert.
Uns ist ja jedenfalls nichts passiert, wir sind eine Stunde vor allem am chaotischen Cantonment Bahnhof ins Sammeltaxi gefahren, von einem Bahnsteig zum Naechsten gehetzt und haben letztendlich den richtigen Zug gefunden. Die Verabschiedung fiel ein bisschen hektisch aus und ich bin dann auch bald lieber vor der Uebermenge an Maennlichkeit auf dem Bahnsteig ins naechste Sammeltaxi gefluechtet. Das war ja schonmal was, nur ist es ewig nicht los gefahren. Lohnt sich ja schliesslich nicht, so lang nicht auch der letzte Platz belegt ist. Eine Dreiviertelstunde spaeter hat dann der Fahrer meinen Mitfahrern was von Railwaystation auf Hindi erzaehlt, mit mir wusste er wohl nichts so richtig anzufangen, oder vielleicht konnte er auch einfach kein Englisch. Mein Sitznachbar hat mir dann jedenfalls spaeter das erstemal von dem Bombenanschlag am Bahnhof erzaehlt. Mehr wusste Keiner aber die Fahrt zurueck hat mal wieder ewig gedauert. Weil wir jetzt nicht mehr bis zum Hauptbahnhof fahren konnten, mussten alle an Varanasis Drittbahnhof aussteigen. Da musste ich dann schnell fliehen, weil der bloede Fahrer von mir ploetzlich den zehnfachen Preis von allen Anderen wollte. Das gesparte Geld bin ich dann bei meinem anschliessenden Rickschamann losgeworden, der mir die ganze Fahrt uber beteuerte, was fuer ein "Poor Man" er sei und dann auch leider gar kein Wechselgeld hatte. Waehrend der Fahrt gab es auch eine kurze und etwas deplatzierte Phase, in der ich mich fuehlte wie Lady Di, die gerade irgendwo mit ihrer Kutsche einfaehrt (sowas hat sie wahrscheinlich nie gemacht) - ich schaukelnd ueber der jubelnden Menge (das uebliche Hello-Gerufe). Es gab auch eine Kusshand, die mir zugeworfen wurde und ein I love you von einer groehlenden Angebergruppe Jungs. Indien ist ein idealer Ort fuer Leute, die sich auf Deutschlands unpersoenlichen Strassen nicht genug beachtet fuehlen. Naja, aber wie gesagt passte das eigentlich nicht ganz. Ausser "poor man" konnte mein Fahrer kaum Englisch und so hab ich das naechste Mal von einer Bombe gehoert, als wir ploetzlich vor einer ueberfuellten Strasse schon ganz nah am Ziel wendeten und wieder in die entgegengesetzte Richtung zurueck fuhren. Er meinte dazu immer Bomb blast und deswegen dachte ich schon, dass es da vielleicht auch eine Explosion gegeben hatte und man nicht durchkam. Zum Glueck hab ich nach einer Weile aber doch noch mal nachgefragt, ob wir immer noch zum Main Ghat fahren, beziehungsweise meinen poor Man zum Anhalten bewegt und einen Uebersetzer bemueht. Der ist dann mit seinem Motorrad vorgefahren und hat den Weg gewiesen. Die Shopbesitzer, die noch nicht geschlossen hatten, hatten auf einmal kleine Schwarzweiss-Fernseher hervorgezaubert. Ich wollte eigentlich noch schnell ins Internetcafe, um eventuell besorgte Eltern vorzuwarnen, aber da war die Leitung gerade tot und so selbst der indische Wichtigtuer-Journalist, der reingestuermt kam und alle von ihren Computern verscheuchte seine exklusiven Fotos vom Ort des Geschehens nicht abschicken konnte (hihi). Der naechste Tag war ganz komisch, auf der Strasse war es ruhiger und der Himmel war ganz grau. Am Nachmittag hat es sogar angefangen zu regnen, mein zweiter indischer Regen. Hab mich natuerlich auch gleich erkaeltet. Die Bootsfahrer konnten nun einen neuen Spruch anwenden "In der Stadt ist es gefaehrlich, nur das Wasser ist sicher, mach lieber eine Bootstour". Noch einen Tag spaeter war schon wieder alles wie vorher (bis auf das anhaltende bloede Wetter). |