 Der Anamundi Das mit dem fruehen Aufstehen hat nicht so ganz geklappt. Ich war zwar schon ab kurz nach 6 ab und zu mal wach, aber das lag wohl mehr an der Kaelte. Um 8 klingelte der Wecker, aber ich wollte gar nicht raus aus dem Schlafsack und unter der Wolldecke. Zehn wurde es dann, bis ich mich mal rausgetraut habe. Statt dem Eimer heissen Wassers bekam ich sogar den Luxus, die Dusche eines leerstehenden Zimmers zu nutzen. Denn die hatte im Gegensatz zu meiner einen Durchlauferhitzer.
 Gandhi in Munnar Die Stadt Munnar ist nicht so schoen wie die umliegende Landschaft. Ein paar Hotels, ein paar Shops, eine Kirche, eine Moschee, ein paar Tempel und dazu einige Wellblechbuden, die Chai, Kekse, Wasser und solchen Kram verkaufen. Eine aus der Art schlagende Statue von Mahatma Gandhi immerhin, aber die kann einen ja auch nicht halten.  Teeplantagen Ich musste irgendwie mobil werden, ich wollte ja was sehen. Rikschas bieten Halbtagesausfluege zu den umliegenden Aussichtspunkten fuer 400 Rupies an, aber das war mir zu langweilig. Der hiesige Uncle gab mir das Fahrrad seiner Tochter. Nach einem Ausflug in den Orstkern und einer Staerkung in einem kleinen Cafe merkte ich schon kurz nach verlassen des Ortes und den ersten Anstiegen, dass meine Ausruestung fuer die Bergetappe der "Tour de India" nicht ausreichend war. Das Damenrad war ein richtiges Eisenschwein, wog bestimmt 20 Kilo und hatte natuerlich keine Gangschaltung. So ging es nicht. Also zurueck. Teewald Ich besorgte mir ein Motorrad. Eine Yamaha diesmal, ziemlich neu und viel angenehmer zu fahren als die Hero Honda neulich. 150 Rs fuer einen halben Tag. Der Inhaber (im Guesthouse nebenan) wollte gar nichts von mir haben, keine Anzahlung, keinen Pass, keinen Fuehrerschein. Er fuhr nur 50 Meter mit mir in eine Seitenstrasse und dann sollte ich eine Proberunde drehen. Bestanden, obwohl er mir mit auf den Weg gab, ich solle doch den Linksverkehr beachten :-) Alte Gewohnheit. Und er hatte ja auch rechts an der Strasse angehalten. Alex im Tee Oh das war schoen. Ich fuhr raus aus dem Ort, wollte ein bisschen rumgucken, hoch zum Nationalpark und dann noch zu einem Wasserfall, den ich auf der Karte entdeckt hatte. Die ersten Kilometer kam ich kaum vorwaerts, da ich staendig anhalten musste, um Fotos zu machen. Sie kommen leider nicht an die Schoenheit der Originallandschaft ran, da war ich vorhin ein bisschen enttaeuscht. Hm. Die digitale Kamera drueckt zu viele Details weg, die in schwachen Farben erscheinen. Und die Steilheit der Berge bringt sie auch nicht rueber. Bin mal gespannt auf die analogen. Ganze Rikschaladung Auf einer Wiese beim Nationalpark setzte ich mich zu einem brasilianischen Paerchen, die mit einem Scooter unterwegs waren. Wir erzaehlten uns die Highlights der letzten Zeit und sie teilten noch eine Ananas mit mir. Die Leute hier sind alle so freundlich. Aus den ueberbesetzten Jeeps reckten sich immer ein paar Arme um mir zu winken, die LKW-Fahrer hupten und gruessten und Kinder winken einem ja sowieso immer mal zu. Auf einer Bergkuppe ging mir das Motorrad aus. Hm, nun musste ich wirklich auf Reserve umschalten. War der Tankwart etwa nicht so freundlich gewesen und hatte mich beschissen oder war die Kilometer-per-Liter-Angabe eher fuer das Flachland gedacht und nicht fuer die Berge? Ich wusste nicht, ob ich es bis zum Wasserfall und dann noch 26 Kilometer zurueck nach Munnar schaffen wuerde. Eine Rikscha mit 5! Leuten hielt an und ich musste wieder eine Runde mit ihnen fuers Foto posieren. Aber sie erzaehlten mir, dass die naechste Tankstelle in dieser Richtung zwar erst in 20 Kilometern kommen wuerde, dafuer gaebe es aber einen Shop mit Wasserflaschenbenzin im naechsten Dorf nach 8 Kilometern. Das Dorf im Tal Ich hatte Glueck. Ich war nicht nur auf einer einfachen Bergkuppe gelandet, sondern hatte sozusagen gerade den Pass ueberwunden. Es ging jetzt lange nur noch bergab. Das Dorf konnte ich unten im Tal liegen sehen, Luftlinie war es vielleicht einen Kilometer entfernt. Aber die Strasse wand sich wirklich aussen herum an den Bergen hinab. Also liess ich mich 8 Kilometer im Leerlauf mit ausgeschaltetem Motor den Berg runterrollen [Zuendung war natuerlich an, damit ich vor den Kurven hupen konnte :-)] Denn ich wollte nicht riskieren, dorthin zu fahren und doch kein Benzin zu bekommen. Ein paar Kurven weiter hatten sich 4 Polizisten postiert. Vielleicht war es auch so eine Art Waldpolizei, aber auf jeden Fall in Uniform. Ich winkte ihnen vorsichtshalber mal freundlich zu, als ich an ihnen vorbeirollte. Sie guckten ein bisschen komisch, was ich denn da mache, aber ich kam mir vor wie ein Oekotourist, so nahezu lautlos durch die Landschaft zu rollen. Die Sache klappte auch ganz gut, ich kam bis kurz vor die erste Bude, nur die letzten 200 Meter brauchte ich noch den Motor. LKW Sprit hatten sie dort keinen, versuchten aber, mir mit Haenden und Fuessen zu erklaeren, wohin ich solle. Da ich das nicht kapierte, liess ich einen aufsteigen und nahm ihn mit, er sollte mich fuehren. Im Endeffekt waren es aber nur 3 Kurven weiter, da war dann ein kleiner Shop. Noch drei Kilometer bis zum Wasserfall. Der lag dann eine kurze wilde Schotterpiste lang im Wald und eigentlich war ich ein bisschen enttaeuscht. Der gestern vom Bus aus war viel schoener. mehr Tee Ich kam gerade wieder zum Motorrad geklettert und liess noch einen Trecker vorbei, als wie aus dem Nichts heraus ein Inder in dicker Jacke und mit Tasche erschien. Er fragte, wo ich hinwolle und ob ich ihn vielleicht 10 Kilometer mitnehmen koenne. Ja, machte ich. Hier sind ja alle so freundlich gewesen und so kann ich auch mal was fuer mein Karma tun. Er wollte genau zur Bergkuppe und stieg dann noch in Richtung Gipfel auf, er wollte dort irgendwas mit Tee machen, so genau habe ich ihn nicht verstanden. Nur war er schwer wie ein Stein und die Maschine hatte nur 125 Kubik und so den schoenen langen Anstieg hoch doch maechtig zu kaempfen. noch mehr Tee Dann fuhr ich mit der untergehenden (oder zumindest hinter den Gipfeln verschwindenden) Sonne um die Wette, es wurde schon wieder merklich kuehler. Das sah auch toll aus, wie die hintereinanderliegenden Bergkuppen so in verschiedenen schwachen Grautoenen schimmerten. Ich hielt aber nicht mehr fuer Fotos an, da ich ein dickes Insekt ins Auge bekommen hatte und das nun ganz schoen weh tat. Der Wasserfall Um kurz vor sieben rollte ich auf den Hof und gab das Moped ab. Ich flitzte noch schnell zum Internet, um den Eintrag von gestern und ein paar Fotos hochzuladen. Lustige Internetbude. Erstmal ist es schoen schnell und dazu wird es von einem Ehepaar betrieben, die Lokal-TV senden. Sie haben nur zwei Rechner, der eine dient als Sende- und Schneidestation. Das Programm besteht weitgehend aus raubkopierten Musik- oder Bollywoodvideos und lustiger handgedrehter Werbung der ansaessigen Shops. Unten im Bild laeuft ein Laufband, da kam vorhin gerade Werbung fuer Susan Medicals, Mattupatty Road. Und, liebe Susan, eine kleine Ueberraschung habe ich uns auch gekauft. Wird aber noch nicht verraten! Susan, Einkaufen, Medicals - da war doch noch was. Nebenan war auch ein Medical Shop, da habe ich mir fuer 13 Rs Augentropfen gekauft. Denn ich hatte wirklich ganz rote Augen. Scheinen zu helfen, ist nun schon besser.Dann fiel mir auf, dass ich ja ueber den ganzen Tag total das Essen vergessen hatte. Dabei hatte mir Susan doch mit auf den Weg gegeben, diese Zeit ohne sie ordentlich zu essen. Nach dem ersten Mal in Bangalore wog ich nur noch 69 Kilo, 5 weniger als zu Beginn der Reise. Aber das kommt wohl davon, dass wir hier so viel unterwegs sind, eigentlich essen wir ja genug. Habe ich also erledigt. Und dem Kellner der winzig kleinen Bude noch 10 Eurocent geschenkt, die ich in einer Ecke des Rucksacks fand. Er wollte unbedingt eine deutsche Muenze haben. Eigentlich war es eine franzoesische Muenze, aber das war ihm egal, er zeigte sie trotzdem gleich stolz rum. Dafuer hat er mir noch mehr ueber Tee und die Tatas erzaehlt. Ich dachte immer, Bajaj waere auch eine Familie und auch sehr reich, denn jede Rikscha stammt von Bajaj und davon muss es in Indien wirklich viele geben. Aber Bajaj ist wohl nur die Zwei- (und Drei-) Radmarke und gehoert auch zu Tata. Soviel zum Wirtschaftsbericht fuer heute. Abends ist hier nicht viel los, es ist zu kuehl fuer langes Draussenbleiben und es schliesst ja eh alles frueh. Also nach Hause und dies hier schreiben. Morgen geht es zurueck an die Kueste. Ende. Mehr Bilder hier: Das Erscheinen des naechsten Artikels habe ich auf den 27.01., 0:00 Uhr gelegt. :-) |