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Aus der Hitze in die (Nacht-)Kaelte Drucken
Geschrieben von Alex   
Montag, 23. Januar 2006

Zimmer
Zimmer
Es ist kurz vor Mitternacht und ich sitze hier gerade in eine Wolldecke eingehuellt und trage zwei langaermelige Shirts und darueber noch eine Strickjacke. Es ist kalt. Draussen ist es ungefaehr so kalt wie zum Zeitpunkt unserer Abreise in Deutschland. Also irgendwie so um die 5 Grad rum. Die Bombay/Bangalore-Ausflugsinder hier laufen mit Wollmuetzen, Fleecejacken und die Frauen eingehuellt in dicke Tuecher umher (Auslaender gibt es hier nicht so viele; Israelis natuerlich wie anscheinend ueberall in Indien und in meiner Absteige wohnen 3 Oesterreicher). Tagsueber ist es noch angenehm warm, aber sobald die Sonne verschwindet und sich der sternenklare Himmel zeigt, gehen die Temperaturen den Bach runter.

Ich bin in Munnar angekommen, auf 1600 Metern Hoehe, die umliegenden Gipfel reichen sogar hoch bis 2700 Meter. Es waren nur 130 Kilometer von Kochi aus, aber die dauern locker 5 Stunden. Bestimmt auf zwei Dritteln der Strecke schraubt sich der Bus ueber Umwegskringel immer hoeher in die Landschaft. Ein bisschen Nervenkitzel auch, mit den halsbrecherischen indischen Busfahrern die Steilkurven zu nehmen, an deren Rand es steil in die Tiefe geht und die durch keine Leitplanke gesichert werden (na so eine Leitplanke kann einen Bus wahrscheinlich sowieso nicht stoppen). Heute war ich jedenfalls mal froh, dass hier Linksverkehr herrscht, denn die Abhaenge waren rechts. (Das macht aber auch nicht so richtig etwas aus, denn vor den Kurven wird gehupt und wenn keine Antwort kommt, wird gnadenlos geschnitten.) Jedenfalls habe ich im Bus nicht gepennt wie die meisten Inder.

Aber das hat sich auch gelohnt. Denn die Landschaft war schon beeindruckend, zumindest fuer einen Flachlaender wie mich. Einen schoenen grossen Wasserfall habe ich unterwegs gesehen, der wie aus dem nichts heraus aus dem Wald geschossen kam und 40 Meter in die Tiefe fiel. Zwei drei Kurven spaeter war dann auch der zugehoerige Fluss oder Bach sichtbar, in dessen Flussbett die Frauen auf Steinen sassen und Waesche wuschen. Dazwischen wieder lauter kleine Reisfelder. Uns ist schon damals in Gokarna aufgefallen, dass hier vieles so aussieht, als ob man vor einem PC sitzt und "Die Siedler" oder aehnliches laeuft. Ein paar Leute wuseln ueber die winzigen rechteckigen Felder, dazwischen ein paar Huetten, die Landschaft so gross und die Leute so klein.

Kurz vor Adimali, 30 Kilometer vor Munnar, roch auf einmal alles nach Curry. Schuld war eine grosse Currypulverfabrik, die dann auch bald auftauchte. Ueberhaupt die Luft, die ist hier so klar und riecht nach Wald, dass nicht einmal der Dieselqualm der Busse und das Zweitaktgemisch der Rikschas ihr etwas anhaben kann. Und kurz vor Munnar begannen dann die Teeplantagen. Hobbitland irgendwie. Von der Farbe her. Die Teestraeucher wachsen an den Steilhaengen, dazwischen gibt es immer ein paar Wege fuer die Pfluecker, die mit ihren Koerben auf dem Kopf durch die Gegend laufen. Das sieht dann aus, als handele es sich um gruene Erde, die total eingetrocknet und aufgesprungen waere. Die Teepflanzungen hier gehoeren auch den Tatas (Tata-Beuteltee haben wir uns sogar schon gekauft). Familie Tata begegnet man in Indien auf Schritt und Tritt. Das sind die indischen Rockefeller, die ewige Zeiten fast das Monopol auf LKW im Land hatten, heute auch Mobilfunk betreiben, Tee anpflanzen und weiss ich wo noch ihre Finger im Spiel haben.

Das komische Insekt
Das komische Insekt
Die Unterkuenfte hier sind ziemlich teuer, das billigste Hotelzimmer liegt bei 400. Darunter gibt es ein paar Homestays, die ich besucht hatte waren aber soweit belegt. Dann hatte ich aber doch noch Glueck und fand einen Platz in einem 4-Bett-Zimmer fuer 200. Und da kein weiterer Tourist mehr kam, habe ich heute das grosse Zimmer fuer mich allein. Mir graut nur ein bisschen vor dem Duschen morgen, obwohl ich mir auch warmes Wasser vorne abholen kann. Achso, das seltsame Insekt habe ich ja ganz vergessen. Das stelle ich dann mal in die Bildergalerie.

Aber jetzt werde ich mal schnell schlafen gehen, ich muss den Tag morgen nutzen.

 
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