Weltreiseseite
nav_bar_left Start arrow Indien arrow Indien Dez 05 arrow Weiter in Puna nav_bar_right
left panel  
search
Main Menu
Start
Alte Startseite
Die Route
Die Vorgeschichte
- - - - - - -
Indien
Thailand
Australien
Neuseeland
Fiji
USA
- - - - - - -
Bilder
Zwischenrufe
- - - - - - -
Impressum

Weiter in Puna Drucken
Geschrieben von Susan   
Donnerstag, 15. Dezember 2005

?
?
Dieser Tag sollte ein entspannter werden. Der Schluessel fuers Zimmer fuer die Nacht lag schon in meiner Tasche bereit, ein grosser Stapel Geldscheine in meinem Rucksack. Bevor ich mich in den noerdlichen, besseren Teil von Puna, Koregan Park begeben wuerde, wollte ich mal endlich ein bisschen Sightseeing betreiben und mir die Altstadt inklusive Markt angucken. Also zum Busbahnhof, dort zehn Leute fragen, welcher Bus zum Markt faehrt, acht davon erklaeren, dass ich wirklich mit dem Bus, nicht mit der Rickscha fahren will, fuenfzehn Rickschafahrer abwimmeln, und schliesslich aus einer Traube eifrig ueber den richtigen Bus diskutierender Inder gerettet und zur naechsten Bushaltestelle gefuehrt werden. Dann noch schnell zum Bus rennen, aufspringen und ein weiteres Mal war die schwere Aufgabe, den richtigen Bus zu finden, geloest. In den indischen Bussen bisher gab es immer mindestens zwei "Ladie's only"-Sitze, auf denen natuerlich fast immer Maenner sitzen. Doch hier gab es im gesamten Bus eine vom Schaffner streng ueberwachte Geschlechtertrennung. Linke Reihe Ladies, rechts "Gents" (andere Bezeichnungen fuer Maenner, mit denen auch Alex schon respektvoll angesprochen wurde, sind Boss, Sahib, Baba und natuerlich Sir).

Susan im Sari
Susan im Sari
Irgendwann hab ich entschieden, dass es halbwegs nach Markt aussieht, und bin ausgestiegen. Eine viel tollere Gegend als die Bahnhofsumgebung, lauter kleine Laeden in kleinen Haeuschen, zum Teil wie Scheunen aussehend. In einem Laden hab ich einen Sari anprobiert. Sah aus, als haette ich einen grossen bunten Sack angezogen. Laut dem Shopbesitzer  natuerlich "verrry beautyfull". Gekauft hab ich trotzdem nichts, aber ein Foto gemacht.

Markt
Markt
Dann bin ich weiter gelaufen, bis wirklich ein Markt kam. Eine ganze Strasse voller lila Zwiebeln, ein grosser ueberdachter Platz extra fuer gruene Bohnen und so weiter. Hier wird gerne nach Gruppen geordnet. Obst wird nicht in der Gemueseecke verkauft und umgekehrt. Ich hab ein paar Fotos gemacht, bis ich vor einer Alten fluechten musste, die zeternd auf mich zukam und an meinem Rock herum zog. Also bin ich weiter durch kleine Srassen voller Haushaltslaeden gelaufen bis ich an einer Ecke schliesslich der Frau begegnete, die mein Schicksal fuer den Rest des Tages in ihre Haende nehmen wuerde: Shashi. Quer ueber die Strasse kam eine vielleicht 40jaehrige Inderin mit moderner Kurzhaarfrisur (der Gleichen wie meine, wie sie spaeter lobend feststellte) und dickem Wollpulli direkt auf mich zugestuermt. Ein weiteres Mal hatte ich den Fehler begangen, auf offener Strasse einen Stadtplan zu entfalten. Ein Zeichen fuer den Superman, der in jedem Inder schlummert, herauszukommen. Da ist eine arme Touristin, schrecklich verloren denn sie hat einen Stadtplan in der Hand und noch dazu allein = sie braucht meine Hilfe. Also bilden sich regelmaessig grosse Menschentrauben um den Stadtplan, doch oft ist nichtmal ein Einziger dazu in der Lage, auch nur den jetzigen Standpunkt zu finden. Plaene werden kopfueber gehalten, stolz bekannte Plaetze vorgelesen und laute indische Diskussionen begonnen, die dann frueher oder spaeter einen Rickschafahrer anziehen.

Shashi und Mutter
Shashi und Mutter
Jetzt jedenfalls hatte die Wollpullifrau mich erreicht und stellte sich als "Tourist Guide" vor. Flucht, mein erster Reflex, war unmoeglich, Shashi war ueberzeugt, mir helfen zu wollen. Mein Misstrauen gegenueber unbekannten aber super freundlichen Indern wurde ja durch den Rickschawallah erneut aufgebaut, aber sie schien wirklich nichts Boeses zu wollen. Ich wollte ja ein paar Sehenswuerdigkeiten abklappern, also fragte ich nach dem Shaniwar Wada, hochgelobte Burgruinen, die eigentlich nicht weit entfernt sein sollten. Oh, kein Problem, aber ich muesste mal kurz stehen bleiben, denn Shashis Mutter wartete noch auf der anderen Strassenseite. Die Mutter wurde auch gleich an mich uebergeben, denn sie konnte angeblich kaum sehen und ich sollte sie ueber den Markt fuehren, auf dem meine neue Freundin noch schnell ein paar Besorgungen machen musste. Eigentlich fuehrte sie, vor allem beim Ueberqueren von Strassen, mehr mich als umgekehrt. Wir konnten uns zwar nur durch Zeichensprache unterhalten, aber mochten uns sofort. Sie laechelte mich die ganze Zeit freundlich an und streichelte beim Gehen die ganze Zeit meine Haare und meinen Ruecken, waehrend sie mir nebenbei indisches Knabberzeug zusteckte und es immer wieder unbemerkt schafft, mir meine Wasserflasche aus der Hand zu klauen und in eine ihrer Taschen zu stecken. Jeden Kampf, sie selbst zu tragen verlor ich natuerlich haushoch. Nachdem es Shashi zu viel wurde, dass ihre Mutti an jedem Stand stehen blieb und das Angebot begutachtete, stellte sie uns beide kurzerhand in einer Ecke ab. "Don't move. Stay here and watch her!" und weg war sie, ihre Tupperbehaelter einzukaufen.

Die Mutti hat inzwischen einen kleinen Hinduschrein entdeckt und betete kurz, spendete ein paar Muenzen in die Spardose und nahm dafuer ein paar gesegnete Zuckerstuecke.

Dann ging es weiter, aber natuerlich musste an jedem zweiten Stand gehalten und gefragt werden, ob ich einen Schal, falschen Goldschmuck oder Fruechte kaufen moechte. Nach einiger Zeit konnten wir aber dem Markt entkommen und in einer Rickscha zum Shaniwar Wada fahren. Aber nichts mit angucken, denn jetzt wird das mitbebrachte Essen gegessen. Und jetzt bekam ich mal einen Einblick, was vorsorgliche Inderinnen so alles in ihren Taschen verbergen. Zuerst wurde fuer Jeden eine Zeitung zum Draufsetzen ausgebreitet. Dann kam ein Gefaess mit Reis, eins mit Gemuese, eingewickeltes, selbstgebackenes Chapatibrot, eingepackter Pudding und sogar Teller und Besteck zum Vorschein. Das wurde dann erstmal mit der ebenfalls mitgebrachten Wasserflasche abgewaschen und dann konnte es losgehen. Eigentlich hatte ich gluecklicherweise nur einen Pudding abbekommen, aber kaum war der halb aufgegessen, wurden ordentlich Reis und scharfe Bohnen nachgefuellt. Gemixt mit scharfen Bohnen fand ich den Pudding ja nun nicht mehr ganz so lecker aber trotz staendigen Nachfuellens vom Teller der Mutter hab ich brav aufgegessen.

Ins Shaniwar bin ich dann nicht mehr gegangen, nachdem mir versichert wurde, dass es von innen genauso aussieht wie von aussen (grosse Mauer mit grossem Tor) und die Reise gibg weiter. Natuerlich gemeinsam, denn Shashi hatte gleich am Anfang festgestellt, dass wir das gleiche Ziel haben- den Osho Ashram (dachte ich). Mein Hotel war da ja ganz in der Naehe und Shashi war nicht nur ein Tourist Guide, nein, ausserdem Ayurvedaaerztin (fuer ihre Heilmixturen hatte sie Fruechte auf dem Markt gekauft, deren geheime Verarbeitungsweise sie mir spaeter zeigen wollte) und heute abend wuerde sie im Oshozentrum Massagen geben und ich solle sie begleiten. Da war ich natuerlich beeindruckt und auch Shashi betonte immer wieder, was ich doch fuer ein Glueck habe, sie getroffen zu haben. Sicherheitshalber hab ich auch extra mehrmals nachgefragt, ob sie auch wirklich im hochexklusiven Ashram selber massiert, und ob ich da ohne den teuren Eintritt und vorgeschriebenen Aidstest ueberhaupt mit rein darf. Jaja, kein Problem.

Als naechstes musste die Mutti losgeworden werden, also los zum Busbahnhof, Mutti in den richtigen Bus setzen. Der kam nicht, also mit der Rickscha zur naechsten Haltestelle. Hier wurde eine Rickscha mit einem Mutter-Sohn Gespann geteilt, so dass wir zu fuenft auf der Zweierrueckbank sassen. Die Mutter staendig von meinem zum Schoss ihrer Tochter hin- und herwechselnd, weil sie dachte, sie kleine Hutzelfrau waer zu schwer fuer mich.

Nach ungefaehr zehnmal Verabschieden von meiner neuen Zweitmutter ging es weiter. Immer noch nicht zum Bahnhof, wo mein Gepaeck im Clock-Room (statt Cloakroom= Gepaeckaufbewahrung) sehnsuechtig auf mich wartete, sondern erstmal zum Lieblingsteestand, die neue weisse Freundin vorfuehren und ein paar Fotos bei mir in Auftrag geben. Ausserdem musste ich vier wirklich ganz leckere Chais (Tee mit Milch) trinken, so dass ich es bald noch eiliger hatte, zu meinem Hotel zu kommen. Nach noch ein paar Vorstellungsrunden bei anderen Staenden am Strassenrand fuhren wir schliesslich zum Bahnhof. So viel Rickscha bin ich noch nie an einem Tag gefahren, und natuerlich durfte auch ich immer bezahlen. Am Bahnhof wurden noch ein paar Freunde besucht, doch irgendwann kamen wir tatsaechlich bei meinem Zimmer an.

 
< Zurück   Weiter >
Werbung
Fotobuch

hier durch Susans Fotobuch (.PDF)  blättern
Anzeigen
Kommerz :-)