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Weihnachtsinder und Thomas, das Schwein Drucken
Geschrieben von Susan   
Mittwoch, 7. Dezember 2005

Heute war es soweit - die Weihnachtsstimmung hat letztendlich auch Indien erreicht. Schon auf der Rueckfahrt von Gokarna haben wir einen extra Weihnachtsladen gesehen, dazu ein paar Staende mit Weihnachtskarten, Schneemannaufkleber mit der Aufforderung "Let it snow" an Fenstern und endlich auch die unvermeidlichen Weihnachtslieder. Beim Mittag noch dezent in die Hintergrundmusik eingeschmuggelt, gab es zum Abend bereits einen Liveauftritt von fünf indischen Nachwuchsweihnachtsmaennern zum Nachtisch.

Nikolaus
Nikolaus
Und bei mir war sogar der Nikolaus und hat leckere Munchling-Schokoriegel gebracht. Und nachdem Alex' Bart nun seine Aufgabe erfuellt hat, ist der jetzt wieder ab. Allerdings gab es noch eine kurze, doch schrecklich anzusehende Phase des Schnauzers. Bei Indern ist ja so ein Schnurrbart sehr angesehen und da wollte Alex natuerlich nicht zurueckstehen. Bei mir stieg sein Ansehen als Mr. Moustache allerdings nicht gerade und nach einem letzten Erinnerungsfoto wurde die olle Matte endlich entfernt.

Susan & Thomas
Susan & Thomas
Zur Feier des entbärteten Gesichts haben wir abends zwei portugiesische Inder hier besucht, Fausto und Mario, Freunde von meinem Vater. Zwei lustige und vielleicht ein bisschen komische Brüder um die Sechzig, trotz großer portugiesischer Villa und ordentlichem Schnauzbart bzw. angesehenem Beruf des Anwalts noch allein stehend. Den ersten Bruder haben wir schon auf der Straße getroffen, er wollte gerade Futter fürs Schwein holen. So ist das mit den spontanen Besuchen, aber zum Glück gibt's ja noch den anderen Bruder. Der hat uns dann reingelassen und vor den Fernseher gesetzt. Dann ist er erstmal im Nebenzimmer verschwunden, ein bisschen rum kramen. Das hatte aber nicht zu bedeuten, dass er keine Lust hat, sich mit uns zu unterhalten und er kam dann auch wieder, um uns die kaputte Fernbedienung zu zeigen. Auf den Tipp hin, dass sie wohl mal neue Batterien braucht ist er dann, ein Mann der Tat, gleich mal schnell los, Batterien kaufen. Konnten wir inzwischen noch ein paar indische Musikvideos ansehen. Ausserdem ist uns dann aufgefallen, dass die Fernbedienung gar keine Fern- sondern eine Videorekorderbedienung war. Das passende Gerät war aber nirgends zu sehen. Deswegen musste unser geschäftiger Gastgeber dann gleich nochmal los, andere Batterien für die richtige Fernbedienung kaufen. Damit ging sie dann auch und der Abend konnte mit ein paar Sätzen auf deutsch begonnen werden. Alles hab ich nicht so ganz verstanden, aber auch der Vater der Beiden war Anwalt gewesen und hatte in einem Fall mal deutsche Soldaten in Goa verteidigt. So ähnlich, aber in echt war die Geschichte natürlich viel spannender, es kamen auch sinkende Schiffe drin vor. Und dann gab es sogar noch ein deutsches Lied, gesungen und auf der Gitarre begleitet von Mario, Bruder Nummer Eins. Und das Lied, uns bisher erstaunlicherweise unbekannt, ging so: "Mein Name ist Peter. Ich bin aus Bonn. Bonn liegt am Rhein. Ich trinke viel Wein. Wir trinken viel Schnaps, Kaffee und Bier. Wir sind typisch deutsch. Ja so sind wir..." Dann gab es noch Paul aus Bern, Maria aus Berlin und ein paar Andere. Danach gab es noch die Marseillaise ("so wie euer Heil Hitler, nur für Frankreich") und ein portugiesisches Lied. Und nun nähert sich mein Lieblingsmoment des Abends. Das Schwein Thomas wurde uns vorgestellt. Da Thomas schließlich einen englischen Namen trägt, wollte Fausto ihm eigentlich auch Englisch beibringen. Aber leider wurde das Schwein jedes Mal sauer und so konnte es uns nur mit einem lauten Grunzen begrüßen. Also, Thomas ist das größte Schwein, das ich je gesehen habe. Vor unserer Veranda hier läuft ja auch immer eine Schweinefamilie rum, und eigentlich sind die Indienschweine braun gefleckt und klein. Aber das riesige Thomasschwein war rosa und fast so lang wie ich groß bin. Da diese Begegnung nicht mehr übertroffen werden konnte, sind wir dann auch gegangen, bis zur Straße begleitet von zahlreichen netten Danksagungen für unseren Besuch.

 
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