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Susan in Puna Drucken
Geschrieben von Susan   
Dienstag, 13. Dezember 2005

Hat zwar ein bisschen gedauert, aber ich bin gut hier angekommen- in Puna der Stadt der Bildung. Allerdings spricht hier kaum Jemand Englisch. Trotzdem hatte ich schon nach 10 Minuten eine neue Freundin. Wie bisher alle Inderinnen, die sich mir vorgestellt haben, heisst sie Sunita. Kennen gelernt haben wir uns in der idyllischen Umgebung der Busbahnhoftoilette, als Sunita mir ihren Kamm aufdraengen wollte. Ich glaube, sie hatte Mitleid, ich wirkte wohl gerade etwas orientierungslos, seit dem ploetzlichen Rauswurf aus dem Bus irgendwo auf den "Highway" gnadenlos von einem Rickschafahrer verfolgt, der mich trotz mehrfachen Fluechtens in Seitengassen immer wieder aufgespuert hat und ploetzlich schon wieder hupend neben mir herfuhr.

Und das alles fruehs halb 9, nach 13 Stunden ruettelnder Fahrt, umgeben von zu dieser morgendlichen Zeit froestelnden Indern in Wollmuetzen. Es gibt zwei Hauptvarianten, ein Modell, das in Europa heutzutage nur noch die Koepfe von Kindern besonders modeunbewusster Eltern waermt, aber zumindest im Osten sehr beliebt war. Zur gleichen Zeit Schal und Muetze, ist diese praktische Wollzierde einem Sack mit ausgeschnittenem Gesicht ueberm Kopf noch am Aehnlichsten. Sowas ist bei den indischen Maennern hier sehr angesagt. Die zweite Variante ist ein Tuch, dass oben auf dem Kopf zu einer Kugel geknotet wird und auch ganz schoen lustig aussieht.

Doch heute Nacht haette ich mir auch so eine Muetze gewuenscht, denn im undichten Sleeperbus hab ich ganz schoen gefroren. Besonders nachdem hinten einfach so eine Scheibe rausgefallen ist und die von der Scheibe beinah erschlagene Inderin (ihr ist aber nichts passiert) zu mir in mein 1 Meter breites Abteil gezogen ist, sofort drei Viertel des Platzes eingenommen hat und ich nun genau in die undichte Fensterritze gequetscht lag. Da ich so praktischerweise wie ein Zugluftstopper in ueberlanger Dackelform kalte Luft abgeblockt hab, begann meine neue Bettpartnerin bald friedlich zu schnarchen. Jetzt war an Schlaf noch weniger zu denken als waehrend der ersten Stunde Fahrt, als mein Nachbar, ein indischer Juengling mich permanent und voellig ungeniert durch das viereckige Fenster zwischen unseren Abteilen beobachtet hat. Ein Sleeperbus hat keine Sitze, sondern links und rechts eine Reihe Doppelstockbetten, die durch Waende voneinander getrennt sind. Und in jedes einzelne Bett passen zwei Kuschelinder, oder halt eine schnarchende Inderin und die Haelfte von mir.

Trotzdem war die Fahrt lustig, und ein kleines bisschen hab ich dann doch noch geschlafen.

Sunita jedenfalls hat mich gleich auf ihr Dorf eingeladen, aber misstrauisch wie ich bin, hab ich anfangs immer darauf gewartet, wann sie ihr Warenangebot aus dem Aermel zaubert. Sie war wohl wirklich einfach nur nett und so haben wir uns gegenseitig auf einen Tee am STrassenrand eingeladen. Dann wollte sie mit mir zum Shopping fahren, und auf einmal war sie weg und ich hab mich weiter auf die Suche nach dem richtigen Bus zum Bahnhof gemacht. Nicht so einfach, noch immer hab ich ihn nicht gefunden, doch er muss ganz in der Naehe sein. Dafuer habe ich ein Hotel gefunden, heute mal Luxus mit Fernseher, Warmwasserhahn (leider ohne warmes Wasser) und einem netten Portiersopa.

Ich werde mich auch gleich weiter auf die Suche begeben.

 
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