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Ruinen, Affen, Elefanten Drucken
Geschrieben von Alex   
Donnerstag, 22. Dezember 2005

Hampi
Hampi
Wir sind umgeben von Ruinen. In Hampi. Auf 26 Quadratkilometern, die einstmals die Hauptstadt des Vijayanagar Reiches bildeten. Sehr viel ist nicht mehr davon uebrig, aber es sieht auf jeden Fall sehr schoen aus. Wir wohnen am Hampi Bazaar, einer langen Strasse quer durch den Ort, die von alten Saeulengaengen eingefasst ist. Das Herz der Stadt ist der Tempel am westlichen Ende der Strasse mit seinen beiden gopura-Tuermen. Der eine davon ist 52 Meter hoch und weithin sichtbar. Aber Tempel gibt es hier in der Umgebung unzaehlige und wir haben auch schon einen gefunden, der uns viel besser gefaellt. Mit seinen bunten Statuen auf dem Dach sieht der naemlich aus wie ein ueberdimensionales Puppentheater. So etwas aehnliches gibt es hier noch einmal, allerdings mit einem Zaun abgesperrt. Wir dachten, es waere auch ein Tempel. Aber Ashok, unser freundlicher Wirt, klaerte uns auf. Es handelt sich dabei um einen Friedhof. (So heisst es, wenn man seine Erklaerung direkt aus dem Englischen uebersetzt. Man koennte vielleicht besser sagen, es handelt sich um ein Mausoleum oder eine Gruft oder so). Jedenfalls hat ein reicher Inder fuer seine Frau und sich eine Grabstaette bauen lassen, die sie dann spaeter mal beziehen werden.

Der Tempelturm
Der Tempelturm
Zu Ashok muss ja noch gesagt werden, dass er eigentlich gar nicht Ashok heisst. Aber das haben wir erst heute erfahren. Sein Gasthaus nennt sich Ashok Restaurant. So haben wir ihn dann auch immer genannt, obwohl er Naga heisst, was Kobra bedeutet. Also der Gott der Schlangen. Sein Bruder heisst Krishna, auch ein Gott, eine Erscheinungsform bzw. Reinkarnation Vishnus. Vishnu ist neben Brahma (den heute aber keiner mehr so richtig doll verehrt) und Shiva einer der drei Hauptgoetter. So, das muss erstmal reichen als Ausflug in die Goetterwelt. Es gibt da aber einige lustige Geschichten um die ganzen Goetter, die man hier auch als Comic kaufen kann. Mein Lieblingsfreund ist ja der kleine dickbaeuchige Ganesh mit dem Elefantenkopf.

Auf zu Hanuman
Auf zu Hanuman
Hier ist alles sehr steinig. Die Tempel sind aus Stein, die Ruinen sind aus Stein, die ghats sind aus Stein, die Bruecken, die Treppen, die Zaeune der Bananenplantagen - also ziemlich vieles oder sogar fast alles. Aber der Steinvorrat ist immer noch nicht aufgebraucht, rings um die Stadt liegen jede Menge Haufen riesiger Steine, die den Reisefuerer dazu veranlassen, die Landschaft als surreal zu bezeichnen. Sie ist aber sehr real, wir laufen darauf umher.

Red face monkey
Red face monkey
Oder wir fahren. Siehe weiter unten. Am Montag haben wir uns erstmal die naehere Umgebung hier angeguckt. Also runter an den Fluss, an dem wie wild Waesche gewaschen wird. Besser gesagt wird die Waesche eingeweicht und dann so lange auf einen Stein geschlagen, bis der Schmutz genug hat und sich lieber verkruemelt. Die Sachen werden anschliessend in die Sonne gelegt und trocknen in Windeseile. Ich weiss nicht, wie lange so ein Sari diese Behandlung mitmacht, aber die indische Wirtschaft soll ja zum Brummen kommen.

Ausblick
Ausblick
Danach sind wir in den Tempel. In Tempeln muss man die Schuhe ausziehen. Das machten wir natuerlich auch. Nur mussten wir feststellen, dass der Boden mit klebrigem Zeug ueberzogen war und unsere Fuesse sehr schnell mit Dreck verkrusteten. Naja, wir redeten uns dann ein, dass es sich bestimmt um ein extra verstreutes Desinfektionsmittel handeln wuerde.

cooler Biker
cooler Biker
Am Dienstag setzten wir ueber den Fluss ueber, der Hanuman-Tempel oben auf dem Berg war das Ziel. Das war aber ganz schoen weit, also mieteten wir uns ein Moped. 100 Rupies, fuer weitere 100 fuellten wir anderthalb Liter Sprit in den Tank. (In Ermangelung einer nahegelegenen Tankstelle wird Benzin hier literweise in Mineralwasserflaschen am Kiosk verkauft.) Oh, das machte Spass, die Zeit bis zum Sonnenuntergang war damit ausgebucht. Und Susan war am Ende des Tages kaum noch davon runter zu bekommen.

Susan am Steuer
Susan am Steuer
Nach einigen willkommenen Umwegen erreichten wir den Tempel. Wir hatten natuerlich vorgesorgt und Erdnuesse gekauft, denn als Belohnung fuer den Aufstieg ueber die vielen Stufen wartete eine grosse Affenfamilie auf uns. Eine anscheinend besonders intelligente Affendame erwartete uns schon vor dem Tempel, um unsere Erdnuesse in Empfang zu nehmen. Es dauerte aber nicht lange, bis auch alle anderen unsere Anwesenheit wahrnahmen und wir von Affen umringt waren. Leider waren es red face monkeys. Die grossen, teilweise bis zu 50 Kilo schweren black face monkeys sind menschenscheuer. Dafuer poltern sie zu Sonnenauf- und Untergang ueber unser Dach. Ein Foto von ihnen ist uns aber noch nicht gelungen.

Oben auf dem Berg rund um den Tempel bestand Fotografierverbot. Aber die Aussicht war so schoen, dass wir uns einfach mal darueber hinwegsetzten. Weiter ging es zum See, an dem Susan ihre ersten Fahrversuche unternahm. Ab da hatte ich dann kaum noch eine Chance, selbst an den Lenker zu kommen.

Puppentempel
Puppentempel
Abends fuhr ich nach Hospet, da die Hampimenschen ein Internetkartell gegruendet haben (Hampi Internet Association). Es ist unwahrscheinlich langsam und ueberall gleichmaessig zu teuer. Dafuer gab es in Hospet keine Moeglichkeit, einen USB-Stick anzuschliessen, womit meine Aktion "Bilder hochladen" dann auch scheiterte. Zudem verpasste ich den 19:30-Bus um 3 Minuten, so dass ich bis 21:30 warten musste. Die Zeit vertrieb ich mir damit, etwas zu essen und ueber eine auch sehr langsame, aber billigere Verbindung ein Bildbearbeitungsprogramm zu saugen und auf CD zu brennen.

Das Highlight am Mittwoch war unser abendlicher Ausflug nach Hospet, um den tags zuvor dort abgegebenen Film abzuholen. Einen hatten wir kurz zuvor schon in Hampi abgheholt. Fuer den feierlichen Moment der Erstbetrachtung waehlten wir eine Eckkneipe aus. Ein kahler Raum mit Tischen und Stuehlen, ziemlich voll. Wir erregten eine ganze Menge Aufsehen, zwei Europaer und dann auch noch eine Frau und auch noch Bier trinken. Die Inder waren damit beschaeftigt, einen Platz einzunehmen, in Windeseile einen 0,2-Liter-Flachmann Hochprozentiges gemixt mit Wasser auszutrinken und den Platz fuer den naechsten freizumachen. Dazu gab es mixed pickles auf einem Stueck Zeitungspapier, welches der Kellner ordnungsgemaess unter den Tisch befoerderte, nachdem der Gast gegangen war. Demzufolge hatten sich schon ordentliche Berge unter den Tischen gebildet. Susan holte unsere Fotos raus. Ungefragt hatten wir eine Traube von Leuten um unseren Tisch und es war klar, dass die Bilder erst durch viele Haende gehen mussten, bevor sie von Susans in meine fanden. Kurz danach waren wir in einem kleinen Thali-Restaurant (Thalis sind die allereinfachsten Reisgerichte, die gibt es eigentlich ueberall fuer sehr wenig Geld). Da passierte dasselbe, die ganze Belegschaft (es war kurz vor Ladenschluss und daher nur noch sehr wenige Besucher da) musste sich mehrmals unsere Bilder angucken. Wir schafften es aber vorher, sie in das Zugabe-Fotoalbum einzuordnen und so doch noch vor Fingerabdruecken zu schuetzen.

So viel Kontakt zu den Einheimischen wie in Hospet und Hampi hatte ich bisher noch nirgendwo anders. Es faengt bei den Kindern an. Wenn sie uns erblicken, erschallt ein Ruf: "English" und schon sind wir umringt. Manche wollen uns einfach nur Guten Tag sagen, andere fragen aufgeregt nach chocolate, school pens oder auch gleich mal nach 2 Rupies. Erwachsene quatschen uns ueberall an, im Bus, auf der Strasse, sonstwo. Die ueblichen Fragen: Woher, wie lange, Name, verheiratet, warum nicht... Manche erzaehlen aber auch noch mehr, so wie der school inspector, den ich im Bus traf. Der wollte auch wissen, was ich ueber den indischen lifestyle denke, wie es in Deutschland ist, ob es viele Hindus bei uns gibt und so weiter.

Inzwischen hatten wir total die Zeit verpennt, hatten auch keine Uhr mit und gingen zum Busbahnhof. Allerdings war es nun schon kurz nach 10 und somit der letzte Bus weg. Also Rikscha. Wir schafften es, dass uns zwei Fahrer (einer zum Fahren, einer zum Reden und damit ihnen auf der Ruecktour nicht langweilig wird) fuer den gewoehnlichen Tagespreis nach Hampi fuhren. Es muss erwaehnt werden, dass es sich um eine Rikscha mit Stereoanlage handelte, so dass wir ordentlich Krach in die Ruhe der Bananenplantagen brachten.

noch ein cooler Biker
noch ein cooler Biker
Und heute haben wir uns Fahrraeder gemietet (sogar Mountainbikes, allerdings ohne Gangschaltung, die ist in Indien weitgehend unbekannt) und sind damit durch die Gegend. Wir waren gut unterwegs, ueber Stock und Stein, Berg und Tal, ueberholten ein paar Ochsenkarren, ueberlebten die Ueberholmanoever der zu schnellen LKW und scheuten auch die 13 Kilometer bis nach Hospet nicht. Wir wollten uns beim Bahnhof erkundigen, ob wir auch per Zug nach Bijapur kommen. Unser naechstes Ziel, denn ich moechte die Stadt auch gern sehen und Susan war auch nur fuer ein paar Stunden da.

Aha, Elefanten stehen ja auch noch im Titel. Einer wohnt im Tempel. Der wurde neulich gerade zur Traenke gefuehrt. Sein Fuehrer liess Wasser aus dem Schlauch in einen Eimer laufen, Elefant saugte es in den Ruessel und spritzte es in den Mund oder an die Fuesse. Genug getrunken, eine Seitwaertsdrehung und gute 8 Liter Elefantenurin schossen in denselben Eimer. Muessen die beiden gut geuebt haben. Der andere Elefant schien ein richtiger Arbeitselefant zu sein, den wir auf der Strasse trabend auf dem Rueckweg von Hospet trafen.

Fotograf
Fotograf
Kobras stehen nicht im Titel, denn wir haben auch keine gesehen. Obwohl Naga alias Ashok uns versicherte, dass es hier huge cobras geben wuerde. Bis zu 3 Meter lang. Tagsueber wuerden sie in den Bananenplantagen abhaengen und nachts in den Felsen jagen. Aber kein Problem, sie fliehen ueblicherweise vor Menschen und er wisse auch, wie man sie toetet. Ob er einen Schlangenbiss gesehen habe? Ja, gab es auch schon. Und was ist mit den Menschen dann geschehen? I think they died. Ganz trocken. Ich haette da ja lieber eine Geschichte von Gegengift und so gehoert:-)

 
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