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Am naechsten Tag ging die Suche weiter. Den Bahnhof hatte ich letztendlich gefunden, jetzt brauchte ich ein billigeres Hotel. Fernsehluxus zwischen Wasserflecken ist nicht immer drin, denn allein ist ein Zimmer ja gleich doppelt so teuer, da man sich das Geld nicht teilen kann. Also hab ich mich um 8 Uhr per Telefon wecken lassen und mich erneut in Punas Grossstadtstrassen (jaja, das ist falsch geschrieben, aber die Tastatur hat kein EsZett) geworfen. Fruehstueck gab es keins, denn meine letzten zweihundert Rupies hatte ich gestern in ein Supersonderangebot im Internetcafe investiert. Nur 15 Notrupies (55 sind ein Euro) haben sich noch im hintersten Portemonnaiewinkel versteckt. Und weil ich um zwoelf Uhr aus dem Hotel raus sein musste, wollte ich zuerst mal schnell ein neues Zimmer nehmen, und dann eine Bank suchen.
Ich muss immer noch dazu lernen, denn “mal schnell” geht hier natuerlich gar nichts. Auch nicht, wenn man gestern schon ein Hotel ganz in der Naehe gesehen hat, das auf einer Tafel gut sichtbar freie Zimmer fuer 200 Rs anpreist. Da hinein wollte ich also euphorisch stuermen, doch schon an der Tuer wurde ich abgefangen.Es gibt eine Spezies der Verwandlungskuenstler in Indien. Zum Schein nehmen sie kurzzeitig alle moeglichen Berufe an, geben sich auch gerne einfach als zufaellig anwesender Passant aus und in jedem Fall scheinen sie sehr hilfsbereit und mit besonderen Geheiminformationen ausgestattet, von denen noch Niemand was gehoert hat. Aus denen ergibt sich meistens ein Problem, das nur sie allein loesen koennen - mithilfe ihres dreiraedrigen Zauberfahrzeugs, in das man dann auch sofort gezogen wird. Dieser Rickschafahrer also gab sich zuerst als Hotelportier aus, meinte, ich koenne kein Zimmer bekommen und schleifte mich zum Luxushotel gleich nebenan, in der Hoffnung auf Provision. Zum Glueck war da kein Zimmer frei. Also bin ich wieder zum anderen Hotel zurueck, wo sie mir aber wirklich kein Zimmer geben wollten. Entweder war es wirklich voll aber ich hab mir eingebildet, zu verstehen, dass es nicht fuer Frauen und schon gar nicht fuer foreigners, Punas Lieblingsdiskriminationsgruppe, waere. Doch mein guter Freund, der Rickschafahrer koenne mich in ein anderes guenstiges Hotel ganz in der Naehe fahren. Die steckten also auch noch alle unter einer Decke! Trotzdem willigte ich fuer fuenf Rupies Fahrtgeld ein. Das Hotel war wirklich ganz in der Naehe. Wir fuhren (nach langer Zeit zum ersten Mal wieder auf der rechten Strassenseite) 30 Meter um die naechste Ecke und hielten vor einem weiteren Superhotel, das ganz bestimmt eher das Zehnfache kosten wuerde. Und dafuer, dass die ganze Fahrt eine Minute gedauert hatte, waren die fuenf Rupies ganz schoen schlecht angelegt. Langsam wurde ich sauer, und um meinen Aerger von sich abzulenken, gab mir der Rickshafahrer eine Begruendung fuer die ganzen Luxushotels. Beschaemt muss ich zugeben, dass ich sie ihm, zwar zweifelnd, aber letztlich doch abgenommen habe. In Puna gibt es tatsaechlich fuer die meisten Sehenswuerdigkeiten extra Eintrittspreise fuer Touristen. Inder bezahlen zwischen 2 und 10 Rs, Auslaender 5 Dollar (= 225 Rs). Und genauso soll es in Puna ein Gesetz geben, dass Touristen nur in teuren Touristenhotels wohnen duerfen. Natuerlich war das totaler Quatsch aber die bloeden Rickschawallahs sind gute Luegner und der Touristenabzockerstadt Puna ist schon einiges zuzutrauen. Ein letztes Mal wollte ich es aber trotzdem nochmal versuchen und lief die 30 Meter um die Ecke allein zurueck. Natuerlich immer noch kein Zimmer, doch ein anderer Rickschafahrer stand schon bereit um mich diesmal in ein wirklich billiges Hotel fuer 150, das aber trotzdem ganz toll sein sollte, zu fahren. Fuer meine letzten 10 Rupies. Grand Hotel, davon hatte ich auch schon gelesen. Leider war es bis auf ein teures ac-Zimmer voll, und ich liess mich entnervt wieder zurueck fahren. Nachdem ich nun nach zwei Stunden immer noch nicht einen Schritt weiter gekommen war, gab ich auf und zog in ein zwar gleich teures, aber etwas schoeneres Hotel, das mit den Ostseebungalows. Dann stand die naechste Aufgabe an, Geld tauschen, langsam bekam ich auch Hunger. Das wurde letztendlich eine genauso anstrengende und nervenaufreibende Angelegenheit wie die Hotelsuche. Und auch hier befand ich mich nach zwei Stunden erfolglosen Imkreis-laufens wieder an meiner Ausgangsposition, dem inzwischen verhassten 200 Rs-Hotel, das mich nicht wollte. Und 50 m daneben fand ich schliesslich ein Reisebuero, das sich bereit erklaerte, meinen Reisescheck einzutauschen. Weder American Express noch diverse Banken, bei denen ich inzwischen gewesen war, wollten fremde Waehrungen tauschen. Ein bisschen musste ich trotzdem noch auf erneuten Reichtum (und mein Fruehstueck) warten, denn gerade war mal wieder Stromausfall und zum Geldtauschen musste mein Pass kopiert werden. Also wurde der Hilfsjunge mit meinem einzigen Travellerscheck und meinem Pass weggeschickt, einen Kopierer zu finden. Inzwischen unterhielt ich mich nett mit dem Reisemann, der sich mir (gleich nach der Frage, ob ich verheiratet bin) fuer Sonntag als Stadtfuehrer anbot. Nach einer unruhigen halben Stunde kam der Junge mit meinem Pass und einem Stapel Geld zurueck und zaehlte es mir stolz vor. Ich hab dann in einem Restaurant mein indisches Lieblingsgericht Palak Paneer gegessen (gibts beim deutschen Inder auch - Spinat mit Kaese). An der Wand hing ein grosses Poster von Swami Kottwanand, mir bis dahin unbekannt, nur mit einem Tanga bekleidetet auf der Seite liegend, den grossen Bauch stolz vor sich auf dem Boden abgelegt. |