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Ich bin umgezogen. Von meinem 390-Rupies-Zimmer mit nahezu westlichem Standard (und vormittags sogar warmen Wasser) in einen 220-Rupies Non Attached Room in der Royal Lodge. Non Attached bedeutet ohne Bad und WC, diese befinden sich eine Etage ueber mir auf dem Dach. Aber das Zimmer ist ganz in Ordnung, es lagen sogar Handtuecher und zwei kleine Seifenpackungen auf den Betten. (hier geht es nach einem Klick auf "weiter" wirklich weiter)
Bangalore ist ein Moloch. Nachdem wir die letzte Zeit eher in laendlicher Ruhe (wenn es die in Indien ueberhaupt gibt) verbracht haben, wurde ich jetzt wieder mitten in das Gewuehl der Grossstadt gespuelt. Busse und Rikschas draengeln sich im Stau und ueber den Strassen liegt dichter Smog. Die Polizisten stehen mit Mundschutz auf der Strasse und regeln den Verkehr, zudem haben sie hier noch so lustige khakifarbene Texashuete auf. Auch manche Leute auf der Strasse pressen sich ein Taschentuch auf den Mund, denn so eine Knatterrikscha kann eine schoene blaue Rauchsaeule in die Luft pumpen. Andererseits gibt es mitten im Zentrum auch den Cubbon Park, die gruene Lunge der Stadt. Den habe ich gestern Abend mit einer grossen Geldansammlung am Koerper durchquert. Hatte ein bisschen ungutes Gefuehl dabei, denn es war mehr Geld, als ich in den 6 Wochen insgesamt ausgegeben habe. Aber es ist nichts passiert, obwohl der in Tamil Nadu lebende Italiener, den ich waehrend der Busfahrt kennenlernte, zum Abschied noch sagte: "Take care, Bangalore isn't safe."Und die Stadt treibt mich bald in den Wahnsinn. Ich verlaufe mich staendig. Eigentlich habe ich ja einen ganz guten Orientierungssinn, und normalerweise reichen ja ein Punkt auf dem Stadtplan und die naechste Strassenecke aus, um sich zu orientieren. Aber hier klappt das nicht so richtig. Der extra gekaufte Stadtplan hat nur eine annaehernde Aehnlichkeit zu dem im Reisefuehrer und beide irgendwie keine zur tatsaechlichen Lage der Strassen. Und dann gibt es kaum Strassenschilder oder ich finde sie nicht oder wenn es welche gibt, dann meist in nichtlateinischer Schrift. Hoffe mal, dass es heute ein bisschen besser klappt. Dafuer gibt es hier Riesenkuehe. Die muessen direkt aus einer Kreuzung mit einem Elch hervorgegangen sein. Wenn sie den Buergersteig (so es einen gibt) fuer sich beanspruchen, muss man unweigerlich auf die Strasse ausweichen. Ach Buergersteige: Die bestehen meist aus grossen zusammengelegten Steinbrocken, man muss immer gut aufpassen, damit man nicht stolpert. Und die Kanten sind an einigen unguenstigen Stellen einen halben Meter hoch. Ordentlich Sport getrieben gestern. Und ein Festival gab es gestern. Wenn ich die Transparente richtig gedeutet habe, dann waren die Praesidenten der ISKCON Tempel (Hare Krishna) von Bangalore und Mysore zu Besuch im Hanuman Tempel hier um die Ecke. Und da haben sie gleich mal 200 Meter Strasse abgesperrt und die voller Kerzen gestellt. Die Strasse war 10 Meter breit, so eine Kerze (Metallfassung, in die Butterschmalz und Docht gegeben werden) ist ca. 5 cm breit. Der Abstand zwischen den Kerzen war ungefaehr 20 cm, da kann man sich ja ausrechnen, wie lange die Jungs da gewerkelt haben. Brennen habe ich es aber nicht gesehen, da war ich schon wieder in einem anderen Stadtbezirk. Es gibt tolle Ecken hier. Die MG Road und die Brigade Road leuchten abends wie die Reeperbahn, und in die ganzen grossen Markenshops traut man sich kaum rein, weil sie so gross und teuer aussehen. Aber zumindest die Essenpreise sind in Ordnung, heute Morgen gab es leckere Idli. Und ich habe Ratsch (wird anders geschrieben) getroffen. Einen ganz freundlichen Inder, den ich um 23:00 angesprochen habe. Ich war naemlich gerade in der Lavelle Road und wusste mal wieder nicht, wie ich weiterkam. Nur, dass ich noch ungefaehr 4 km vor mir hatte. Habe ihn gefragt. Er guckte auf den Plan, sagte mir die Richtung in gutem Englisch. Ich wollte schon gehen, da meinte er, er wuerde mich begleiten. Unterwegs haben wir ein bisschen erzaehlt. Er fragte, wo ich hinwolle. Zum Panchavati Palace Hotel. Oh, das waere aber weit, warum ich mir keine Rikscha nehme. Weil die andauernd versuchen, mich zu bescheissen. [Und ausserdem wollte ich mein teures Zimmer wieder rausholen in der Tagesabrechnung ;-) ] Er musste zum Zug, da er heute in Chennai arbeiten muesse. Und wir koennten uns eine Rikscha teilen. Ja, das war okay. Und auch gut, denn gleich gab es eine Diskussion mit dem Fahrer, da der schon eine ominoese Startgebuehr berechnen wollte. Ratsch arbeitet fuer Cisco Systems in Bangalore (ein richtiger Computerinder!), erzaehlte er mir und gab mir seine Mobilnummer. Am Bahnhof stieg er aus, gab dem Fahrer Anweisungen und liess es sich nicht nehmen, die ganze Rikscha plus meine 10 Rupies, die auf der restlichen Fahrt noch anfallen wuerden, zu bezahlen. Netter Mensch, der Ratsch, werde ihn morgen mal anrufen. So. Ende. Ich gehe mal wieder raus auf die Strasse. |