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Essen in Bijapur Drucken
Geschrieben von Susan   
Sonntag, 25. Dezember 2005

Vom nicht vorhandenen Weihnachtsessen hat Alex ja schon geschrieben, aber das Festessen, das es dann einen Tag spaeter gab, hat er vergessen. Oder verdraengt.. Nee war nicht so toll. Da es dieses Jahr irgendwie nur halb Weihnachten war, eher sogar nur ein Viertel - so ohne Geschenke, Plaetzchen, Familie und Schnee - haben wir beschlossen, dass es dafuer ein paar Tage laenger andauert. Also haben wir uns auch am 25. ein Fernsehzimmer gegoennt (das Weihnachtszimmer hatte zuviel Strassenatmosphaere - das glaslose Fenster fuehrte direkt in den Gang, in dem laut rufende Inder die ganze Nacht lang Motorraeder geparkt und gestartet haben). Und uns dann ein zweites Mal auf die Suche nach einem standesgemaessen Feiertagsdinner gemacht. In unserem Reisefuehrer stand das von uns gewaehlte Restaurant unter denen, die man besser meiden sollte aber wir nahmen das Risiko an denn Finger Chips (Pommes Frites) standen auf der Speisekarte. Und viele andere Sachen, die wir schon bei unserem Mittagsbesuch entdeckt hatten, nur noch nicht bestellen durften denn freie Wahl gibt's erst ab 19 Uhr.

Wir wurden auch gleich an einen Tisch im idyllischen Restaurantgarten verfrachtet, direkt neben den Spielplatz der inzwischen gleichzeitig als Muellablageplatz benutzt wird.

Zur Feier des Tages mal mit mehreren Gaengen, also haben wir als erstes eine Suppe bestellt. Essen gehen hier muss man sich jetzt so vorstellen:

Man wird entweder ueberfreudig begruesst oder gar nicht, wenn die Kellner grad gemuetlich in einer Ecke sitzen, man setzt sich hin....................................(in nicht-Touristenorten wird an dieser Stelle Jemand aufgetrieben, der halbwegs englisch spricht).........................wenn's eine gibt, bekommt man irgendwann eine Karte.....man stellt sich die Gerichte ausgesprochen vor, um die anscheinend in Lautsprache, aber englisch geschriebene Auswahl zu entziffern (unser aktueller,noch sehr harmloser Favorit ist "Corn Flex" - ausserdem muss wirklich jede Kategorie durchgelesen werden - Pizza steht unter Dessert und Nudeln unter Breakfast- bzw. Break Fast) ........man sucht sich was aus......................................der Kellner kommt nochmal vorbei gucken, man nennt seine Bestellung.....man nennt sie nochmal..(nochmal)..dann zeigt man auf der Karte, was man meint..dann sagt der Kellner, nee das gibt es nicht, aber das in der Spalte gibt's.....man sucht sich eins der vorgegebenen Gerichte aus...der Kellner fragt nach, was man jetzt nochmal alles bestellt hat.................................................man wartet............................................man bekommt sein Getraenk .................................................Wartepause (manchmal wird jetzt auch ein letztes Mal nachgefragt, was man bestellt hat)......................................ein Kellner kommt und versucht, das noch halbvolle Glas wegzunehmen.......................................jetzt gibt es zwei Moeglichkeiten, entweder man entscheidet, dass man mal wieder vergessen wurde und geht oder- hurra- das erste Essen kommt. Ein Essen, denn der Zweitbesteller darf meistens erst essen, wenn der Andere schon fertig ist.

Doch heute wurden noch ein paar extra Zwischenschritte eingefuehrt. Alles begann damit, dass ich ein Stueck hinter mir das inzwischen wohlbekannte Schleim-im-Hals-hochzieh-und-spuck-Geraeusch hoerte und mich empoert umdrehte. Der Verursacher war ein vielleicht 16-jaehriger Tischabraeumer (schliesslich gibt es fuer jede einzelne Aufgabe einen eigenen Wallah). Der hat sich anscheinend ueber meine Aufmersamkeit gefreut, gleich noch ein paar Mal ordentlich auf den Spielplatz geglibbt und kam dann mit einer Schale Zucker an unseren Tisch. Na das war ja nett, Zucker kann man immer brauchen, auch wenn wir noch gar kein Essen zum suessen hatten. Doch kein Problem, er hatte eine andere Verwendung und brachte auch noch einen Krug Wasser (Hilfe, indisches Leitungswasser!!), stellte meine leere Colaflasche (hier gibts suesse 300ml Flaschen aus Glas) in die Zuckerschale (Hygienepolizei aufgepasst) und fing an, Zucker in die leere Flasche zu schaufeln. Damit wollte er mir wohl leckeres Zuckerwasser zaubern aber ich konnte ihn grad noch davon abhalten. Na gut, hat er sich wohl gedacht, warte ich eben einen guenstigeren Moment ab, sie zu beeindrucken und erklaerte uns nur noch schnell, dass wir da Zucker auf dem Tisch haben. Dann kam die Suppe. Eine Sweet Corn Suppe mit undefinierbaren schleimigen Brocken drin. Und sofort war unser hilfsbereiter Freund zur Stelle. Keine Frage, er wollte uns Zucker in die Suppe tun. Nee immer noch nicht. Jetzt hat er doch gemerkt, dass wir ein schwerer Fall sind und kam als Naechstes mit Ketchup an. Schonmal ein Schritt naeher aber auch auch da mussten wir leider ablehnen. Jetzt schien sein Repertoire aber auch erschoepft, und so kam er danach nur noch zwei Mal mit leeren Tellern an. Einen fuer den Ketchup und einen, weil ihm nichts Besseres einfiel, um nochmal an unseren Tisch zu kommen. Eine gute Idee, denn so konnte er noch mehrmals kommen, die Teller und auch den verschmaehten Zucker wieder abzuraeumen.

Das Essen, das irgendwann kam, war auch nicht gerade toll, ich hatte komisch schmeckenden Reis und Alex komisch schmeckenden Reis mit komischem Spinat. Also haben wir uns auf die Pommes gefreut. Die hatten zwar unter "Chinesisch" gestanden, aber das hat ja wie gesagt meistens nicht viel zu sagen. Diesmal aber schon, denn sie waren leuchtend orange mit einer komischen Sosse eingeschleimt. Hmm, was sollten wir den jetzt mit dem ganzen grad mal angefangenen, unappetitlichen Essen machen? Wir waren ja wirklich ueberaus aufmerksam behandelt worden, sogar einen grossen Zwiebelteller haben wir unaufgefordert gebracht bekommen. Der Spielplatz kam nicht in Frage, zu weit weg. Also mussten wir einen guenstigen Moment abwarten und die Neonpommes, den Zwiebelberg und was sich sonst noch so auf unseren Tellern aufhielt in Servietten einpacken und unauffaellig in die Tasche stecken. Sowas klappt natuerlich nie und genau im entscheidenden Moment kam ein Kellner vorbei und wir mussten total lachen. Er hat nichts gesagt, aber wir sind trotzdem schnell gefluechtet- immer noch hungrig und waehrend der naechsten Tage darauf bedacht, bloss nicht an Pommes Frites zu denken.

 
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