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Der heilige Pannenbus Drucken
Geschrieben von Alex   
Samstag, 24. Dezember 2005

Wie im Gaestebuch bereits angekuendigt liessen wir uns auch von heiligen Abenden nicht abhalten und machten uns auf den Weg nach Bijapur. Mit einiger Verspaetung, denn unsere Nachmieter in Ashoks Guest House waren ein junges hollaendisch-belgisches Paar und ein Russe. Mit denen haben wir den halben Tag ueber noch erzaehlt. War lustig, das Paerchen war naemlich auch in Gokarna gewesen und so konnten wir unsere Erlebnisse abgleichen. An den Paradise Beach dort hat es sie allerdings nicht verschlagen, die dort hausende Gemeinschaft waere ihnen doch zu "over the top" gewesen. "Oh, welcome, you found THE BEACH. Let's take off your clothes and swim naked." Naja, so schlimm waren die Leute ja gar nicht, obwohl auch wir dort automatisch Assoziationen zum Film hatten.

Und der Hollaender wurde am Om Beach von einem Skorpion gebissen. Er sah ihn gerade ueber sein Bein laufen und ploetzlich stach er zu. Er meinte, er muesse nun sterben. Verstaendlich, aehnliche Sorgen haette ich mir wohl auch gemacht. Aber zwei Einheimische beruhigten ihn: Es waere ja nur ein kleiner schwarzer Skorpion gewesen, wirklich gefaehrlich seien die gelben. Er solle eine halbe Zwiebel! auf den Stich legen. Mit Zwiebeln gegen Skorpiongift, das haette ich mir ja auch nie traeumen lassen. Aber anscheinend hat es ja funktioniert, er schien recht munter.

Sie hatten schon die grosse runde um Suedindien hinter sich, die wir ja auch angreifen wollen. Allerdings erzaehlten sie auch von den heftigen Regenfaellen und Ueberflutungen rund um Chennai, wo sie knietief durchs Wasser wateten und zusahen, dass sie dort wegkamen.

Na jedenfalls fuhren wir ein letztes Mal durch das Koenigreich der Affen nach Hospet und liessen wieder unseren Blick ueber die riesigen Steinhaufen schweifen. In Hospet wollten wir den staatlichen Bus nach Bijapur nehmen. Es kam dann auch einer. Mitten in der grossen Keilerei am Einstieg fragte ich einen schwarz gekleideten Lungiwallah, ob dieser Bus nach Bijapur fahren wuerde (da Beschriftung mal wieder nur auf Kannada). Ja. Auch Susan fragte. Ja. Wir schafften es in den Bus, Susan hatte einen Platz und ich dachte eigentlich, ich haette auch einen. Allerdings kam dann ein Inder angewuehlt und meinte, mit dem auf den beiden anderen Sitzen liegendem Schal waeren nicht nur diese beiden, sondern auch mein Platz reserviert gewesen. Da ich das System "Kampf um die Plaetze" noch nicht ganz durchschaue, liess ich ihn dann schliesslich auch sitzen, konnte es aber nicht unterdruecken, einige meiner englischen Schimpfwoerter auszuprobieren. Das stoerte ihn aber nicht so, Hauptsache er hatte seinen Platz. Ich hatte dann Glueck und fand noch einen neben dem schwarzen Lungiwallah.

Und dann kam die naechste Enttaeuschung. Als der Bus anrollte, erfuhr ich vom Schaffner, dass der Bus nicht nach Bijapur fahren wuerde. Ich war schon am Aufspringen, da hielt Lungi mich fest und meinte, es gaebe spaeter eine Umsteigemoeglichkeit. So sass ich mit ihm in der letzten Reihe (wo es immer am meisten ruettelt, stellenweise sprang ich 20 cm hoch im Sitz) und musste mich zwei Stunden lang mit ihm unterhalten. Ueber Indien, ueber Deutschland, ueber deutsches Essen. Und dann auch die Frage, ob in Deutschland denn auch Rindfleisch gegessen wuerde. Hat mir schon fast leid getan, dies mit ja zu beantworten. Denn diese Leute in den schwarzen oder blauen Lungis sind sehr religioes. Sie leben 42 Tage abseits ihrer Familie, gehen in dieser Zeit barfuss, oelen sich nicht die Haare, essen ueberwiegend Fruechte und versammeln sich Mitte Januar zu einem grossen Festival in Tamil Nadu, um einem bestimmten Gott huldigen. Andererseits sieht es auch aus, als ob sie auf einer lustigen Tour sind, denn meist reisen sie gemeinsam in grossen Gruppen.

Den Umstieg schafften wir dann spaeter, allerdings hatten wir nun wieder einen auch staatlichen, aber klapperharten Bus mit Baenken. Der vorige hatte Ledersitze gehabt. Nach einer knappen halben Stunde Fahrt (es war inzwischen dunkel geworden) stoppte der Bus jedoch. Beissender Qualm in der Kabine und die Leute stiegen aus. Hm. Einige kamen wieder rein, allerdings nur, um auch ihre Sachen zu holen. Wir stiegen auch aus. Es war kurz vor acht und die Scheinwerfer waren kaputt. Endstation und noch zwei Stunden Fahrt bis nach Bijapur. Mitten in der Dunkelheit an der Landstrasse.

Draussen sprach uns ein Inder an, ob es unser erstes Erlebnis dieser Art waere. Ja. Frueher oder spaeter wuerde es eben passieren. Und nun? Abwarten, ob noch ein Bus vorbeikaeme. Und wir hatten Glueck. Keine zehn Minuten spaeter kam einer angerollt. Und wir hatten noch mehr Glueck. Er war nur halbvoll, alle fanden einen Sitzplatz und es handelte sich wieder um einen der wesentlich komfortableren mit Ledersitzen. Nur konnte ich nicht abschalten, wie ich es eigentlich vorhatte. Denn nach 5 Minuten setzte sich die Bekanntschaft von eben neben mich und liess mich bis Bijapur nicht mehr in Ruhe. Es war aber eigentlich auch ganz interessant und wir bekamen eine Einladung zur Hochzeit seines Studienfreundes am folgenden Tag, zu der er unterwegs war. Wir haben dann bei der Ankunft aber nicht noch einmal nachgefragt. So haben wir also doch keine indische Hochzeit erlebt.

Wir checkten in das Hotel ein, in dem Susan neulich schon eine Nacht war und machten uns auf die Suche nach einem Weihnachtsmenue. Leider wurden es nur zwei kleine Idli, in Bijapur gibt es nachts um 11 kaum noch etwas zu essen. Erst recht kein Weihnachtsmenue. Auch nicht am heiligen Abend.

 
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