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Besonders ich hatte mich ja schon seit Indien aufs selber-Kochen gefreut, aber Spass gemacht hat's eigentlich nur beim ersten Mal und richtig gut geschmeckt fast noch weniger. Das koennte vielleicht an den unappetitlichen Gemeinschaftstoepfen liegen, in denen noch die Reste der Mahlzeiten meiner drei Vorgaenger kleben. Na, das ist vielleicht ein kleines bisschen uebertrieben aber etwas wo ich nicht uebertreiben muss, ist der morgendliche Zehnbettzimmermuff, wahlweise Fuss- oder (manchmal und) Alkoholfahnenaroma, der mich regelmaessig nach dem ersten Erwachen bis Mittag in Halbnarkose versetzt (endlich eine gute Ausrede). Ausserdem ist mein Zimmer das Langweilerzimmer, denn die meisten arbeiten und ein mir leider ganz schoen unsympathischer Hollaender gibt jeden Abend, wenn er schlafen will einen Dreiminutencountdown bis er das Licht ausmacht. Natuerlich ist er der Lauteste, wenn alle anderen schlafen. Deswegen muss ab 9 Uhr immer damit gerechnet werden, dass man gleich aus dem Zimmer geworfen wird. Dann muss entweder ganz aus dem Haus gefluechtet werden, oder es bleibt der Fernsehraum mit einer Auswahl von ca. zweieinhalb Sendern. Auf einem kommt scheinbar jeden Tag Big Brother, wobei sie sich nichtmal mehr die Muehe machen, die Sendung zu schneiden oder den Ton so zu bearbeiten, dass man auch was versteht. Auf dem anderen kam dafuer einmal um Mitternacht ein guter Film auf deutsch. .
Neben dem langweiligen Programm wartet im Fernsehraum aber oft noch eine andere Gefahr - Wendy. Wie gesagt sind die meisten Hostelbewohner ja zum Arbeiten in Australien, so wie wir das in Neuseeland machen wollen. Ein paar sind zum Studieren gekommen, und dann gibt es neben denen, die einfach nur Reisen noch die Gruppe der Komischen. Dazu gehoert neben einigen wenigen, mit denen ich mich noch nicht getraut hab zu reden Wendy. Angeblich haette sie ja einfach keine Lust mehr auf eine eigene Wohnung in Sydney gehabt und ist stattdessen ins Hostel gezogen. Ich hab sie allerdings inzwischen durchschaut. Sie ist ins Hostel gezogen, weil es da Leute gibt, die nicht weg koennen und so ihren langen Monologen und zahlreichen Geschichten ausgeliefert sind. Nicht dass alles langweilig ist, was sie erzaehlt, aber man weiss eigentlich immer schon nach einem Satz, was sie zu erzaehlen hat, muss dann aber noch mindestens zehn Minuten warten, bis sie alle genauen Details wiedergegeben hat. Besonders gerne spielt sie auch Gespraeche nach. Gestern hab ich mal versucht, extra unfreundlich zu sein (nachdem ich zweimal erfolglos versucht hab, sie durch einen abschliessenden Kommentar von mir zu stoppen) und einfach desinteressiert zum Fernseher geguckt, was sie aber nicht im Mindesten gestoert hat. Etwas lustiges, naemlich einen grossen Zufall gibt's auch zu berichten, denn im Bett unter mir schlaeft im Moment Lea, die wir schon am Paradise Beach in Indien getroffen haben! Mal wieder Zeit festzustellen, wie klein die Welt doch sein muss. Die stellt unsere Reise auch total in den Schatten, denn sie hat zwar ungefaehr die selbe Route, laesst sich aber viel mehr Zeit und will allein in Australien elf Monate bleiben. Lange Rede, kurzer Sinn - alleine wohnen hat auch was und so hab ich am Wochenende mal einen Versuch unternommen, mich nach einem neuen Einzelzuhause umzusehen. Aushaenge fuer WG-Zimmer gibt's hier wie in Berlin an jedem Strassenmast und praktischerweise wird die Miete eh pro Woche berechnet. Die meisten suchen natuerlich trotzdem eher Langzeitbewohner, aber als ich einmal grad eine Anzeige am Gartenzaun durchgelesen hab, kam gerade die Anzeigenaufgeberin und sprach mich an. Wollte aber erst noch mit ihrem Mann sprechen, ob der das auch erlaubt, dass ich da nur fuer eine Woche einziehe, deswegen sollte ich am naechsten Tag mal anrufen. Die Wohnungen hier sind ja eigentlich alles Haeuser. Am Anfang dachte ich noch, wir sind in Newtown in einem ganz edlen Familienbezirk gelandet, weil alles voller einstoeckiger Reihenhaeuser war aber so ist es hier wohl ueblich zu wohnen, auch fuer arme Studenten. Dann bin ich auf dem Nachhauseweg noch an einer anderen Anzeige vorbei gekommen. Eine Vegetarier-WG fuer 90 Dollar pro Woche, das klang natuerlich gut, das Hostel kostet genauso und das Zimmer im Ehehaus sollte 160 kosten. Das Maedchen am Telefon war sogar ganz begeistert, dass ich nur so kurz bleiben will, weil sie mit mir die Suchzeit gut ueberbruecken koennten. Also wurde ich fuer Sonntagmorgen um neun Uhr zum Besichtigen bestellt. Weniger zum Zimmer-besichtigen als zum mich-besichtigen, wie es klang. Ich ueberlegte ein bisschen, was das wohl fuer Leute sind, die mich Sonntag Morgen um Neun zu sich bestellen. An diesem Abend war ich also die Langweiligste, denn alle anderen waren unterwegs, sich um den Alkoholgeruch fuer den naechsten Morgen zu kuemmern. Ich bin inzwischen alle zwei Stunden aufgewacht, weil ich Angst hatte zu verschlafen. Hab ich nicht, war statt dessen zum ersten Mal vor allen Anderen wach und puenktlich auf dem Weg zur ersten WG-Besichtigung meines Lebens. Am Haus angekommen, konnte ich erstmal seine aussergewoehnliche Groesse bewundern und dann feststellen, dass anscheinend so frueh noch keiner wach ist, weil keiner auf mein Klingeln reagierte. Irgendwann kam ich aber auf die Idee, zu klopfen und ein nettes Maedchen in meinem Alter oeffnete die Tuer. Nachdem sie mir das Haus gezeigt hatte stellte sich heraus, dass mein Zimmer draussen im Hof ist. Sie hat es nie so benannt, aber eigentlich war es die Garage. Aber mit Teppichboden und Moskitonetz, und da es drinnen eh immer kalt ist weil Heizungen hier nicht verbreitet sind, habe ich mich schon auf mein eigenes Gartendomizil gefreut. Denn es sah gut fuer mich aus, mir waren schon die andere Mitbewohnerin und die Katze vorgestellt und viele Decken gegen die Kaelte versprochen worden. Dann kam allerdings der entscheidende Moment, der meine Zukunft im Zehnbettzimmer besiegelte. Ich erwaehnte Alex. Ich hatte ihr ja eigentlich schon am Telefon erzaehlt, dass mein Freund am Donnerstag kommen wuerde, nur leider wurde waehrend des Gespraeches dreimal die Verbindung unterbrochen, weil ohne Vorwarnung das Geld alle war. Also wollte ich jetzt nur nochmal sichergehen, dass das ok ist, wenn wir ab Donnerstag zu zweit in der Garage sind. Leider war sie ploetzlich ganz ueberrascht. Ohhhhhhhhhhhhhh, eigentlich ist das ein Haus nur fuer Frauen. Hm. Genau genommen waere der boese Mann ja nicht im Haus, nur im Garten. Und selbst das nur fuer zweieinhalb Tage. Doch mit solchen Ueberlegungen konnte ich Sydney's Lespenfront nicht kommen, Maennerfeindin Nummer Eins haette eventuell noch mit sich reden lassen, doch als Superemanze Nummer Zwei davon hoerte, brachte sie mich gleich zur Tuer. Nach den troestlichen Abschiedsworten dass ich aber einziehen koennte, wenn mein Freund eine andere Unterkunft findet, hab ich den restlichen Tag lang ueberlegt, ob Sydney's Lesben das Blatt langsam wenden und zur Abwechslung mal alle gegengeschlechtlichen Paare diskriminiert werden. Mein Anruf bei meiner Zweitmoeglichkeit war auch von Misserfolg gekroent. Entweder hatte ihr Mann sich gegen mich entschieden und sie traute es sich nicht zuzugeben oder die Telefone Sydneys haben sich wirklich alle gegen mich verschworen, auf jeden Fall bekam ich bei meinen drei Anrufen nur ein hallohallo ist da Jemand? zu hoeren. Hurra ihr achtzehn Muffelfuesse! |