 Busbahnhof Morgen Abend geht es weiter nach Hampi. Ich habe ein Zugticket. Aber ewig lange hat es wieder gedauert. Man muss erst ein Formular mit der Zugnummer, Name, Alter, Geschlecht usw. ausfuellen und sich dann in die Schlange (fuer Auslaender und Rentner) einreihen. Dummerweise war an meinem Schalter gerade Schichtwechsel. Da wurde erstmal ein Closed-Schild aufgestellt, eine Angestellte zaehlte das Geld in der Kasse, danach die andere und nebenbei wurde ein kleiner Schwatz gehalten. Damit die Rentner sich ordentlich die Beine in den Bauch stehen. Spaeter war ich dann an der Reihe und wurde angebruellt, dass 2. Klasse Sleeper ausgebucht waere. Bis Montag schon. Ich koennte aber auf die Warteliste. Im Endeffekt nahm ich dann 3. Klasse mit Air Condition. Haha, Holzsitze aber Klima, damit man auch ordentlich friert, waehrend einem die Knochen weh tun. Aber egal. Meine 594 km auf dem Ticket kosten jetzt 565 Rupies.
 Bahnhof Nachdem also alle Sachen in Bangalore soweit erledigt waren, konnte ich mich heute endlich mal richtig der Stadt widmen. Und inzwischen geht es auch besser, denn ich bin eine Menge Bus gefahren und habe versucht, mir so viel wie moeglich von den Strassenzuegen zu merken. Und einen Weg gegen die Orientierungslosigkeit habe ich auch gefunden. Die Haeuser sind hier ab der ersten Etage gnadenlos mit den Werbeschildern der ansaessigen Firmen zugepflastert. Und manche schreiben die Adresse auf Englisch mit rauf. Das muss zwar nicht bedeuten, dass diese Strasse dann auch im Plan ist, hilft aber meist. Das Bussystem habe ich immer noch nicht ganz durchschaut, obwohl ich mir auch dafuer einen Plan gekauft habe. Aber irgendwie komme ich trotzdem immer an. Die rush hour ist besonders toll, wenn man voellig zwischen lauter anderen Bussen und Rikschas eingekeilt ist. Dazwischen ab und zu mal ein Ochsenkarren, dessen Ochse das ganze Gehupe und Gedraengel mit stoischer Gelassenheit ertraegt. Sollten die Busse ihm doch zu nah kommen (und nah ist wirklich ganz nah gemeint), dann nimmt der Fuehrer seine Peitsche und beginnt, wuetend auf die Seite des Busses einzuschlagen, bis dieser wieder ein paar Zentimeter Platz macht. Ich beobachtete auch wieder die Polizisten bei ihren "Taenzen" auf der Strasse. Manchmal haben sie auch kleine Tuermchen, auf denen nuetzliche Hinweise stehen: "Obey traffic rules. Avoid Accident." Oder auch Dichtkunst: "A little care makes accidents rare." Bangalore Palace Heute stand der Bangalore Palace des Maharadschas von Mysore auf dem Programm. Ich kam an und wurde erstmal mitten in die Vorbereitungen fuer eine grosse indische Hochzeit gezogen. Die ganze Halle wurde gerade aufwaendig geschmueckt und ein paar hundert Stuehle waren schon aufgebaut. Hm, dann werden dort heute Abend bestimmt auch die Eunuchen nicht weit sein, die auf Hochzeiten erscheinen und Geld fordern, sich ansonsten entkleiden und Pech bringen sollen. Der Palast in Bangalore ist ein Sommersitz des heutigen 26. Maharadschas von Mysore. Und der laesst sich seine staubigen Moebel ordentlich versilbern. Ich staunte nicht schlecht, als der Entritt 200 Rupies kosten sollte. Eine Fotoerlaubnis zusaetzlich 500, die habe ich mir dann gespart. Ich bekam einen Guide zur Seite gestellt und wir betraten die Raueme. Als erstes empfing uns gleich mal ein ausgestopfter Elefantenkopf mit lang herabhaengendem Ruessel ueber der Tuer. Ansonsten war wirklich alles sehr eingestaubt und Horden von Bauarbeitern waren unterwegs (oder lungerten herum). Nach europaeischen Massstaeben haette der Palast schliessen muessen. Mein Guide schien ein Holzfreund zu sein und wiess mich auf jede Art von Holz bei Moebeln, Fussboeden usw. hin. Ich kann jetzt problemlos Teak- von Rosen- und Sandelholz unterscheiden. Ansonsten gab es noch Hocker auf Elefanten- und Bueffelfuessen, den Thron, eine Wiege, eine Sitzwaage und einen Haufen Kinderfotos des heute 53-jaehrigen Maharadschas. Und ein Messgeraet fuer die Koerperhoehe, welches meine mit etwas ueber 6,2 Fuss ermittelte. Sehr gross.Das bekam ich dann eine Stunde spaeter auch gleich gesagt, als ein Inder im Vorbeigehen zu mir meinte: "Wow, what a height." Ich komme mir hier eh immer schon wie ein Riese vor. Wenn ich im Bus stehe, muss ich an unguenstigen stellen den Kopf einziehen. Und das Schlafabteil im Reisebus war auch bedeutend kuerzer als ich. Ich war nun auf dem Weg zur Vidhana Soudha, dem Regierungsgebaeude. Ein riesiger Palast, der den Bangore Palace weit in den Schatten stellt. Ich wollte aufs Gelaende, wusste nicht, dass es verboten ist. Der Polizist mit Maschinenpistole fragte mich, woher ich kaeme und ob ich eine permission haette. Ich wollte schon aus Spass Pakistan sagen, wusste aber nicht, ob ich dann gleich verhaftet werden wuerde. Also hatte ich keine permission und wurde angehalten, doch von draussen zu gucken.  Cubbon Park Dann betrat ich wieder den Cubbon Park. Es war kurz vor sechs und ich setzte mich auf eine Ansammlung von Steinen. Ein Inder in schwarzer Anzughose und weissem Hemd grinste mich an, setzte sich zu mir und sprach gutes Englisch. Woher ich komme, wie lange ich hier bin - das Uebliche halt. Und ob ich verheiratet waere. Auch nicht ungewoehnlich, werden wir hier oft gefragt. Dann wird man nach dem Namen gefragt, stellt sich gegenseitig vor und schuettelt die Haende. Ich wunderte mich nur ein bisschen, warum er dabei mit seinem Finger in meiner Handflaeche umherstocherte. Aber erstmal nichts weiter dabei gedacht. Dann fragte er mich, ob mir der Park gefaellt. Ich sagte ja und erzaehlte ihm, dass es in Berlin auch viele Parks gaebe und es schoen waere, wenn eine Stadt so etwas haette. Er fragte mich darauf, ob es in den deutschen Parks viele gay people geben wuerde. Da daemmerte es mir dann langsam. Er interessierte sich auch dafuer, ob ich lieber Whisky oder Bier trinke. Na langsam nahm mein Interesse an der Unterhaltung ab und ich sagte ihm, dass ich in Indien sehr wenig trinke, was ja korrekt und gar nicht gelogen ist. Als er mekte, dass ich langsam abschaltete, schlug er mir im Fluesterton noch weitere Dinge vor, die ich aber rein vom Prinzip her ablehnte. Ich verabschiedete mich dann auch bald und suchte mir den naechsten Parkausgang. Kurz davor verkaufte eine alte Frau Bananen. Ich kaufte mir eine. Dann fiel mir ein, dass das Essen einer Banane hier vielleicht ein falsches Zeichen setzen wuerde, und ich steckte sie lieber in den Rucksack. |